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Der Norden Millionenbetrug mit „Chick Sexing“
Nachrichten Der Norden Millionenbetrug mit „Chick Sexing“
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22:44 16.08.2017
Männlich? Weiblich? Für die Nahrungsmittelindustrie ist das wichtig. Klären können das besonders gut und schnell Kükensortierer aus Asien.Foto: dpa Quelle: Bernd Wüstneck
Uslar

Männlich? Weiblich? Küken von Hühnern werden nach dem Schlüpfen nach Geschlecht sortiert. Die weiblichen Tiere sollen Eier legen, die männlichen werden vorwiegend getötet. Dieses „Chick Sexing“ beherrschen besonders gut und schnell Spezialisten aus Korea, Japan oder China – sie werden dafür eigens auch nach Deutschland vermittelt. Ein Geschäftsmann aus Uslar soll dabei laut der Anklage aus dem Jahr 2012 fast 5 Millionen Euro Sozialabgaben hinterzogen haben. Seit Mittwoch muss er sich vor dem Landgericht Göttingen verantworten – nicht das erste Mal: Seit 13 Jahren beschäftigt der Fall die Justiz.

BGH hob das erste Urteil auf

Weil zuletzt der Bundesgerichtshof ein Urteil des Landgerichts aus dem November 2014 gegen den Geschäftsführer der Vermittlungsfirma sowie dessen Bruder aufgehoben hat, muss jetzt eine andere Wirtschaftsstrafkammer erneut über den sogenannten „Chick-Sexing“-Fall verhandeln. Der erste Prozess hatte rund zweieinhalb Jahre gedauert.

In dem Verfahren ging es um die Frage, ob die Kükensortierer als abhängig Beschäftigte oder als Freiberufler gelten. Im ersten Prozess kam das Landgericht Göttingen zu dem Ergebnis, dass die asiatischen Arbeitskräfte als Beschäftigte einzustufen seien. Der 56 Jahre alte Geschäftsführer der Vermittlungsfirma habe sich in 59 Fällen des Vorenthaltens und der Veruntreuung von Arbeitsentgelten schuldig gemacht, weil er keine Sozialabgaben abgeführt habe. Die Kammer verurteilte ihn Ende 2014 zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Sein heute 61-jähriger Bruder wurde wegen Beihilfe zu einer 14-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt. In dem neuen Prozess sitzt er nicht mit auf der Anklagebank. Das Verfahren gegen den 61-Jährigen wurde abgetrennt. Es ist derzeit unklar, ob er verhandlungs­fähig ist.

Staatsanwalt fordert Haftstrafe

Das erste Urteil lag deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Diese hatte damals für den 56-Jährigen eine Haftstrafe von vier Jahren und für den Bruder eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren gefordert, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. Die Staatsanwaltschaft legte deshalb Revision ein und hatte damit beim Bundesgerichtshof Erfolg.

Auch die Verteidigung war unzufrieden. Sie hatte auf Freispruch plädiert. Der Bundesgerichtshof entschied auf die Revision der Angeklagten, dass die Frage der Schadenshöhe neu bewertet werden müsse. Das Landgericht war zu dem Schluss gekommen, dass Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von 2,26 Millionen Euro nicht abgeführt worden seien.

Von Heidi Niemann

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