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Der Norden Trinkwasser im Harz wird langsam knapp
Nachrichten Der Norden Trinkwasser im Harz wird langsam knapp
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14:21 07.11.2018
Der Wasserspiegel ist deutlich gesunken: Die Oktertalsperre. Quelle: Swen Pförtner/dpa
Hildesheim

Die Trockenheit in Niedersachsen in diesem Jahr hat historische Dimensionen erreicht. Nach Einschätzung der Harzwasserwerke ist das laufende Jahr so trocken, wie es statistisch nur alle 200 Jahre vorkommt. Das hat Christoph Donner, Geschäftsführer der Harzwasserwerke, am Mittwoch in Hildesheim erklärt.

Um die Versorgung mit Trinkwasser zu sichern, hat das Unternehmen in Absprache mit dem Umweltministerium jetzt die Abgabe aus den Talsperren weiter reduziert. Sein Unternehmen stellte auch ein längerfristiges Maßnahmenpaket für die Talsperren und Flüsse im südlichen Niedersachsen vor. Die Harzwasserwerke liefern das Trinkwasser für rund 2 Millionen Menschen in Niedersachsen, hinzu kommen Industriebetriebe und Landwirtschaft. Grund zur Panik bestehe aber nicht. „Die Versorgungssicherheit ist derzeit nicht in Gefahr“, so Donner.

Die große Trockenheit

Anlass für die Drosselung ist die andauernde Trockenheit – in den vergangenen 160 Jahren fiel im Harz nur 1976 noch etwas weniger Regen oder Schnee als in diesem Jahr. Hinzu kommt eine aktuelle Prognose des Deutschen Wetterdienstes, der zufolge auch die nächsten vier Wochen in Niedersachsen ziemlich trocken ausfallen dürften. Die Folge: Die drei Trinkwasser-Talsperren seien aktuell zu 43 Prozent gefüllt, normal seien Anfang November 68 Prozent, so Donner.

Konsequenz: Die Harzwasserwerke haben jetzt die Trinkwasser-Produktion der Ecker-Talsperre, die vor allem den Raum Braunschweig versorgt, von 430 auf 320 Liter pro Sekunde reduziert. Die Lücke schließen soll die noch vergleichbar gut gefüllte Grane-Talsperre. Die wird zudem bereits seit zwei Monaten zur Entlastung der Söse-Talsperre genutzt und hat von dieser die Trinkwasser-Versorgung von Hildesheim und großer Teile des Landkreises übernommen. Die Folge: Der Wasserstand dieses Stausees sank seither zwar weiter, aber nicht mehr so schnell.

Auch auf den sinkenden Füllgrad der Innerste-Talsperre wollen die Harzwasserwerke reagieren. Voraussichtlich in drei Wochen wollen sie den Abfluss aus dem Stausee drosseln – von derzeit 600 auf dann noch 500 Liter pro Sekunde. Die Maßnahme soll dann greifen, wenn die Füllmenge des Stausees auf 4,25 Millionen Kubikmeter oder 22 Prozent sinkt. Am Mittwoch enthielt die Talsperre noch 4,9 Millionen Kubikmeter Wasser (25,5 Prozent). Zudem prüfen die Harzwasserwerke, ob sie Wasser aus einigen der 64 Teiche des historischen Verbundsystems „Oberharzer Wasserregal“ in die Innerste leiten, um deren Talsperre zu stützen. Ein Ergebnis soll es bis Anfang nächster Woche geben.

Auch an der Oker- und der Oder-Talsperre dürfte es in Kürze dazu kommen, dass weniger Wasser als bislang in die Flüsse abgelassen wird. Bei der Söse liegen die Harzwasserwerke nach eigenen Angaben schon seit Wochen „am Minimum“ – würde noch weniger Wasser herausfließen, könnte der Fluss teilweise austrocknen.

Zwei Extreme in zwei Jahren

Auf der anderen Seite habe sich im Juli vergangenen Jahres gezeigt, wie schnell das Blatt sich wenden kann: Damals seien binnen drei Tagen 40 Millionen Kubikmeter in drei Tagen in die Harz-Talsperren geflossen, die Stauseen hätten so noch schlimmere Überschwemmungen vor allem entlang der Innerste verhindert. „Wir haben also zwei Extrem-Ereignisse, die in keinem Klima-Modell vorkommen, in zwei Jahren erlebt“, so Donner.

Im Januar wollen die Harzwasserwerke eine neue Bewertung vorlegen. Bleibt es trocken, sind auch Aufrufe zum Wassersparen nicht ausgeschlossen. Auch Einschränkungen für Industriebetriebe und Kläranlagen, die für ihre Produktion sowie fürs Einleiten von Abwasser auf bestimmte Pegelstände der Flüsse angewiesen sind, sind dann denkbar.

Langfristig plant das Unternehmen ein Forschungsprojekt, um die Speicherkapazität im Harz noch zu erhöhen – sowohl zur Sicherung von Trinkwasser als auch zum Schutz vor Hochwasser. Neue Talsperren oberhalb von Goslar, Trinkwasser-Erzeugung an der dafür bisher nicht vorgesehenen Oder-Talsperre im Südharz sowie die Erweiterung bestehender Stauseen gehören zu den möglichen Projekten.

Von Tarek Abu Ajamieh

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