Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Der Norden Muttermord – ein seltenes Phänomen
Nachrichten Der Norden Muttermord – ein seltenes Phänomen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:01 19.05.2017
Varel

Varel ist eine beschauliche Kleinstadt in Friesland, die Polizei hat es hier eher selten mit Kapitaldelikten zu tun. Doch in der Nacht zum Montag fanden Polizisten dort im Ortsteil Büppel eine 39 Jahre alte Frau in ihrer Wohnung, getötet mit mehreren Messerstichen. Unter Mordverdacht geriet schnell die 14-jährige Tochter, für sie wurde zusammen mit einem 15-jährigen Jungen Untersuchungshaft angeordnet. Dass Kinder oder Jugendliche ihre Eltern umbringen, dass passiert in Deutschland aber nach Einschätzung von Experten generell eher selten.

Was können Motive für den Mord an der eigenen Mutter sein? "Manchmal geht es um gestörte romantische Liebe, manchmal um Geld", sagt Axel Petermann. Er hat als Profiler bei der Bremer Kriminalpolizei über 1000 Tötungsdelikte untersucht. Vor 17 Jahren baute er bei der Polizei eine eigene Profiling-Dienststelle auf. Sein Job: Aus Spuren schließen, wie die Täter ticken.

Aus Erfahrung weiß er: Verbotene Liebe und Geldnot sind nur zwei von vielen Gründen für Parentizide, so das kriminologische Fachwort für den Elternmord. Ein weiteres Charakteristikum: Häufig handelt es sich um Täter, die in einer Art "Symbiose" mit den Eltern leben, sagt Petermann. "Oft sind es schwache Persönlichkeiten, die dem Druck nicht mehr standhalten, sich den Eltern gegenüber immer zurückzunehmen." Einheitliche Muster gebe es fast nie.

Wie oft eine Eltern-Kind-Beziehung derartig eskaliert, zählt keine Statistik. Kriminologen sind sich aber einig: "Muttermord ist ein sehr seltenes Phänomen", sagt Axel Petermann. Einer der jüngsten Fälle in Norddeutschland ereignete sich im Januar vergangenen Jahres, als eine 17-Jährige in Laatzen bei Hannover ihre Mutter tötete.

Auch Thomas Bliesener hält den Muttermord für sehr selten. Ohnehin kämen Mord und Totschlag in Deutschland kaum vor, sagt der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen in Hannover. Kinder bis 14 Jahre hätten im vergangenen Jahr nur bei zehn Tötungsdelikten unter Tatverdacht gestanden. "Dass Jugendliche dann auch noch ihre Eltern umbringen, passiert fast nie", sagt Bliesener.

Dennoch ist das Phänomen "Muttermord" uralt. Einer der bekanntesten Fälle ist derjenige des Orestes. Nach griechischer Sage soll der Bruder der Iphigenie, deren Aufenthalt bei den Taurern schon Goethe inspirierte, seine Mutter umgebracht haben. Er wollte sich an ihr dafür rächen, dass sie einst seinen Vater ermordet hatte.

Meistens stellen Fälle von Muttermord die Ermittler aber vor viele Rätsel. Auch im Fall der toten 39-Jährigen ist noch vieles unklar. Die Tochter und ihr 14-Jähriger Freund sitzen in Untersuchungshaft, nachdem die Polizei die mutmaßliche Tatwaffe, ein Messer, in der Wohnung des Jungen gefunden hatte. Laut Staatsanwaltschaft Oldenburg wurde dem Jungen Blut abgenommen, um zu prüfen, ob er zur Tatzeit womöglich unter Drogeneinfluss stand.

Über mögliche Motive der beiden jungen Leute machen weder die Staatsanwaltschaft noch die Polizei Friesland Angaben. Der Muttermord von Varel bleibt also bis auf weiteres in vielerlei Hinsicht ein gleichermaßen ungewöhnlicher wie rätselhafter Fall.

lni

Fehlende Rettungsgassen nach Unfällen sind für die Einsatzkräfte mittlerweile an der Tagesordnung. Die Umstände eines Einsatzes auf der A2 bei Braunschweig dürften aber auch so manchem erfahrenen Retter die Sprache verschlagen haben: Autofahrer hinderten einen Rettungshubschrauber an der Landung.

Frerk Schenker 19.05.2017

Für viele Niedersachsen wird das Thema Schlaf immer mehr zu einem Alptraum. Das geht aus dem Gesundheitsreport 2017 hervor, den die Krankenkasse DAK Gesundheit am Donnerstag vorgestellt hat. Obwohl sich vier von fünf Berufstätigen betroffen fühlen, gehen nur wenige mit ihren Problemen zum Arzt.

21.05.2017

Defekte Blattlager haben das Umknicken eines knapp 100 Meter hohen Windrads im Landkreis Harburg Anfang Januar verursacht. Das ergab ein Sachverständigengutachten, wie die Stadtreinigung Hamburg am Donnerstag mitteilte.

18.05.2017