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Der Norden Niedersachsens Polizisten helfen in Krisengebieten
Nachrichten Der Norden Niedersachsens Polizisten helfen in Krisengebieten
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08:59 25.02.2017
Einsatz in der Krisenzone: Die Mission der Polizistin Kathrin Pfeiffer im Südsudan musste am Ende abgebrochen werden. Quelle: Nds. Innenministerium
Hannover

Wäre Klaus-Dieter Tietz jetzt in Niedersachsen, dann würde der 58-jährige Polizeibeamte sich vielleicht mit Premap beschäftigen - einer Software, die mittels Datenanalyse versucht, Einbrüche vorherzusagen. Hochtechnologie im Kampf gegen das Verbrechen. Doch da, wo Tietz jetzt arbeitet, ist an Hochtechnologie nicht zu denken. Selbst Grundlegendes fehlt oder wird erst aufgebaut. Seit 13 Monaten hilft der 58-Jährige in Mali bei der Ausbildung von Polizisten.

Der Auslandsaufenthalt ist keine Privatreise, Tietz ist von der niedersächsischen Polizei für diese Aufgabe ausgewählt worden. 545 Polizeibeamte hat Niedersachsen in den letzten 20 Jahren auf solche Missionen ins Ausland geschickt. Immer sind es Einsätze in Krisengebieten: Kosovo, Afghanistan, zuletzt der Südsudan und Mali. Immer auf der Basis eines Mandats von UN, EU oder OSZE gehen die Beamten in die Länder, um dort bei Aufbau und Training einer modernen Polizei zu helfen.

Gefahr durch Terrorbanden

Und da gibt es oftmals viel zu tun. „Sie fangen eigentlich bei null an. Es geht für uns sehr oft darum, überhaupt erst einmal Strukturen aufzubauen“, sagt Tietz. So habe er in Mali feststellen müssen, dass es alles das, was er als Polizist in Deutschland selbstverständlich verwendet, in dem westafrikanischen Land nicht gibt: Datenbanken für Autokennzeichen oder Fingerabdrücke? Fehlanzeige. Überwachung von Telekommunikation? Das darf nur der Geheimdienst. Auch die Einhaltung der Menschenrechte oder ein funktionierender Rechtsstaat sind nicht selbstverständlich. Gleichzeitig gibt es in dem Land ein sehr hohes Maß an Kriminalität. Terrorgruppen etwa sind in Westafrika nicht nur für Anschläge verantwortlich, sondern betreiben auch Entführungen, Schmuggel von Drogen sowie Waffen und Menschenhandel, um sich zu finanzieren. „Da ist eine ganz enge Verzahnung vorhanden“, und die funktioniere grenzüberschreitend, sagt Tietz.

200 Polizisten auf Warteliste

Ungefährlich sind derartige Einsätze nie. Er habe Anschläge erlebt, sagt Christian Klein vom Landeskriminalamt über seine Zeit in Kabul und Mali. Kathrin Pfeiffer von der Polizeidirektion Hannover wiederum musste erleben, dass ihr Auslandseinsatz im Südsudan nach einigen Monaten plötzlich abgebrochen wurde. „Wir wurden evakuiert, weil Gefechte ausgebrochen sind“, erzählt die 35-Jährige von der Polizeidirektion Hannover.

Doch trotz der Gefahren und auch Entbehrungen in den Krisengebieten sind die Auslandseinsätze begehrt. Lediglich acht niedersächsische Beamte sind derzeit im Ausland, sieben weitere werden sich demnächst auf den Weg machen. Aber weitere 200 Polizistinnen und Polizisten stehen auf der Warteliste. „Das Verständnis und die Bereitschaft für diese Aufgabe sind erfreulich hoch“, meint Henning Dreyer, der im Landespolizeipräsidium das Thema Auslandseinsätze betreut. Fahren darf nur, wer medizinisch gesund und körperlich fit ist, gut Englisch spricht und sich in einem intensiven Auswahlgespräch vor einer missions­erfahrenen Kommission bewährt. Als Gefahrenzulage zahlt das Land 100 Euro pro Tag.

Präventionsarbeit in Afrika

Innenminister Boris Pistorius will das Programm ausweiten und künftig bis zu ein Prozent der Beamten in solche Missionen entsenden - das entspräche in Niedersachsen rund 180 Polizisten. „Es ist wichtig, dass wir in Deutschland das Thema Polizei nicht nur innenpolitisch denken, sondern unsere Fähigkeiten auch woanders einbringen“, sagt Pistorius. Das sei auch ein aktiver Kampf gegen Fluchtursachen in den Herkunftsländern.

Dem stimmt LKA-Mann Klein nach seiner Zeit in Afrika und Afghanistan mittlerweile vorbehaltlos zu: „Ein Beamter, der ins Ausland geht, ersetzt zehn zu Hause“, sagt der Hannoveraner.

Ins Ausland nur auf freiwilliger Basis

Seit 1994 gibt es die internationalen Missionen der deutschen Polizei. Organisiert werden die Einsätze zentral von der Bundespolizei, die Beamten werden aber zur Hälfte von den Länderpolizeien bereitgestellt. Die Basis dafür ist ein Bundestagsbeschluss.

Niedersachsen hat derzeit Polizisten in Mali, Somalia und dem Kosovo. Demnächst wird noch je ein Beamter nach Haiti, Afghanistan und ins Kosovo geschickt.

Neben diesen Einsätzen gibt es noch die Abordnung deutscher Polizisten an die europäische Grenzschutzmission Frontex. Sie ist zuständig für die Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten an den Außengrenzen der Europäischen Union. Hier sind aktuell 85 deutsche Polizisten eingesetzt, davon drei aus Niedersachsen.

Die Auslandseinsätze sind ausschließlich freiwillig. Jeder Polizist kann die Mission jederzeit ohne Angabe von Gründen beenden. Jede Mission wird medizinisch und psychologisch nachbereitet. Die Gewerkschaft der Polizei begrüßt die Einsätze, will aber klare rechtliche Regelungen auch zum Schutz der Polizisten.

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