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Der Norden Neue Vorwürfe gegen das Klinikum Oldenburg
Nachrichten Der Norden Neue Vorwürfe gegen das Klinikum Oldenburg
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00:17 08.06.2018
Dauerstreit, Haushaltsdefizit – und eine Debatte über tödliche Behandlungsfehler: Das Klinikum Oldenburg kommt nicht aus den Schlagzeilen. Quelle: Foto: dpa
Oldenburg/Hannover

Das Klinikum Oldenburg kommt nicht zur Ruhe: immer neue Enthüllungen über den Patientenmörder Niels Högel, Dauerstreit zwischen Vorstand und Chefärzten, ein Millionen-Defizit im Haushalt – und nun erneut der Verdacht von tödlichen Behandlungsfehlern.

Die Sterberate bei bestimmten Bauchspeicheldrüsen-Operationen soll nach Medienberichten deutlich zu hoch sein. Nach Statistiken von Klinik-Ärzten sollen bis zu 30 Prozent der Patienten die komplizierten Operationen nicht überlebt haben. Normal wären fünf bis zehn Prozent. Klinikum-Geschäftsführer Dirk Tenzer spricht von einer Sterberate von 23 Prozent, die „im auffälligen, aber keinesfalls im außergewöhnlichen Bereich“ sei. „Wir lassen aktuell alle Todesfälle im Bereich der Pankreaschirurgie vorsorglich extern überprüfen“, sagte Tenzer.

Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) hat beim Klinikum einen Bericht angefordert. „Wir erwarten von den Krankenhäusern, dass sie sich mit den Sterblichkeitsraten intensiv auseinandersetzen und ihre Prozesse mit Blick auf eventuelle Defizite überprüfen“, sagte Reimann der HAZ. Gründe und AfD forderten Aufklärung. „Es kann nicht sein, dass solche Fälle erst durch die Presse öffentlich gemacht werden“, erklärte die Grünen-Landtagsabgeordnete Meta Janssen-Kucz. „Ich bin erschüttert über die Vorfälle im Klinikum Oldenburg“, sagte AfD-Fraktionschefin Dana Guth.

Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) nimmt nach den Vorwürfen gegen das Klinikum Oldenburg dessen Krebszentren genau unter die Lupe. „Wir sind dabei, die Zertifikate für das Brust- und Prostatakrebszentrum zu überprüfen“, sagte DKG-Sprecherin Katrin Mugele am Montag. Das Bauchspeicheldrüsen- und das Darmkrebszentrum mussten bereits ihre Zertifikate abgeben. Möglicherweise, weil dem Klinikum die Fachärzte fehlen.

Nach einem Bericht der „Nordwest-Zeitung“ soll bereits im Januar 2015 ein Oberarzt in Oldenburg auf die aus seiner Sicht zu hohe Sterberate intern hingewiesen haben. Drei Jahre später listete ein anderer Oberarzt 20 Operationen in zehn Monaten auf. Sechs Patienten verstarben noch im Krankenhaus. In 60 Prozent der Fälle habe es Komplikationen gegeben. Beide Oberärzte arbeiten nicht mehr in Klinikum.

Gegen den ehemaligen Chefarzt der betroffenen Abteilung, Hans-Rudolf Raab, ermittelt die Staatsanwaltschaft Oldenburg wegen des Verdachts der Fehlbehandlung von Patienten und des Abrechnungsbetruges. Die Klinikleitung hatte Raab, der von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) nach Oldenburg gekommen war, im März 2017 wegen der Vorwürfe suspendiert. Raab wiederum soll ein halbes Jahr zuvor einen Chirurgen, dem Fehler vorgeworfen worden waren, mit einem Operationsverbot belegt haben.

Wie es hieß, waren in der Abteilung von Raab immer wieder Ärzte aneinander geraten, verbal und einmal wohl fast auch handgreiflich. Offizielle Beschwerdebriefe wurden geschrieben – und noch mehr anonyme Anschuldigungen erhoben. Die Vorwürfe richteten sich auch gegen Klinikchef Tenzer, dem ein zerrüttetes Verhältnis zur Ärzteschaft nachgesagt wird. Tenzer hat Strafanzeige gegen den Verfasser eines 60-seitigen „Memorandums“ mit dem Titel „Das Klinikum Oldenburg am Abgrund“ gestellt.

Für das Klinikum sind die jüngsten Vorwürfe auch wegen der Fehler im Fall Högel heikel. Der Ex-Krankenpfleger soll zwischen 2000 und 2005 mehr als 100 Patienten an den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst ermordet haben. Mitarbeiter des Klinikums sollen Högels Taten vertuscht und ihn weggelobt haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Im Oktober dieses Jahres startet ein neuer Prozess gegen Högel: Diesmal geht es um 98 Morde. Für sechs Taten musste sich der Ex-Pfleger bereits vor Gericht verantworten. Er verbüßt in Oldenburg eine lebenslange Haftstrafe.

Von Marco Seng

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