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Der Norden Hat Harry S. doch für den IS gemordet?
Nachrichten Der Norden Hat Harry S. doch für den IS gemordet?
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00:15 09.10.2016
Ein Archivbild von dem ersten Prozess gegen Harry S. sowie ein Ausschnitt aus dem neu aufgetauchten IS-Video in dem S. zu sehen sein soll. Quelle: dpa/Archiv
Bremen

Die Bundesanwaltschaft prüft, ob ein mutmaßlicher IS-Aussteiger aus Bremen möglicherweise doch stärker an Gräueltaten in Syrien beteiligt war, als er bisher zugegeben hat. Die Karlsruher Behörde reagiert damit auf ein Video, das der „Washington Post“ und dem ZDF aus IS-Kreisen zugespielt wurde.

Die Ermittler wollen nun klären, ob sich aus den Aufnahmen ein Anfangsverdacht ergibt für ein Ermittlungsverfahren wegen Beteiligung an einem Tötungsverbrechen, wie eine Behördensprecherin am Mittwoch der HAZ sagte. Der heute 28-jährige Bremer Harry S. war 2015 drei Monate lang in Syrien und wurde nach seiner Rückkehr verhaftet. Im Juli 2016 verurteilte der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Hamburg ihn zu drei Jahren Haft wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung. Laut Urteil hatte er sich als IS-Kämpfer ausbilden lassen und an Propaganda-Videoaufnahmen mitgewirkt; die Richter glaubten aber seinen Beteuerungen, dass er selbst nicht auf andere geschossen habe.

Neue Vorwürfe durch IS-Video

Auf dem neu aufgetauchten Video ist die Erschießung von sieben IS-Gefangenen in der Stadt Palmyra zu sehen. Im Hintergrund steht ein Schwarzer, der wie S. aussieht und eine Pistole zückt. Kurz danach wird er durch eine Person im Vordergrund verdeckt, sodass nicht zu erkennen ist, ob er tatsächlich abdrückt. Andere Szenen zeigen den Mann, wie er dabei hilft, die Gefangenen in einer Reihe aufzustellen.

S. hatte bisher versichert, er habe bei der Erschießung nur vom Rande aus zugeschaut. Das einschneidende Erlebnis habe stark zu seiner Abkehr vom IS beigetragen. Im Hamburger Prozess wirkte sich strafmildernd aus, dass er ein Geständnis abgelegt und detaillierte Angaben über das IS-Innenleben gemacht hatte. Anwalt Udo Würtz äußerte am Mittoch die Vermutung, dass der IS mit dem neuen Video die belastenden Aussagen von S. über den IS als unglaubwürdig darstellen wolle.

Laut ZDF stammt der knapp zweiminütige Film „von einer Quelle mit Verbindungen zum IS“, laut „Washington Post“ von einer Person „innerhalb des ,Islamischen Staats’“. Sollte sich die aktive Beteiligung an der Hinrichtung bestätigen, könnte S. erneut angeklagt werden – etwa wegen Totschlags oder Mordes.

Islamisten im Visier des Verfassungsschutzes

Auch in Niedersachsen hat der Verfassungsschutz gut zwei Dutzend Islamisten im Visier, die aus den Kriegsgebieten in Syrien oder im Irak zurückgekehrt sind. Sie werden als ein „mögliches Sicherheitsrisiko“ eingestuft. In Wolfsburg waren im Dezember vergangenen Jahres zwei Syrien-Rückkehrer, die sich dem IS angeschlossen hatten, zu Gefängnisstrafen von drei beziehungsweise vier Jahren verurteilt worden. Auch sie hatten umfangreich vor Gericht ausgesagt und wurden schließlich der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung für schuldig befunden.

Von Eckhard Stengel

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