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Der Norden Ist Angeln in Niedersachsen künftig verboten?
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00:15 18.06.2016
Bald ein Bild aus vergangenen Tagen? Angler befürchteten, dass Hobby an Flüssen bald verboten wird. Quelle: Arno Burgi
Hannover

Das Landesamt für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und der Niedersächsische Landkreistag bereiten die neue Richtlinie derzeit vor. Aber sie sorgt schon im Vorfeld für Unruhe: Der Vize-Präsident des Anglerverbands Niedersachsen, Heinz Pyka, sagte, diese Regelung sei „fachlich nicht nachvollziehbar und rein ideologisch geprägt“. Er kündigte an, notfalls dagegen zu klagen.

Hintergrund ist die Ausweisung von Naturschutzgebieten in Niedersachsen im Rahmen der sogenannten Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) der Europäischen Union. Niedersachsen hat im Zuge dieser EU-Richtlinie bereits 380 Gebiete benannt, ist nun aber noch in der Pflicht, diese mit geeigneten Maßnahmen zu schützen. Und da hinkt das Land hinterher, sodass die EU bereits ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet hat: Bis 2018 müssen noch für 280 der insgesamt 380 Gebiete geeignete Schutzmaßnahmen erlassen werden - ansonsten könnte es für Niedersachsen teuer werden.

Die Vorgaben gelten als sehr strikt

Dabei kommt es nun auf die Landkreise an, denn diese müssen als untere Naturschutzbehörden per Verordnung festlegen, was genau in welchem Abschnitt ihres jeweiligen Naturschutzgebietes erlaubt sein soll und was nicht. Dafür haben das NLWKN und der Niedersächsische Landkreistag (NLT) eine Musterverordnung erarbeitet.

„Und die hat es in sich“, sagt Pyka. „Das ist der massive Versuch, Angelrechte in Niedersachsen einzuschränken“, sagt Verbandsreferent Ralf Gerken. Die Vorgaben seien so strikt, dass das Angeln an Flüssen in weiten Teilen des Landes unmöglich würde.

So verbietet die Musterverordnung in Naturschutzgebieten grundsätzlich „zu zelten, zu lagern, zu grillen, zu baden, zu tauchen, zu angeln oder Feuer zu machen“. Verboten ist auch „wildlebende Tiere zu beunruhigen, zu fangen, zu töten oder zu entnehmen“. Auch tauchen und Kanu fahren wird untersagt. Ausnahmen vom Angelverbot sollen nur für „im Haupt- oder Nebenerwerb betriebene Fischerei“ gelten - Hobbyangler seien da nicht mit eingeschlossen, fürchtet der Verband. Auch für diejenigen Angler, die eine Genehmigung bekämen, würden strenge Regeln gelten: Das Betreten von Bachbetten wäre ebenso verboten wie das Nachtangeln. Auch das Anfüttern von Fischen soll laut der Musterverordnung nicht mehr gestattet sein. Außerdem soll es den Anglern grundsätzlich verboten werden, abseits der ausgetretenen Wege zum Ufer zu gelangen.

Pyka hält das fachlich wie rechtlich für falsch. Der Verband mit 90.000 Anglern sei der größte Naturschutzverein des Landes und trage mehr zur Pflege der Natur als zu ihrem Schaden bei. „Wenn das so kommt, ist das für unsere Vereine eine Katastrophe“, sagt er. Es gebe Vereine etwa im Harz, die ausschließlich in Flüssen angeln würden. Diese könnten dann dichtmachen.

Der Landkreistag sieht es als "Arbeitshilfe"

Das Umweltministerium hält die Aufregung dagegen für unbegründet. Es handele sich schließlich um eine Musterverordnung - ob und welche Maßnahmen ergriffen würden, entscheide sich in den Landkreisen, sagte eine Sprecherin: „Von einem pauschalen Angelverbot kann daher keine Rede sein.“ Auch der Hauptgeschäftsführer des Landkreistags, Hubert Meyer, spricht von einer „Arbeitshilfe“ mit „unverbindlichem und empfehlendem Charakter“.

Pyka widerspricht: Eine Vorläuferverordnung sei in einigen Landkreisen eins zu eins umgesetzt worden und sorge dort jetzt für Wirbel. Und das werde auch mit der neuen Musterverordnung geschehen. „Das Land muss hier reglementierend eingreifen“, fordert er. Ansonsten werde man „in dem einen oder anderen Fall den Klageweg beschreiten“.

Die EU verlangt klare
 Schutzmaßnahmen

Anlass für die umstrittene Naturschutzverordnung ist die Flora-
 Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union, kurz FFH-Richtlinie
 genannt. Der Begriff setzt sich aus den lateinischen Worten für Pflanzenwelt (Flora), Tierwelt (Fauna) und Lebensraum (Habitat) zusammen. Die Richtlinie wurde 1992 beschlossen und hat zum Ziel, in Europa ein Netz von Naturschutzgebieten zu schaffen, zwischen denen auch eine Wechselbeziehung möglich sein soll.

Der Name dieses Netzwerks von
Naturschutzgebieten lautet Natura 2000 und umfasst in Niedersachsen rund 861 000 Hektar – das entspricht 16,2 Prozent der Landesfläche. Mit der Ausweisung der Gebiete ist die Arbeit allerdings nicht getan, die Europäische Union verlangt auch klare Maßnahmen zum Schutz der Areale.

Weil unter anderem Niedersachsen mit der Benennung der Schutzmaßnahmen hinterherhinkt, hat die EU ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Um Strafzahlungen zu verhindern, muss bis zum Jahr 2018 nachgewiesen werden, dass der Schutz der Gebiete gewährleistet ist.

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