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Der Norden Wie John Lennon Verden eroberte
Nachrichten Der Norden Wie John Lennon Verden eroberte
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19:50 13.09.2016
Das Glück des Fans: Harry Schwertner traf John Lennon in Verden. Quelle: Focke Strangmann/dpa
Verden

Ein Soldat wirft eine Handgranate sechsmal mit voller Wucht gegen eine Haustür. An diese Filmszene erinnert sich der 64-jährige Harry Schwertner mit breitem Grinsen und funkelnden Augen. Er war live dabei. Wenige Sekunden später traf er den Weltstar und sein großes Idol John Lennon - in seinem Heimatdorf.

Im September 1966 galten die Dreharbeiten für Richard Lesters Antikriegsfilm „How I Won the War“ (Wie ich den Krieg gewann) in der niedersächsischen Kleinstadt Verden an der Aller als streng geheim. Für den damals 14-jährigen Harry war es reines Glück, trotzdem vom Besuch seines Idols zu erfahren: „Mein Vater arbeitete bei der britischen Rheinarmee. Er war kein Beatles-Fan, sondern hörte Heino. Aber der Dreh sprach sich in der Kaserne rum, und der Name John Lennon fiel bei uns zu Hause.“

Danach ging alles ganz schnell. Am 14. September 1966 rannte der Schüler durch eine kleine Straßensperre, sah die Filmcrew und stand dann dem weltberühmten, aber völlig verändert aussehenden John Lennon gegenüber. Mit kürzeren Haaren, Soldatenhelm und dunkler Uniform war das Musik-Idol kaum wiederzuerkennen - er spielte die Rolle des Soldaten Gripweed. „Ich wollte ein Autogramm von ihm, war aber zu nervös und konnte nicht sprechen. John Lennon sah mich, lachte, zeigte mir dann einen Buckel und signierte den kleinen Zettel auf meinem Rücken“, erzählt Schwertner, heute Rentner. Er bezeichnet sich als Beatles-Fan seit der ersten Single. Heute kann er über seine zittrigen Hände von damals lachen.

50 Jahre liegt Lennons Besuch in Verden mittlerweile zurück. Das diesjährige Jubiläum feiern Beatles-Stammtische aus Verden und Hannover mit einer Ausstellung im Pferdemuseum. Berühmte Fotografien, Zeitungsartikel, Plastikfiguren sowie CDs und Schallplatten sollen die Sechzigerjahre lebendig werden lassen. „Wir erzählen mit der Ausstellung Teile von John Lennons Geschichte. Von seinen Anfängen mit den Beatles bis hin zu seinem Tod“, erklären die gelernten Elektriker und Gründer des Beatles-Stammtisches in Verden, Wolfgang Bielfeldt und eben Schwertner.

Obwohl John Lennon nur wenige Stunden in Verden verbracht hat und während der Dreharbeiten in einem Nachbarort untergebracht war, ist der 26 000-Einwohner-Ort zu einer Pilgerstätte für Hunderte Beatles-Fans geworden. Das war nicht immer so. Erst dank eines Zeitungsaufrufs 2002 ist die Stadt aus einem „Dornröschenschlaf“, wie es die Beatles-Fans dort nennen, aufgewacht. Das Gerücht, nicht der Weltstar selbst, sondern lediglich ein Double sei 1966 in Verden gewesen, erhitzte damals die Gemüter. Fans wie Schwertner, die sich als Zeitzeugen verstehen, reagierten und Lennon wurde wieder Gesprächsthema. Am einstigen Drehort steht seit 2008 ein Denkmal für den Weltstar. Umgeben von Pferdewiesen und der Aller erinnert eine stilisierte Grafik an Lennons Besuch und seine tragische Ermordung 1980 in New York.

Von Helena Mertens

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