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Der Norden Wird Wikinger-Dorf an der Schlei Weltkulturerbe?
Nachrichten Der Norden Wird Wikinger-Dorf an der Schlei Weltkulturerbe?
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21:44 29.06.2018
Geschichte mit allen Sinnen: Erlebnispädagoge Sven Hopp macht Feuer mit einem Funkenstein, Holzspänen und Moos. Quelle: Foto: Roessler
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Haithabu

Kleine Lehmhütten stehen dicht gedrängt am Ufer der Schlei bei Schleswig. Hinter ihnen heben sich ein grüner Uferstreifen und das metallisch blau glänzende Wasser des Flusses ab. „Dieser Blick hat sich seit 1000 Jahren nicht verändert“, sagt Sven Hopp. Der 53-Jährige arbeitet in Haithabu – jener eindrucksvollen Wikingersiedlung, auf deren Überresten heute ein Freilichtmuseum steht. An diesem Wochenende will die Unesco entscheiden, ob sie die Wikingerstätten in Haithabu und im nahe gelegenen Danewerk zum Weltkulturerbe ernennt – denn die Befestigungsanlage Danewerk und der Handelsplatz Haithabu gehören zu den bedeutendsten archäologischen Zeugnissen Nordeuropas.

Auch Lösegeld wurde gezahlt

„Die Wikinger waren uns sehr ähnlich“, erzählt Hopp. „Im Schnitt wurden sie zwischen 1,60 und 1,80 Meter groß.“ Wer in Kindheit und Jugend genug zu Essen hatte, habe schon damals zu stattlicher Größe heranwachsen können. Sogar ein hohes Alter von 80 Jahren und mehr hätten manche Leute erreicht. „Da durfte aber nichts dazwischenkommen. Keine Blinddarm- oder Zahnentzündung, keine schwere Verletzung oder Krankheit. So etwas ließ sich meist nicht heilen.“

Manche Alltagsgegenstände in den Häusern der Handelssiedlung an der Schlei ähnelten denen der heutigen Zeit: Es gab Tische, Stühle und Besteck. Als Matratzen dienten den Einwohnern von Haithabu mit Stroh und Moos gefüllte Leinensäcke oder ein darüber gebreitetes Fell. Sogar eine bronzene Kirchenglocke läutete. Sie ist erhalten und gilt als die älteste Nordeuropas. Um das Jahr 1000 hatte das Christentum sich weithin durchgesetzt, die Siedlung bestand aber schon seit dem achten Jahrhundert.

Rund 3000 Menschen lebten in Haithabu, erklärt Museumsleiterin Ute Drews – für damalige Verhältnisse sei das eine Großstadt gewesen, eine Handelsmetropole. In den engen Gassen wimmelte es von Händlern, Arbeitern, Kaufleuten. Ware aus aller Herren Länder wurde umgeschlagen. Handelsbeziehungen, das belegen Funde, gab es bis nach Arabien. Waffen, Schmuck, Werkzeuge und Keramiken wurden verkauft. „Und Sklaven“, sagt Sven Hopp. Auch diese kamen teils aus fernen Ländern. Manchmal auch aus dem Norden. „Wer bei einer Fehde unterworfen und versklavt wurde, konnte oft gegen ein hohes Lösegeld ausgelöst werden“, erzählt Hopp.

Haithabu war ein Ort der Begehrlichkeiten, der Zwietracht und des Neides, aber auch des geschäftlichen Erfolgs. Eine Stadt, in der es brodelte. Wiederholt wurde sie niedergebrannt. Nach dem letzten Feuer im Jahr 1066 unterblieb ein Wiederaufbau.

Auch viele Schiffe gingen in Haithabu vor Anker. „Es war eine Stadt, in die man kam, um zu arbeiten“, sagt Hopp. „Die Häuser hat man für einen Sommer gemietet und dann sein Geschäft betrieben.“ Lebensmittel wurden aus der Umgebung bezogen. Im Ort liefen Hühner umher, es gab angepflockte Schweine. „Mehr ging aus Platzgründen nicht.“

Über Haithabu hat möglicherweise ein Herrschersitz gethront, ein Jarls-Hof, von dem aus Schiffe auf der Schlei früh sichtbar waren. Bisher wurde er aber noch nicht gefunden.

Auf die dauerhafte Anwesenheit einer Herrschaftsschicht deuten jedoch auch jüngste Grabfunde hin. Im neben dem Dorf gelegenen Wikingermuseum, das im vergangenen Jahr für 3,6 Millionen Euro renoviert wurde, ist seit der Wiedereröffnung im Mai eine neue Vitrine zu sehen. „Sie enthält den Goldschmuck einer hochgestellten Wikingerfrau aus dem zehnten Jahrhundert“, erklärt Restaurator Gerhard Stawinoga.

Das Collier der Wikinger-Frau

Die Grabung war bereits 1939 begonnen worden, musste dann aber wegen des Kriegsbeginns unterbrochen werden. Im vergangenen Jahr haben Forscher dann im Abraum der alten Grabung die bedeutendsten Funde gemacht: Kunstvoll gearbeitete Goldanhänger mit Amethyst und Bergkristall sowie verzierte Perlen. „Wäre die Grabung damals beendet worden, wäre das wohl alles verloren gegangen“, meint Stawinoga, denn zu jener Zeit seien noch keine Metallsuchgeräte eingesetzt worden.

Die Schmuckstücke trug die Tote wohl in Form eines Colliers, das noch mit bunten Glasperlen versehen war. Ein Grab mit solchen Beigaben spricht dafür, dass die Angehörigen ständig am Ort lebten, glaubt auch Hopp – „aber Saison war im Sommer“. Und der wird auch in diesem Jahr wieder viele Besucher nach Haithabu bringen.

Von Marcus Stöcklin

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