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Der Norden Mit Schlittenhunden auf Tour
Nachrichten Der Norden Mit Schlittenhunden auf Tour
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19:24 28.12.2018
„Ab dem sechsten wurden sie an uns herangetragen“: Derzeit werden 52 Hunde auf dem Huskyhof gehalten. Quelle: Fotos: Huskyhof Ridderade
Ridderade

„Abby, rechts!“, ruft Julia Kranz von hinten. Abby, der Leithund, weißer Körper, schwarzer Kopf, setzt an, nach rechts zu laufen. Moment, rechts? Da ist gar keine Kurve, da ist nur ein schmaler 90-Grad-Abzweig, ein Trampelpfad zwischen Bäumen. Hier sollen wir abbiegen? Bei dem Tempo? Mit einem 20 Meter langen Gespann mit zwölf Hunden vor uns? In wenigen Augenblicken liegen wir mit gebrochenen Knochen im Gestrüpp.

Liegen wir natürlich nicht. Abby weiß genau, wann sie zu welchem Winkel ansetzen muss, damit die anderen Hunde ihr präzise folgen und wir – wohlbehalten – die neue Richtung einschlagen. Ohne zu bremsen. 15 oder 20 Stundenkilometer schaffen die zwölf Hunde locker. Ihre Pfoten fliegen, als würden sie den Boden nicht berühren.

Vorbei an Senf und Rüben

Ridderade im Landkreis Diepholz. Der Ort ist so klein, dass er bloß der Ortsteil eines Ortsteils der Stadt Twistringen ist, und eine Stadt ist Twistringen auch nur mit Mühe. Man fährt schon ein gutes Stück über Gemeindestraßen, zwischen Feldern mit Rüben und Senf, bis man vor dem Tor des Huskyhofs hält und der Wind zu heulen beginnt.

Jedenfalls klingt es so. Das sind die Hunde. Sie begrüßen den Besuch. Dies ist der Huskyhof Ridderade, das Zuhause von Julia und Norbert Kranz und ihren zwei Kindern, ihrer Freundin und Mitarbeiterin Paula zu Klampen, ihren zwei Pferden und ihren – derzeit – 52 Hunden. Fast ausschließlich Huskys, teils aus der Ursprungslinie der sibirischen Huskys, teils aus der Alaska-Linie, in der man Huskys für Schlittenhundrennen gezüchtet hat.

Ein Tierschutzprojekt

Der Huskyhof ist ein Tierschutzprojekt: Die Familie Kranz nimmt Huskys auf, die dort, wo sie sind, nicht bleiben können. Was nahezu nie an den Hunden liegt. Und finanziert wird das Ganze vorwiegend von den Tieren selbst: Sie verdienen sich ihr Futter, indem sie bei Ausflügen einen Schlitten oder, wenn kein Schnee liegt, einen kleinen, Gokart-ähnlichen Wagen mit zwei Passagiersitzen ziehen.

Geplant war nichts davon. Norbert Kranz stammt aus Münster, wurde 1967 geboren, hat Umwelttechnik studiert. Und eines Tages las er von einem Hundetrainerjob, gedacht für Leute, die, wie er erzählt, „im tiefen Winter im Norden Norwegens jeden Tag für wenig Geld lange und schwer arbeiten wollten“. Er lacht. Er bewarb sich und lernte dort, Schlittenhunde auszubilden. Dann kam er zurück und hatte einen Hund, einen Husky-Schäferhund-Mischling. 2003 lernte Norbert Kranz die spätere Julia Kranz kennen, aus Delmenhorst, Jahrgang 1981, Lehrerin. Eigentlich habe sie nie was mit Hunden machen wollen, sagt sie. Zugleich stieß eine Hündin zur Familie.

Jetzt waren sie also schon zwei Menschen mit zwei Hunden. Mit denen sind sie Rad gefahren, haben sich ziehen lassen. Dann kam Hund Nummer drei, und das waren dann zu viele fürs Fahrrad, zu wenig fürs Gespann. So wurden rasch der vierte und der fünfte Hund geholt, „und ab dem sechsten“, sagt Julia Kranz, „wurden sie uns angetragen“.

Huskys, vor allem die sibirischen, sind bildschöne Hunde. Nicht zu groß, nicht zu klein, seidiges Fell, und dann sind da diese geheimnisvollen, oft hellblauen Augen. Huskys sind zudem unendlich freundlich, mit Beginn der systematischen Zucht haben die Eskimos die Welpen zusammen mit ihren Kindern aufgezogen, das soziale Wesen steckt in ihren Genen. Aber Huskys sind auch Arbeitstiere. Sie können das Neunfache ihres Körpergewichts ziehen. Sie sind fürs Laufen geschaffen, und sie müssen laufen. Huskys brauchen es, sich auszupowern, und sie brauchen ein Rudel mit anderen Huskys.

