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Der Norden Feinkosthersteller Homann sagt Umzug nach Sachsen ab
Nachrichten Der Norden Feinkosthersteller Homann sagt Umzug nach Sachsen ab
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16:48 27.04.2018
200 Millionen Euro für die bestehenden Standorte: Homan bleibt endgültig in Dissen bei Osnabrück. Quelle: dpa
Dissen/Bad Essen

Kurswechsel beim Feinkosthersteller Homann aus dem Osnabrücker Land: Der Mutterkonzern Theo Müller hat die Umzugspläne nach Sachsen gestoppt. Die Homann-Produktion soll stattdessen an allen bestehenden deutschen Standorten weitergeführt werden, teilte die Unternehmensgruppe am Freitag mit.

Der Aufsichtsrat habe beschlossen, rund 200 Millionen Euro in die Standorte Dissen und Bad Essen im Kreis Osnabrück, Bottrop (Nordrhein-Westfalen) und den Standort Rogätz in Sachsen-Anhalt zu investieren. Ein weiterer Standort ist im thüringischen Floh-Seligenthal.

Noch im vergangenen Jahr hatte Homann angekündigt, die Produktion bis 2020 ins sächsische Leppersdorf verlegen zu wollen, wo der Konzern eine große Molkerei hat. Das wäre auch das Ende des seit 1876 bestehenden Stammsitzes in Dissen gewesen. Nun will die Homann-Geschäftsführung erneut Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern aufnehmen.

Zwei Top-Manager sind weg

Über die Gründe für den Kurswechsel machte die Müller-Gruppe zunächst keine genauen Angaben. „Grundlage des Aufsichtsratsbeschlusses waren die Ergebnisse einer Prüfung des bisherigen Standortkonzepts hinsichtlich Zeitplanung, Investitionsvolumen und Positionierung am Markt“, hieß es lediglich in einer Pressemitteilung.

Noch im vergangenen Jahr hatte der Konzern betont, dass die Fortführung der Alt-Standorte unwirtschaftlich sei. Beobachter bringen das Umdenken bei Müller mit dem Weggang zweier Homann-Top-Manager im Herbst in Verbindung, die sich maßgeblich für den Umzug nach Leppersdorf eingesetzt hatten. Daraufhin habe die neue Unternehmensleitung die Umzugspläne wieder auf den Prüfstand gestellt. Auch über einen Kostensprung bei den ursprünglich geplanten Investitionen für Leppersdorf war inoffiziell gesprochen worden.

Der Dissener Betriebsratschef Andreas Straede reagierte mit Erleichterung: „Ich freue mich heute einfach“, sagte er. „Es ist eine Entscheidung geändert worden, jeder Unternehmer hat das Recht dazu.“ Zwar werde es wahrscheinlich Umstrukturierungen bei Homann geben. „Aber auf jeden Fall ist das tausend Mal besser, als die Produktion nach Leppersdorf zu verlagern, denn das hätte das Aus für uns bedeutet“, sagte Straede. In der Region Osnabrück beschäftigt Homann rund 1200 Mitarbeiter.

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) hatte schon Anfang April davon gesprochen, dass der Standort gerettet sei. „Einmal mehr bestätigt sich, dass wir nie zu früh die Hoffnung aufgeben dürfen, wenn es um die Sicherung von Arbeitsplätzen in Niedersachsen geht“, teilte er jetzt mit.

Von einem „positiven Signal“ sprachen auch die Grünen im Landtag – forderten aber zugleich Aufklärung, wie es zum Sinneswandel im Unternehmen gekommen sei. „Bis jetzt wissen wir nicht, ob das Land und in welcher Höhe Subventionszusagen erteilt hat, ob sich die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten verschlechtern werden und was jetzt Gegenstand der neuen Verhandlungen ist“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher Detlev Schulz-Hendel.

Dissens Bürgermeister Hartmut Nümann sieht in der Absage an den Umzug nach Leppersdorf einen Sieg der Vernunft. Der geplante Umzug sei nicht zu Ende gedacht gewesen. „Wir haben die besseren Karten hier“, sagte der SPD-Politiker und verwies auf Standortvorteile wie einen Autobahnanschluss und eine Vielzahl erfahrener und motivierter Mitarbeiter.

Von Elmar Stephan