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Der Norden Niedersachsen testet Werte und Normen in Grundschulen
Nachrichten Der Norden Niedersachsen testet Werte und Normen in Grundschulen
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00:15 02.06.2017
Von Saskia Döhner
Religionsunterricht an der Oberschule Ottbergen. Künftig sollen auch Grundschulen Werte und Normen anbieten können. Das Land startet einen Modellversuch. Quelle: Michael Wallmueller
Hannover

An zehn bis zwölf Grundschulen in Niedersachsen soll ab dem nächsten Schuljahr Werte und Normen als Alternative zum konfessionellen Religionsunterricht getestet werden. Bislang gibt es das Fach nur an weiterführenden Schulen. Der einjährige Modellversuch an den Grundschulen entspreche dem Wunsch vieler Familien, sagte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD). Der Anteil von Schülern ohne Religionszugehörigkeit wachse stetig, derzeit sei es ungefähr ein Viertel.

Vom neuen Vorsitzenden des Landeselternrates, Mike Finke, kam Lob für die Pläne: „Wir haben schon vor sechs Jahren erstmals Werte und Normen als ordentliches Fach an Grundschulen gefordert.“ Dies sei auch ein wichtiges Angebot zur Wertevermittlung für Zuwanderer.

Niedersachsen folgt damit dem Beispiel von Bayern, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen, wo Kinder, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, das Fach Ethik haben. Bis es in Niedersachsen so weit sei, könnten aber noch ein paar Jahre vergehen, sagte Heiligenstadt. Dazu müssten der Modellversuch ausgewertet, das Schulgesetz geändert, ein neues Kerncurriculum entwickelt und die Lehrerausbildung angepasst werden.

Bislang können Grundschullehrer das Fach Werte und Normen nicht studieren. An den Modellschulen sollen deshalb auch Pädagogen eingesetzt werden, die in Werte und Normen für weiterführende Schulen ausgebildet sind und an den Grundschulen derzeit andere Fächer unterrichten. Werte-und-Normen-Lehrer werden von den Hochschulen in Hannover, Göttingen, Oldenburg und Braunschweig ausgebildet, dort sollte man auch jeweils den neuen Studiengang für die Grundschulpädagogen einrichten, meinte Heiligenstadt. Von den derzeit 278  000 Grundschülern gehören die meisten, nämlich 123 500, dem evangelischen Glauben an, die zweitgrößte Gruppe (72 800 Kinder) ist konfessionslos: „Ich war überrascht, dass die Zahl so groß ist“, sagte die Ministerin. 46  900 Grundschüler sind katholisch, etwa halb so viele (21 000) muslimisch.

Rund 14 000 Schüler gehören anderen Religionsgemeinschaften an.
Generell muss ein konfessioneller Religionsunterricht an einer Schule angeboten werden, wenn mindestens zwölf Schüler dieser Glaubensrichtung angehören. Werte und Normen ist an den weiterführenden Schulen seit 1993 Pflichtfach. Ab 14 Jahren sind Kinder religionsmündig und können selbst entscheiden, an welchem Unterricht sie teilnehmen. Zuvor entscheiden die Eltern. Grundsätzlich können Schüler auch am Religionsunterricht teilnehmen, wenn sie der Konfession nicht angehören.

Der Religionsunterricht werde durch den Modellversuch nicht angetastet, sagte Heiligenstadt. Die Kirchen stünden hinter dem Projekt. Der Chef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Eberhard Brandt, sagte, er stehe Religions- und Ersatzfächern eher skeptisch gegenüber.     

"Lieber ein Fach für alle"

Herr Haupt, Sie sind Mitglied der Humanistischen Union. Ihr Verband beklagt den zu starken Einfluss von Kirchen auf Staat und Gesellschaft. Freut es Sie, dass jetzt Werte und Normen an Grundschulen eingeführt wird?
Nein, so wird die Schülerschaft gespalten, in christliche, muslimische und heidnische Kinder. Und je früher man beginnt, um so länger dauert die Spaltung. Religionskunde sollte sein, aber warum gibt es nicht einfach Werte und Normen für alle?
Also keine Religion ab Klasse eins?
Nicht vor Klasse fünf. Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren können doch gar nicht unterscheiden zwischen Ideologie und Ethik. Wenn schon getrennter Religionsunterricht, dann möglichst kurz und nicht von Klasse eins bis zehn oder 13. Werte und Normen als Pflichtfach wird zudem teuer.
Warum?
Um 72 8000 Grundschüler zu unterrichten, braucht man 300  Lehrer, das sind Kosten von jährlich 23 Millionen Euro.
Interview: Saskia Döhner     

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