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Mutter soll Baby erstickt und enthauptet haben

Prozess Mutter soll Baby erstickt und enthauptet haben

Warum musste die kleine Maya in Soltau sterben? Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wollte die Mutter mit dem Mord an dem gemeinsamen Baby den Vater strafen. Seit Donnerstag wird der Fall vor Gericht verhandelt. Für den Prozess sind zunächst fünf Verhandlungstage angesetzt.

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„Sie sah uns nicht als Familie“: Die Angeklagte am Donnerstag vor dem Landgericht.

Quelle: Philipp Schulze/dpa

Lüneburg. Als die Polizisten am 5. Januar dieses Jahres das Schlafzimmer in dem Mehrfamilienhaus in Soltau betreten, können sie zunächst nicht genau erkennen, was da auf dem Doppelbett liegt. Erst als die Beamten näherkommen, erschließt sich ihnen der grausige Fund: Auf dem Bett liegt der Leichnam eines Säuglings, der Kopf wurde abgetrennt. Vier Monate alt wurde die kleine Maya, seit Donnerstag steht ihre Mutter wegen Mordes vor Gericht.

Der Vorwurf der Anklage: Die 24 Jahre alte Naima M. soll das Mädchen Ende 2016 oder in den ersten Tages des Jahres 2017 umgebracht haben, um sich an ihrem Lebensgefährten für Gewalttätigkeiten zu rächen. Die Angeklagte habe das Baby erstickt und dann den Kopf des Leichnams abgeschnitten, sagte Staatsanwalt Frank Padberg. Dann habe sie das getötete Mädchen angezogen und auf das Ehebett gelegt.

Die Angeklagte schweigt

Der Vater des Kindes war kurz vor der Tat von der Polizei aus der Wohnung verwiesen worden. Im Januar alarmierte er die Beamten, weil es tagelang kein Lebenszeichen von seiner früheren Lebensgefährtin oder seiner Tochter in der Wohnung gegeben habe. Die 24-Jährige wurde knapp eine Woche nach dem Fund des Babys in Soltau festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft.

Naima M. verfolgt den ersten Prozesstag äußerlich regungslos und schweigend. Bei den Behörden hatte sie angegeben, aus Eritrea zu kommen. Ihr früherer Lebensgefährte, Mohammed K. (27) aus dem Sudan, sagt, sie stamme tatsächlich aus Äthiopien – die eritreische Staatsbürgerschaft habe Naima M. nur angegeben, um ihre Chancen im Asylverfahren zu steigern.

Kennengelernt haben sich die beiden im Jahr 2015 auf einem Flüchtlingsboot auf dem Weg von der Türkei nach Griechenland. Über Hannover kamen sie nach Soltau, bezogen dort eine gemeinsame Wohnung und bekamen Sozialhilfe: erst 600 Euro, nach Mayas Geburt 800 Euro.

Mohammed K., der als Nebenkläger in dem Prozess auftritt, bestreitet, Naima M. misshandelt zu haben. Aber er bestätigt, dass es zuletzt häufig Streit gegeben habe. Oft sei es dabei ums Geld gegangen. „Sie sah uns nicht als Familie, für die das Geld gemeinsam ist. Sie wollte ihren Anteil selbst bekommen.“ Was sie damit anfing? „Sie schickte es nach Hause.“ Naima M. habe ihre gemeinsame Tochter vernachlässigt, sagt Mohammed K. Er sei es gewesen, der den Säugling gewickelt und gefüttert habe.

Für den Prozess sind zunächst fünf Verhandlungstage angesetzt. Am Montag soll ein Sachverständiger gehört werden.

Von Carolin George und Christina Sticht

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