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Der Norden So schlimm steht es wirklich um die Landwirte
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00:17 03.08.2018
Die Hitze stresst auch die Zuckerrübe: Laut Landvolk sind alle landwirtschaftlichen Kulturen betroffen. Quelle: dpa
Hannover

Die Ackerbauern in Niedersachsen haben mit der Dürre zu kämpfen. Nach Angaben des Landvolkverbandes sind auch Tierhalter am Limit. Die Unterschiede zwischen den Regionen sind demnach groß. Die HAZ beantwortet die wichtigsten Fragen – auch aus Verbrauchersicht.

Welche Regionen in Niedersachsen sind besonders betroffen?

Die Ausfälle auf besonders trockenen, nicht beregneten Böden sind besonders hoch. Dies betrifft etwa den Roggenanbau mitten in Niedersachsen, etwa in der Region Verden. Dagegen steht der ebenfalls sehr trockene Nordosten des Landes vergleichsweise gut da, weil es dort, unter anderem für Kartoffeln, ein umfassendes Beregnungssystem gibt. Bis zum Frühsommer sah es auch in Niedersachsens Westen noch besser aus, denn dort regnete es ab und zu. Inzwischen hat sich die extreme Trockenheit auch dorthin ausgebreitet.

Welche Betriebe leiden am stärksten?

Anbauer von Rüben und von Kartoffeln außerhalb der Beregnungsregion im Nordosten müssen mit Einbußen von bis zu 50 Prozent rechnen Mit 3,78 Millionen Tonnen dürfte es diesmal insgesamt ein Drittel weniger Kartoffeln geben als im Vorjahr. Bei den Zuckerrüben wird mit maximal 5,5 Millionen Tonnen gerechnet, ein Minus von 35 Prozent gegenüber 2017. Dieser Rückgang hat über Niedersachsens Grenzen hinweg Bedeutung: Das Land stellt etwa 40 Prozent der deutschen Rübenproduktion und gilt als wichtigstes Anbaugebiet der Republik. Für den flachwurzelnden Raps wird eine um 40 Prozent geringere Ernte erwartet. Sehr stark von der Dürre betroffen sind die Halter von Rindern, Schafen und anderen Tieren, die Raufutter benötigen. Auf den verdorrten Wiesen ist nichts mehr zu holen, schon jetzt werden eigentlich für den Winter vorgesehene Rationen verfüttert. Es gebe aber bisher keine Notschlachtungen, sagt Landvolk-Präsident Albert Schulte to Brinke.

Gibt es eine Versicherung gegen Dürre?

Nein. Eine solche Möglichkeit haben Landwirte nach Angaben des Landvolks nicht. Umso wichtiger seien die staatlichen Hilfen. Die niedersächsische Steuerverwaltung hat bereits ein Entgegenkommen signalisiert. Betroffene Landwirte könnten mit Hinweis auf die Situation spätere Steuerzahlungen beantragen. Auch die EU-Prämien sollen möglichst früh ausgezahlt werden.

Welche Rolle spielen die Prämien aus Brüssel?

Direktzahlungen der Europäischen Union bilden inzwischen einen wesentlichen Grundstock der landwirtschaftlichen Einkommen, insbesondere bei Biobetrieben können sie den größten Teil davon ausmachen. Die Ernteerlöse sind aber als zusätzliche Einkünfte einkalkuliert. Forderungen etwa von Schleswig-Holsteins Agrarminister Robert Habeck (Grüne) nach einer neuen „Gemeinwohlprämie“, die sich an ökologischen Kriterien orientiert, lehnt das Landvolk ab: Die Bauern sollten demnach selbst entscheiden, was sie anbauen. Viele nähmen jetzt schon freiwillig an Ökoprogrammen teil.

Wie geht es den Bio-Bauern?

Viele ökologisch bewirtschaftete Betriebe leiden noch stärker als ihre Kollegen im konventionellen Anbau. Angesichts des Futtermangels auf den Wiesen haben sie zusätzlich das Problem, für ihre Tiere nur Futter aus Biobetrieben zukaufen zu dürfen – doch das ist noch knapper. Biobetriebe hoffen deshalb in diesem Winter auf eine Ausnahmeregelung.

Sind Landwirte nicht durch langfristige Verträge abgesichert?

Viele Bauern haben mit der Industrie längerfristige Verträge abgeschlossen, um ihr finanzielles Risiko zu begrenzen. Das erschwert in diesem Jahr aber bei vielen die Lage sogar. Beispielsweise können Kartoffelanbauer, die an Pommeshersteller liefern, die wegen der geringeren Erntemengen gestiegenen Preise nicht an ihre Kunden weitergeben.

Werden Lebensmittel jetzt teurer?

Das Landvolk erwartet keine drastischen Preissteigerungen für die Verbraucher. Bei einem Brötchen mache der Kostenanteil des Mehls nur 1,5 Cent aus. Einen höheren Anteil am Preis hätten neben der Marge für Transport und Handel etwa die Kosten für Wasser und Energie. Auch bei anderen Lebensmitteln sei der Rohstoffanteil an den Produktkosten gering. Mit deutlicheren Preissteigerungen sei möglicherweise bei Gemüse zu rechnen. Unklar ist noch, ob der dramatische Mangel an Tierfutter auch auf die Fleischpreise durchschlägt.

Wie können Verbraucher helfen?

Niedersachsens Bauernverband appelliert an die Verbraucher, die regionale Landwirtschaft gezielt zu unterstützen. Statt beispielsweise im Supermarkt nach billigen Kartoffeln aus Israel zu greifen, sollte man nach heimischer Ware fragen – auch wenn diese Kartoffeln in diesem Jahr vielleicht etwas kleiner ausfallen.

Von Gabriele Schulte

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