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Der Norden Immer mehr Exoten landen im Tierheim
Nachrichten Der Norden Immer mehr Exoten landen im Tierheim
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08:40 10.02.2017
Sachsenhagen

Bekannt werden nur die spektakulären Fälle: Beinahe täglich entwischen Schlangen, Echsen und Schildkröten aus Wohnungen und Gärten oder werden gar von ihren Besitzern ausgesetzt. Die meisten Tierheime sind mit den Bedürfnissen der anspruchsvollen Reptilien überfordert, spezialisierte Auffangstationen oft überlastet. Der Deutsche Tierschutzbund, der jetzt ein neues, spendenfinanziertes Reptilienzentrum in Weidefeld (Schleswig-Holstein) eröffnet hat, sieht die Politik am Zug. Präsident Thomas Schröder sagt: „Eigentlich müssten Bund, Länder und auch Kommunen Auffangstationen bauen, denn die lassen den Handel und die Haltung der Tiere in privater Hand immer noch zu.“

Wie viele Privatleute exotische Tiere halten, ist unbekannt. Dem Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe zufolge ging die Zahl der Terrarien bundesweit zuletzt leicht zurück. Allerdings berichten Tierheime zunehmend von ausgesetzten beziehungsweise abgegebenen Exoten. Bei Hinweisen auf Verstöße gegen das Tierschutzgesetz beschlagnahmen Veterinärämter auch Exoten. Spezialisierte Aufnahmeeinrichtungen für sie werden teilweise staatlich unterstützt.

Die Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen westlich von Hannover ist mit einer Fläche von 20 Hektar die größte ihrer Art. Das Zentrum auf einem ehemaligen Bundeswehrgelände erhält jährlich 120 000 Euro vom Land Niedersachsen, dies ist etwa ein Drittel seines Etats. Der Rest wird mit Hilfe der Tierschutzorganisation Aktion Tier und über Spenden finanziert.

2450 Tiere wurden im vergangenen Jahr aufgenommen, darunter 300 Reptilien. Aktuell beherbergt das Zentrum 177 Schlangen, Echsen und Co. - insgesamt 54 Arten. „Viele Menschen kaufen für 20 Euro eine Boa oder Bartagame, sind aber nicht bereit in ein Terrarium zu investieren“, beklagt der Leiter der Station, Florian Brandes. Der Fachtierarzt für Wildtiere plädiert dafür, dass angehende Reptilienbesitzer eine Sachkundeprüfung machen müssen - so wie es für Hundehalter in einigen Bundesländern verlangt wird. Bisher gibt es eine solche Prüfung nur auf freiwilliger Basis.

In Sachsenhagen werden alle Neuankömmlinge untersucht und viele von ihnen zunächst in der Quarantäne-Station untergebracht. In diesem Trakt ist auch der verschlossene Raum mit den Giftschlangen. Ihn dürfen nur der Chef und ein speziell geschulter Tierpfleger durch eine Schleuse betreten. Bevor die Tiere an Zoos weitergegeben werden können, ist ein Gesundheitsnachweis notwendig. Ungeschützte Arten wie die Kornnatter oder Wasserschildkröte gibt das Zentrum mitunter auch an Privatleute ab. Brandes zeigt eine Bartagame - eine australische Echse - mit fehlendem Schwanz. „Das ist ein Haltungsschaden“, erklärt der Tierarzt. Jemand habe offenbar zwei männliche Tiere in ein Terrarium gesetzt, was Revierkämpfe zur Folge hatte.

"Nasenbären, die in einer Etagenwohnung in Hannover gehalten wurden"

Das Verhalten der Tiere werde oft falsch gedeutet. „Wenn ein Grüner Leguan die Augen schließt und den Kopf hochhält, während man ihn krault, ist das ein Schutzreflex und keinesfalls ein Zeichen des Genusses.“ Auch gestörte, auf den Menschen geprägte Papageien leben in den Volieren auf dem Gelände. „Sie wurden allein gehalten, dabei sind Papageien soziale Tiere.“

20 Mitarbeiter sind für die Betreuung der Wildtiere zuständig. „Wir hatten hier schon alles vom Stinktier über das Stachelschwein bis hin zu Nasenbären, die in einer Etagenwohnung in Hannover gehalten wurden“, erzählt der 47-Jährige. Auch auf den Menschen geprägte Affen muss das Zentrum immer wieder aufnehmen.

Manchmal wird der Chef von Polizei und Feuerwehr zur Hilfe gerufen. Vor knapp zwei Jahren wurde er im Streifenwagen durch einen Stau auf der A2 zu einem Auto gebracht, aus dem ein Notruf abgesetzt worden war. Der Fahrer hatte im Fußraum seines Mietwagens eine Boa Constrictor entdeckt, die sich sofort wieder hinter die Verkleidung zurückgezogen hatte. Brandes übernahm das Auto in der Nähe der Ausfahrt Lauenau von dem unter Schock stehenden Fahrer und befreite die Schlange schließlich mit Hilfe eines Mechanikers in einer Autowerkstatt. „Sie ist immer noch bei uns“, sagt er und zeigt auf das inzwischen zwei Meter lange Tier.

Der Schlangenbesitzer wurde Brandes zufolge trotz umfangreicher polizeilicher Ermittlungen nicht ausfindig gemacht. „Er hätte eigentlich die Kosten für den Polizei-Einsatz inklusive Autobahn-Sperrung tragen müssen.“

Von Christina Sticht

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