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Der Norden Hurricane fällt am Sonnabend ins Wasser
Nachrichten Der Norden Hurricane fällt am Sonnabend ins Wasser
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21:51 26.06.2016
Das Festivalgelände in Scheeßel gleicht stellenweise einer Matschwüste. Quelle: dpa
Scheeßel

Am Sonntagmorgen kommt die vorläufige Erlösung. FKP Scorpio, Veranstalter des Open-Air-Festivals Hurricane in Scheeßel in der Nordheide, verkündet den Gästen per Festival-App, das Gelände sei nun geöffnet. Das ist fast schon ein Grund zum Jubeln an einem Wochenende der Notlösungen und Katastrophenpläne. Zumindest für jene Besucher, die noch nicht entnervt und völlig durchnässt abgereist sind. So warten auf die Hartnäckigen immerhin noch Bands wie Bloc Party, Deichkind oder Mumford & Sons. Ob diese darüber hinwegzutrösten vermögen, dass der Festivalsonnabend mit angekündigten Höhepunkten wie Frank Turner, The Offspring oder The Prodigy schließlich vollständig abgesagt werden musste, ist fraglich.


Allerdings macht das verbliebene Publikum eher den Eindruck, bei Weitem nicht nur für die Musik angereist zu sein. Für viele stehen Party und Erlebnis im Vordergrund. Und Erlebnisse hatten die ersten drei Festivaltage nun wirklich zu bieten, wenn auch vorwiegend unangenehme. Unwetter, Dauer- und Starkregen gehörten in diesem Jahr dazu. Aber auch das Warten auf Neuigkeiten. Immer wieder wurden Konzerte abgesagt, Bühnen geschlossen und das Veranstaltungsgelände gesperrt.

Bereits nach einem vorzeitigen Abbruch am Donnerstagabend bangten viele Besucher auf den Zeltplätzen um einen trockenen Schlaf. Beim Aufwachen zeugten zwar noch große Pfützen und viel Matsch von der Gewitternacht. Der Freitag zeigte sich jedoch zunehmend sonnig, und die heißen Temperaturen sorgten schnell für festeren Boden. Kurz bevor der Abend mit ersten großen Namen beginnen konnte, zogen die Veranstalter jedoch aufgrund einer erneuten Unwetterwarnung vorsichtshalber die Notbremse und evakuierten das Gelände für zwei Stunden. Danach können aber immerhin Bands wie The Hives oder Royal Republic mit energiegeladenem schwedischem Alternative Rock für gute Laune sorgen, bevor der Abend unter anderem mit einem deutschsprachigen Bühnenduell aufwartet. Während die Mehrzahl der Gäste sich für den bislang größten Festivalauftritt der Kölner AnnenMayKantereit entscheidet, versammeln Turbostaat aus Husum vor allem ihre Fangemeinde vor der kleineren Bühne. Zwischen unbedarften Powerchansons für Twentysomethings in Feierlaune und intelligentem Postpunk mit brillanten Texten tut sich so das ganze Spektrum einer deutschen Musikszene auf, die schon lange nicht mehr so lebendig war wie zurzeit. 


Da wirkt der wie immer gewaltige Auftritt der Band Rammstein wie ein Art Zusammenfassung, die die Mehrzahl der Besucher mindestens fasziniert. Tatsächlich bündeln die Protagonisten der neuen deutschen Härte alle zuvor erlebten Bühneninszenierungen und steigern sie nicht ohne Ironie ins Artifizielle. Die produzierte Ästhetik ist eigenständig und mehrfach gebrochen. In ihrem Bombast mit Pyrotechnik, großen Bildern und kleinen Geschichten wirken Rammstein-Shows ein wenig, als würde Leni Riefenstahl im antiken Rom Mad Max inszenieren. Die folgenden Konzerte der deutschen Hip-Hopper K.I.Z. und der kalifornischen Hardcoreband Pennywise finden zwar ebenfalls begeisterte Fans, wirken jedoch fast wie Fußnoten auf dem Weg in die Nacht.

Diese endet um 8.30 Uhr mit einer erneuten Unwetterwarnung. Wer rechtzeitig auf sein Smartphone schaut oder bereits Festivalradio hört, wird aufgefordert, sich nach Möglichkeit in ein Fahrzeug zu begeben. Die Warnung bleibt den Großteil des zentralen Festivalsonnabend über bestehen. Die Ankündigungen, man wolle doch noch versuchen, Konzerte zu ermöglichen, lösen sich bis zum musiklosen Ende des Tages immer wieder in heftigen Regengüssen auf. Abends geben viele auf und treten durch zum Teil wadentiefe Wassermassen den Weg nach Hause an. Bereits im Februar hatte der Veranstalter gemeldet, das Festival sei mit 73.000 Kombitickets ausverkauft. Viele der Käufer sind am Sonntag nicht mehr auf dem Gelände. Die Verbleibenden haben jedoch nicht alle ihren Humor verloren. Eine twittert: „Das Wort Kombi-Ticket kommt übrigens daher, dass man die Hälfte des Festivaltages evakuiert im Kombi verbringt.“


Von den Unwettern ist nicht nur das Hurricane-Festival betroffen: Beim Southside-Festival im Kreis Tuttlingen gab es am Freitagabend 25 Verletzte. Die Feiernden flüchteten vor Blitz, Donner und Starkregen. "Fünf Festival-Besucher kamen ins Krankenhaus", sagte ein Sprecher der Polizei. Um was für Verletzungen es sich handelte, konnte er am Samstagmorgen nicht sagen. Die Veranstaltung wurde daraufhin abgesagt. Die Sicherheit auf dem Gelände könne nicht mehr gewährleistet werden, teilten die Veranstalter mit. Die Besucher wurden aufgefordert, die Heimreise anzutreten. Zu Beginn der dreitägigen Open-Air-Veranstaltung auf dem Gelände eines ehemaligen Militärflugplatzes in Neuhausen Ob Eck herrschte noch schönstes Sommerwetter, dann kamen Blitz und Donner.

Von Thomas Kaestle

 

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