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Der Norden Als Clown im Krisengebiet
Nachrichten Der Norden Als Clown im Krisengebiet
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08:53 13.12.2014
Der 54-jährige Heiko Mielke trägt als Clown ein Lachen in die Krisengebiete dieser Welt. Quelle: Ulf Dahl
Langwedel

In seinem gemütlichen Zirkuswagen, den Proficlown Heiko Mielke einst von einem Familienzirkus im Internet ersteigert hat, ist der Zweimetermann mit dem grauen Wuschelkopf nur selten anzutreffen. Im Sommer tingelt er in seiner Lieblingsrolle als Piratenkapitän Flunker über die Hafenfeste, um Geld zu verdienen – denn davon muss nicht nur die Stellplatzgebühr auf dem Campingplatz am Brahmsee bezahlt werden. Doch den Rest des Jahres trägt der 54-jährige Mitbegründer der deutschen Organisation „Clowns ohne Grenzen“ ein Lachen in die Krisengebiete dieser Welt, spielt in Flüchtlingslagern und Bürgerkriegsregionen unermüdlich gegen Not und Elend an. Denn: „Auch die Seele braucht Nahrung.“

Das Seelenfutter im Gepäck, reist und spielt der ausgebildete Theater- und Zirkuspädagoge in Sri Lanka, Syrien, Rumänien oder der Türkei. Er stellt Teams aus erfahrenen Clowns zusammen – nervenstarke Improvisationskünstler, die wie er stets auf gepackten Koffern sitzen und sehr bewusst mit der Gefahr umgehen, die immer mitreist. Zuletzt zu dritt im türkisch-syrischen Grenzgebiet, wo die Angst vor dem Bürgerkrieg und der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) immer mehr Menschen in die Flüchtlingslager treibt.

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1,5 Millionen Menschen sind es inzwischen, deren Alltag vom nackten Überlebenskampf bestimmt wird und für die ein Lachen wie ein Gruß aus einer fernen Welt klingt. „Wir können nichts an der Situation vor Ort ändern“, sagt Mielke. „Aber wir können die Menschen für einen Moment vergessen lassen.“

Mielke ist überzeugt: Kinder, die in ihrem Leben nur Angst und Not kennengelernt haben, die niemals unbeschwert spielen und albern sein durften, drohen emotional abzustumpfen. „Lachen ist wichtig, um das Herz zu öffnen.“ In den besuchten Krisenregionen hat der Berufsclown während seiner Vorstellungen immer wieder erlebt, wie Kinder und Eltern zum ersten Mal seit Langem gemeinsam gelacht haben – und manchmal vor Freude darüber geweint. Diese magischen Momente sind es, die Heiko Mielke antreiben. Und wenn er sich in seinem Zirkuswagen die wilden Haare rauft, zum roten Bandoneon greift – „Da ist ein MP3-Player drin“ – und mit einem Bass, der jedem Shantychor zu Ehren gereichen würde, Piratenlieder schmettert, hat er seine Zuschauer schon um die rote Nase gewickelt.

Dabei ist jede seiner Shows, gerade in fremden Kulturen, gut vorbereitet. Jonglage, Zauberei, Musik und Situationskomik kommen fast überall gut an, doch kulturelle Besonderheiten berücksichtigen Mielke und seine Kollegen sehr genau. „In Syrien darf man auf der Bühne zum Beispiel keine Frau anfassen oder als Clown zufällig die Hose verlieren.“

Um die Reisen zu finanzieren, gibt der Vater zweier erwachsener Kinder deutschlandweit Benefizvorstellungen und Workshops – und auf Hafenfesten den Piraten. Der Rest wird durch Spenden und Mitgliedsbeiträge von „Clowns ohne Grenzen“ aufgebracht. Im kommenden Jahr will Mielke nach Sri Lanka, Syrien und Peru reisen, um das zu tun, was er am liebsten macht: ein Lachen verschenken.

Von Carola Jeschke

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