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Graffiti-Haus in Aurich sorgt für Ärger

Verwaltung Graffiti-Haus in Aurich sorgt für Ärger

Mit professionellen Graffiti verzierte Häuser sind in vielen Städten verbreitet. Im ostfriesischen Aurich gab es das bisher nicht - jetzt schon. Und Elke Lenk hat prompt Ärger bekommen. 

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Bunt ist das Haus von Elke Lenk in der Altstadt von Aurich. Der Verwaltung gefällt das nun gar nicht.

Quelle: Mohssen Assanimoghaddam

Aurich.   Das Motiv, das Elke Lenks Haus seit kurzem ziert, ist typisch ostfriesisch: grüne Wiese mit Kuh und Windmühle. Trotzdem gibt es eine Menge Wirbel um das knallbunte Graffiti-Bild mitten in der Altstadt von Aurich. Sowas hat es in der Kleinstadt noch nicht gegeben. Zahlreiche Schaulustige kamen, um das Bild zu bestaunen. Die Lokalmedien berichteten. Doch die Stadt ist alles andere als begeistert. Ihrer Ansicht nach ist das Spraykunstwerk mit dem Denkmalschutz nicht vereinbar, denn es lenkt den Blick von dem historischen Bauwerk daneben ab.

 

 

In einem langweiligen Grau war Lenks Haus bisher gestrichen. Unten befindet sich ihr Optikgeschäft, oben ihre Wohnung. Nach der Renovierung des Ladens wollte sie auch die Fassade aufhübschen. „Ich wollte einfach ein schönes Bild auf meinem Haus haben“, sagt die 48-Jährige am Dienstag. Also beauftragte sie einen jungen Graffiti-Künstler aus Aurich, der ihr Haus vor vier Wochen besprühte. „Ich wusste, dass das für Aufregung sorgt“, sagt sie. Aber mit so viel hatte sie dann doch nicht gerechnet. 

 Bis zum 1. Dezember hat die Stadtverwaltung ihr jetzt Zeit gegeben, die Graffiti-Kunst zu übermalen. „Ein vollflächiges Graffiti geht an der Stelle nicht“, sagt der stellvertretende Stadtbaurat Kai-Michael Heinze. „Es passt nicht in das historische Ensemble.“ 

 Lenk bekommt Unterstützung von Auricher Künstlern, die eine Online-Petition initiiert haben. Diese haben bisher mehr als 1200 Menschen unterzeichnet. Ändern werde diese jedoch nichts, sagt Stadtbaurat Heinze. „Wir sind nicht frei in unserer Entscheidung. Wir sind an das Denkmalschutzgesetz gebunden.“

 Dass ein buntes Haus nicht jedem gefällt, musste auch Georg Bayer im schwäbischen Städtchen Hayingen erfahren. Im vergangenen Oktober strich er sein Haus in leuchtendem Rot, Gelb und Orange. Seine Sache, müsste man meinen. Doch das sehen Stadt und Landratsamt anders. Das bunte Haus stehe am Rand des Marktplatzes in der Nähe mehrerer denkmalgeschützter Gebäude wie Rathaus, Gasthof und Kirche, heißt es bei den Behörden. Und auf diese müssten Besitzer bei der Gestaltung ihrer Häuser Rücksicht nehmen. 

 Bayer will sein Haus auf keinen Fall in dem Einheitsbeige des Ortes streichen. „Das ist dröge. Ein bisschen Farbe bringt Lebensfreude.“ Er hat deshalb Widerspruch eingelegt und wartet jetzt auf eine Entscheidung des Regierungspräsidiums. „Einen Kompromiss wird es nicht geben“, sagt er. Notfalls will er vor Gericht für seine leuchtendbunte Fassade kämpfen. 

 Lenk und die Auricher Stadtverwaltung wollen sich kommenden Dienstag treffen, um über eine Lösung zu sprechen. „Eintönig grau kommt für mich nicht infrage“, sagt Lenk. Sie will auf jeden Fall etwas mit Farbe. Und die Stadt zeigt sich verhandlungsbereit. „Da gibt es durchaus Möglichkeiten“, sagt Heinze. Sogar ein kleines Graffiti sei drin.

 Den ganzen Ärger hätte Lenk sich sparen können, hätte sie ihre Fassadenbemalung vorher mit dem Bauamt abgesprochen. „Ich habe es nicht gemacht, weil ich wusste, dass ich das nicht genehmigt bekomme“, gibt sie zu. Heinze vermutet dahinter deshalb eine Marketing-Aktion. Immerhin ist Lenks Geschäft dadurch auch außerhalb von Aurich bekannt geworden. Lenk bestreitet diese Absicht: „Es ist keine reine PR-Geschichte gewesen. Es ist eine geworden.“

Von lni

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