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Der Norden Auf den Feldern droht Totalausfall
Nachrichten Der Norden Auf den Feldern droht Totalausfall
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06:26 31.07.2017
„Dramatische Erfahrung“: Das Land will jetzt erst mal die entstandenen Schäden erfassen. Foto: Schaarschmidt Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Derartige Schäden seien oftmals auch nicht über Versicherungen abgedeckt.

Wie groß die Schäden insgesamt sein werden, sei bislang noch nicht absehbar, so Löhr. Das hänge von der jeweiligen Lage des Felds, der Beschaffenheit des Bodens, aber auch von den angebauten Pflanzen ab. Während Zuckerrüben und Mais ein paar Tage unter Wasser überstehen können, würden Weizen und Raps sehr schnell Schaden nehmen. Auch Kartoffeln vertragen Feuchtigkeit nicht gut, sind aber oft in lockeren Böden angebaut, die Wasser schnell weiterleiten, wenn das Feld nicht komplett überschwemmt ist.

Für die betroffenen Landwirte sei eine Überschwemmung eine dramatische Erfahrung, da die Ernte kurz bevorstand. „Das ist wie ein 10 000-Meter-Rennen, bei dem man schon das Ziel im Blick hat und dann einen Tritt in die Hacken bekommt“, so Löhr. Anders als bei Hagelschaden, gegen den die meisten Landwirte versichert seien, sei diese Art von Schäden oftmals nicht abgedeckt. „Das wird dann für die Betroffenen dramatisch.“

Auch in Gebieten, die nicht direkt vom Hochwasser betroffen sind, haben die starken Regenfälle für Probleme gesorgt. Weil die Böden aufgeweicht und daher mit schweren Maschinen nicht befahrbar sind, kann die Ernte nicht anlaufen. „Mähdrescher wiegen über zehn Tonnen“, so Löhr. Man müsse unter Umständen noch ein paar Tage warten. Das könne bei einigen Feldfrüchten ebenfalls zu Qualitätsverlusten führen.

Hilfe vom Land?

Löhr deutete an, dass einige Landwirte auf Hilfen vom Land angewiesen sein könnten, um die Situation zu bewältigen. „Wir sind landwirtschaftliche Unternehmer. Da gibt es immer ein Auf und Ab“, betonte der Landvolk-Vizepräsident. Nicht jede dieser Schwankungen müsse der Staat auffangen. Starkregen und Flut hätten aber zu einer außergewöhnlichen Notsituation für einige Landwirte geführt. Da sei man mit dem Land im Gespräch, so Löhr.

Die Landesregierung hat bereits signalisiert, dass man die Landwirte nicht im Regen stehen lassen werde. Ein Arbeitsstab soll in den nächsten Tagen und Wochen die entstandenen Schäden in den Flutregionen erfassen. Dabei geht es um Privatgebäude ebenso wie um land- und forstwirtschaftliche Betriebe und andere Unternehmen.

Tatsächlich machen die landwirtschaftlichen Schäden bei solchen Rechnungen in der Regel den größten Kostenfaktor aus. 2013 zahlte das Land nach der Elbeflut rund 10 Millionen Euro an Soforthilfen aus. Rund 900 000 Euro gingen an private Hausbesitzer. Rund eine halbe Million Euro wurde Unternehmen zur Verfügung gestellt. Der weitaus größte Anteil mit mehr als 8 Millionen Euro ging in dem Jahr an die Land- und Forstwirtschaft.

Urlauber 
bleiben da

Die Urlauber im Harz lassen sich vom Hochwasser nicht die Ferienlaune vermiesen. „Unsere Partner haben weder von Stornierungen noch von vorzeitigen Abreisen berichtet“, sagte die Sprecherin des Harzer Tourismusverbandes, Christin Wohlgemuth. Dies liege sicherlich auch daran, dass die Aufräumarbeiten so schnell begonnen hätten und auf Hochtouren liefen. Seit Freitag wurden zahlreiche Straßensperrungen aufgehoben und zum Beispiel in Goslar Schäden in der Fahrbahndecke behoben.

„Die Wanderwege sind mitunter noch aufgeweicht“, sagte die Sprecherin. Bergtaugliches Schuhwerk werde empfohlen. Darüber hinaus hat die Nationalparkverwaltung Harz am Wochenende von Mountainbike-Touren abgeraten. Der Starkregen hatte Wegematerial und Geröll mit sich gerissen. In der Gegend um Bad Harzburg sei noch mit größeren Einschränkungen zu rechnen, hieß es.

Paare mit unerfülltem Kinderwunsch haben zuletzt keine finanzielle Unterstützung vom Land für eine künstliche Befruchtung bekommen. Das Interesse an der Behandlung war offenbar so groß, dass dem Land das Geld für den üblichen Zuschuss von 800 Euro ausgegangen ist.

Gabriele Schulte 30.07.2017

Während sich Einsatzkräfte abmühten, um Schaden abzuwenden, standen ihnen beim Hochwasser oft Schaulustige im Weg. Oftmals mit dem Handy in der Hand. „Wir bekommen hier zusehends eine Gafferproblematik“, sagte Wolfenbüttels Bürgermeister Thomas Pink verärgert.

28.07.2017

Mit einem Gottesdienst hat der kleine Ort Münstedt bei Peine am Freitag Abschied von der in Ägypten getöteten Ingrid M. genommen. Die 65-Jährige war eins von drei Todesopfern eines Anschlags am Hotelstrand im ägyptischen Urlaubsort Hurghada.

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