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Der Norden Niedersachsen will Netz von Schnellbussen schaffen
Nachrichten Der Norden Niedersachsen will Netz von Schnellbussen schaffen
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20:36 16.01.2017
Von Karl Doeleke
Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies. Quelle: dpa

Man kommt auch heute schon relativ bequem und ohne Auto von Hannover nach Diepholz und zurück. Mit der Bahn über Osnabrück dauert das etwas mehr als zwei Stunden. Direkter und vielleicht sogar schneller könnte es in Zukunft gehen: Der Regionalexpress verbindet Hannover und Nienburg. Den anderen Teil der Strecke fährt man mit dem Bus.

Solche Schnellbusse sollen nach der Vorstellung von Verkehrsminister Olaf Lies in Zukunft über das ganze Land fahren. Mittelgroße Städte ohne Bahnanschluss würden so näher an das Schienennetz rücken. Das Ziel sei, ein flächendeckendes Netz für ganz Niedersachsen zu schaffen, sagte der SPD-Politiker am Montag in Hannover. Die Buslinien sollen die Bahn ergänzen, ohne ihr Konkurrenz zu machen. 35 Verbindungen kommen nach einer vom Land in Auftrag gegebenen Studie für eine Landesbuslinie infrage.

In Duderstadt hören sie das gerne. Seit dem Krieg von der Schiene abgeschnitten, würde die Stadt am Ostrand Niedersachsens mit dem sogenannten Landesbus wieder Anschluss an den Fernverkehr bekommen. Die Verbindung nach Göttingen ist ebenfalls unter den 35 Strecken, die Gutachter ausgesucht haben.

Eine Busverbindung nach Göttingen gibt es zwar bereits. Doch sie lässt zu wünschen übrig, wie Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) sagt. „Der öffentliche Nahverkehr nach Duderstadt ist sehr ausbaufähig.“ Das sieht auch Wolfgang Feike, FDP-Vorsitzender im Kreis Göttingen, so: „Es fehlt an schnellen, zuverlässigen Linien zu bestimmten Verkehrszeiten.“ Der Duderstädter hat Jahrzehnte in Göttingen gearbeitet. „Ich bin aber nie mit dem Bus gefahren“ – zu langsam im Berufsverkehr, zu ungünstig im Takt.

Im Stundentakt unterwegs

„Die Menschen kommen auch nicht von den großen Bahnhöfen in die Region“, sagt Michael Frömming vom Zweckverband Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen – gerade spät abends, wenn in Göttingen der letzte ICE aus München haltgemacht hat. Hier sollen die Schnellbusse punkten: Sie sollen einen guten Takt bieten und von morgens um 6 bis 23 Uhr stündlich verkehren, mit kabellosem Internet ausgestattet sein und bequeme Sitze bieten. Die erste Verbindung soll im Mai zwischen Westerstede und Oldenburg in Betrieb gehen. Ende des Jahres könnte die Strecke HelmstedtWolfsburg stehen. Auch für die Strecke DuderstadtGöttingen gibt es konkrete Überlegungen.

Doch darüber hinaus sind viele der neuen Landesbuslinien noch Gedankenspiele. Jetzt sind die Kreise und Verkehrsverbünde gefragt, die Linien einzurichten und zu betreiben. Das Land will die Hälfte der Zuschusskosten tragen und die Schnellbuslinien mit jährlich bis zu 10 Millionen Euro unterstützen. Aus dem Land kommen positive Signale: „Der Landkreis Cloppenburg sieht die Einführung von Landesbuslinien positiv“, sagt Sprecher Frank Beumker. Der Städte- und Gemeindebund denkt sogar bereits weiter: Auch die Einbindung kleinerer Städte sei vorstellbar.

Nachgefragt bei Björn Gryschka,
Landesvorsitzender im
Fahrgastverband Pro Bahn

„Der Bus muss eine Lücke schließen“

Ein Schnellbusnetz für das ganze Land – kann das funktionieren?

Das ist eine sehr gute Sache. In Niedersachsen sind durch die Stilllegung von vielen Strecken große Lücken im Nahverkehrsnetz entstanden.

Wie eng müsste so ein Netz sein?

Der Landesbus muss das Schienennetz verdichten, kein eigenständiges Netz bilden. Dann ist das System konkurrenzfähig. Besonders wichtig wäre die Einbindung in den Niedersachsen-Tarif. Das müsste mit dem Start der ersten Linie geklärt sein.

Warum?

Ich darf als Fahrgast keine Hürde zwischen Bahn und Schnellbus haben. Ich brauche eine durchgehende Fahrkarte von A nach B unter Einbeziehung der neuen Landesbusnetze. Und die müssen auch im Auskunftssystem verfügbar sein mit Fahrzeiten und Preisen. Hier geht es um die Schließung einer Lücke zwischen regionalem Busnetz und Schiene.

Reden wir über Preise: Was darf das kosten, damit es von den Menschen angenommen wird?

Hier geht es nicht um einen Euro mehr oder weniger. Wichtig ist, dass das neue System mit dem Schienennetz verknüpft ist – also auch mit dessen Tarif. Wenn ich 20 Euro für die Gesamtstrecke zahle und zwischendurch in den Landesbus steige, wenn dort auch der Fahrschein anerkannt wird und die Anschlüsse stimmen, dann beeinflusst das die Attraktivität stärker als der Preis.

Diese Verbindungen stehen zur Debatte

Zeven - Tostedt (35 km)

Zeven - Bremen (46 km)

Oldenburg - Bremerhaven (78 km)

Sulingen - Bassum (24 km)

Wildeshausen - Oldenburg (37 km)

Bremen - Worpswede (27 km)

Bruchhausen - Vilsen - Syke (18 km)

Diepholz - Nienburg (63 km)

Wolfsburg - Helmstedt (37 km)

Peine - Wolfenbüttel (43 km)

Goslar - Osterode (34 km)

Bad Harzburg - Nordhausen (61 km)

Herzberg - Wernigerode (62 km)

Salzwedel - Wolfsburg (64 km)

Duderstadt - Göttingen (30 km)

Georgsmarienhütte - Bad Laer (15 km)

Osnabrück - Bad Essen (25 km)

Aurich - Oldenburg (82 km)

Emden - Wittmund (53 km)

Norden - Wittmund (67 km)

Buchholz - Lüneburg (49 km)

Soltau - Celle (61 km)

Walsrode - Visselhövede (24 km)

Geesthacht - Lüneburg (30 km)

Soltau - Lüneburg (56 km)

Munster - Schneverdingen (33 km)

Papenburg - Frisoythe (33 km)

Friesoythe - Cloppenburg (30 km)

Oldenburg - Friesoyhte (33 km)

Nordhorn - Lingen (23 km)

Meppen - Cloppenburg (62 km)

Göttingen - Hann.Münden (28 km)

Holzminden - Springe (68 km)

Göttingen - Goslar (68 km)

dpa

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