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Der Norden Gibt es zu wenig Ärzte im Land?
Nachrichten Der Norden Gibt es zu wenig Ärzte im Land?
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00:16 27.07.2017
Von Gabriele Schulte
„Keiner meiner Kommilitonen will nach dem Studium in eine Landpraxis“: In den Dörfern fehlt es vielen Medizinern an Infrastruktur. Foto: dpa Quelle: Rolf Vennenbernd
Hannover

Dagegen setzt die Kassenärztliche Vereinigung auf freiwillige Lösungen und immer neue Modelle - etwa die gleitende Praxisübernahme, bei der erfahrene Ärzte und Nachfolger sich eine Zeitlang eine Praxis teilen.

Gemeinsam in der Praxis

„Ein Glücksfall“, sagt Mediziner Siegfried Paschen in Cappeln (Kreis Cloppenburg), sei es gewesen, dass sein Sohn schon in der Schulzeit von einer Zukunft als Landarzt träumte - ganz gegen den Trend. Als der Vater seine Hausarztpraxis in dem 4000-Einwohner-Ort altersbedingt aufgeben wollte, konnte Christoph Paschen nahtlos übernehmen. Fünf Jahre lang teilten Vater und Sohn sich die Arbeit. „Jeder Patient konnte sich aussuchen, ob er den jungen oder den alten Arzt wollte.“

Ein Modell, das zwar anderswo auch unabhängig von Familienbanden gut funktioniere. „Aber es wird zu selten versucht“, meint Siegfried Paschen bedauernd. Er ist überzeugt: „Wenn mehr junge Ärzte die Arbeit auf dem Land ausprobierten, würden sie gar nicht mehr wegwollen.“ Der eigene Garten, die Anerkennung in der Dorfgemeinschaft - vieles spreche dafür.

Kommentar: Wie kommt der Arzt nach Lüchow?

Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN), die mit ihrem Verteilungsschlüssel eine ausreichende Ärzteversorgung sicherstellen soll, kann einen akuten Mangel indes nicht ausmachen - weder bei Hausärzten noch bei Fachärzten. „Nur bei Urologen und Hals-Nasen-Ohren-Ärzten gibt es regional Engpässe“, meint Sprecher Uwe Köster. Dass jetzt in der Ferienzeit mancherorts Patienten Probleme hätten, einen Facharzt zu erreichen, sei ein vorübergehendes Problem. Die Kollegen sollten sich besser abstimmen.

Statistisch gesehen gilt ein Gebiet laut KVN als unterversorgt, wenn es weniger als 75 Prozent des errechneten Ärztebedarfs abdeckt. In Wirklichkeit bräuchten aber vermeintlich besonders schlecht versorgte Regionen wie das Hamburger, das Braunschweiger und das Wolfsburger Umland gar nicht mehr Ärzte: „Die Leute fahren gern zum Arzt in die Stadt.“

In abgelegenen Regionen sieht das vor allem für ältere, nicht mehr mobile Bewohner anders aus. In Leer etwa bringt neuerdings ein Patientenmobil Kranke zuverlässig zum Haus- oder Facharzt. Ein Modellversuch mit einer kostspieligen „rollenden Arztpraxis“ im Kreis Wolfenbüttel ist dagegen eingestellt worden. Zu wenige Patienten hätten das Angebot genutzt, sagt KVN-Sprecher Köster. „Gerade auf den Dörfern gibt es doch oft Familienangehörige, die die Älteren zum Arzt bringen.“

Lieber ins Ballungsgebiet

Der medizinische Nachwuchs entscheidet sich allerdings häufig für eine berufliche Zukunft in einem Ballungsgebiet. „Keine der Kommilitonen in meinem Umfeld will nach dem Studium in eine Landpraxis“, erzählt Daniela Manecke, Studentin an der Medizinischen Hochschule Hannover. Auch sie selbst würde am liebsten in einer Universitätsstadt praktizieren, als Fachärztin. In den Dörfern fehlt es vielen jungen Medizinern gerade in der Zeit der Familiengründung an Infrastruktur wie Kinderbetreuung und Schule. Der - inzwischen vorwiegend weibliche - Ärztenachwuchs möchte zudem häufig gern Teilzeit arbeiten.

Doch es tut sich etwas. So hat immerhin ein gutes Dutzend Studierende ein Ende 2016 gestartetes Stipendienprogramm des Landes angenommen. Die geförderten Studenten erhalten bis zu vier Jahre lang 400 Euro monatlich und verpflichten sich, nach dem Studium als Hausärzte im ländlichen Raum Niedersachsens tätig zu sein. Schon seit 2010 gibt es zudem eine finanzielle Unterstützung für Medizinstudenten, die sich im Praktischen Jahr ihrer Ausbildung für ein Tertial bei einem Hausarzt entscheiden.

Einen breiten Ansatz verfolgt das Ministerium mit den im Jahr 2014 gestarteten „Gesundheitsregionen Niedersachsen“. Die Kommunen sind dabei aufgefordert, an ihre Bedürfnisse angepasste Modelle für eine bessere ärztliche Versorgung zu erproben. Auch die KVN ist mit im Boot.

Die Konjunktur brummt, einige Regionen Niedersachsens melden Vollbeschäftigung - doch bei Langzeitarbeitslosen kommt das Jobwunder nicht an. Um dieser Gruppe zu helfen, will die Landesregierung für die nächsten zwei Jahre insgesamt 1000 öffentlich geförderte, nach Tarif bezahlte Jobs schaffen. 

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