In einer Stadtwohnung werden sie trübsinnig. Was sie aggressiv macht, aus reiner Not heraus. Dann sind andere Hunde dran. Und die Möbel. Und wenn es ganz schlimm kommt, auch die Besitzer.

Im Fernsehen lief mal ein Bericht über den Huskyhof Ridderade und seine Ausfahrten bei Mondschein. Der Beitrag war noch nicht zu Ende, da klingelte das Telefon. Ob sie Mexx bei ihnen abgeben dürften, fragten die Anrufer. Mexx war noch keine zwei Jahre alt und hatte schon neun Vorbesitzer. Keiner kam mit ihm klar, keiner mochte ihn. Heute ist er ein guter Gespannhund.

Anderes Beispiel: Jack. Er hatte seine Besitzer mehrfach gebissen. Wenn der Mann wegfuhr, musste er das Tier in ein Zimmer einschließen, weil die Frau Angst hatte. Die Kranzens haben nichts mit Jack gemacht. Sie haben ihn gefüttert und ansonsten ignoriert. Es war das Rudel, das ihn therapiert hat, anderthalb Jahre lang. Dann durfte er mal Frauchen Julia auf dem Scooter durch die Gegend ziehen. „Er hatte einen Mörderspaß“, sagt Julia Kranz. „Und heute würde ich jeden Gast und jedes Kind an den Hund lassen.“

„Verhalten ist eben kontextgebunden“, sagt Paula zu Klampen, und dann grinst sie ein bisschen, als wäre es ihr peinlich, dass sie immer mal wieder solche klugen Sachen sagt. Dabei stimmt es einfach nur: In der Stadt werden Hunde ausgeschimpft, wenn sie an der Leine ziehen. In Ridderade werden sie unablässig dafür gelobt.

Paula zu Klampen, 1992 geboren, kommt aus Springe und studiert Psychologie in Oldenburg. Sie war mal in Kanada auf einem Hundehof, von da hat sie Aloha mitgebracht, „ein Schaf im Wolfspelz“: einfach nur lieb. Aber die Studentenbude, das war von vornherein klar, war trotzdem nichts für Aloha, also hat Paula zu Klampen ziemlich nahe bei Oldenburg den Huskyhof gefunden. Inzwischen wohnt sie dort sogar, arbeitet mit und düst nur ab und zu zum Studium davon.

Apropos kontextgebunden: In dem weitläufigen Gehege balgen gerade zwei Huskys. Einer knurrt und zwackt den anderen, der jault. Dann hat der erste Hund plötzlich die Zähne an der Kehle des zweiten. In jedem deutschen Stadtpark würden jetzt die Hundebesitzer dazwischengehen. Julia und Norbert Kranz und Paula zu Klampen schauen nicht mal richtig hin. „Die regeln das unter sich.“ Stimmt.

Von Oktober bis April ist Saison in Ridderade, dann laufen die Huskys 3000 bis 4000 Kilometer. Im Sommer schlafen sie viel und regenerieren sich. Zufrieden sind sie, wenn sie arbeiten dürfen. Und das strahlen sie auch aus. Nach der Tour durch den Wald sind sämtliche Hunde – selbst die, die nicht mit draußen waren, denn sie wissen: nächstes Mal dürfen sie – von einer lebendigen Freundlichkeit, verschmust, entspannt und froh (und man mag nicht glauben, dass sie alle mal als Problemhunde galten).

Übrigens übertragen sich diese Freundlichkeit und Zufriedenheit auch auf die Menschen.

Mit Schlittenhunden in den Winterurlaub

Der Huskyhof Ridderadeist eine tierheimähnliche Einrichtung, vermittelt aber keine Hunde. Doch man kann dort Gespannfahrten buchen, von Schnuppertouren über Mondscheintouren bis zu Tagestouren. Die Preise beginnen bei 99 Euro pro Person. Der Hof bietet zudem die Möglichkeit eines Winterurlaubs mit Schlittenhunden in Schweden.

Auch ein paar Tierpensionsplätzegehören zum Huskyhof. Wer die Einrichtung unterstützen möchte, kann spenden oder eine Futterpatenschaft für einen Husky übernehmen.

Alle Infos unter www.hundetouren.de.

Von Bert Strebe

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