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Der Norden Niedersächsischer Staatspreis geht an Stefan Aust und Jan-Dieter Bruns
Nachrichten Der Norden Niedersächsischer Staatspreis geht an Stefan Aust und Jan-Dieter Bruns
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13:01 02.11.2018
Die Preisträger Stefan Aust (li.) und Jan-Dieter Bruns. Quelle: Rainer Dröse
Hannover

Größer hätte der Gegensatz nicht sein können. Aristokratischer Posaunenklang des englischen Renaissancekomponisten William Byrd vom Posaunenensemble Hannover hallte durch das Galeriegebäude in Hannover-Herrenhausen – und der Ministerpräsident begrüßte die 300 geladenen Gäste mit einem saloppen „Moin“.

Der norddeutsch-knappe Gruß hatte seinen Grund in der Herkunft der beiden Männer, die Stephan Weil am Donnerstagabend mit dem niedersächsischen Staatspreis auszeichnete, eine der vornehmsten Ehrungen des Landes. Der Unternehmer und Gärtner Jan-Dieter Bruns kommt aus dem Ammerland und der Journalist Stefan Aust aus Stade. Sie erhielten in diesem Jahr den mit 35.000 Euro dotierten Preis. Weil sagte, sowohl Aust als auch Bruns seien Vorbilder in turbulenten Zeiten, in denen man auch eine starke Zivilgesellschaft brauche.

Wenn der Baum Schule macht

Die Laudatio für den Gartenbauer Bruns, der eine der größten Baumschulen Europas hat, übernahm der Chef der Herrenhäuser Gärten, Ronald Clark. Er lobte die Weltgewandtheit wie Bodenständigkeit des Preisträgers, der Gäste auch auf plattdeutsch mit einer Ammerländer Trinkzeremonie begrüßen, als auch in verschiedenen europäischen Sprachen parlieren kann. Sein Betrieb wurde schon früh ausgezeichnet als eine der umweltfreundlichsten Baumschulen.

Besonders die plattdeutschen Passagen gelangen Clark gut, da er selbst im Oldenburgischen aufgewachsen ist. Der Preisträger dankte der Jury sehr herzlich für die Auszeichnung und berichtete von seinen Erlebnissen nach der Wiedervereinigung, die ihn in Länder wie Georgien und Armenien führte, „wo es viele Gelegenheiten gab, gute Pflanzen zu verkaufen“.

Schily lobt den wachen Geist von Aust

Der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily sagte in seiner Laudatio auf Aust, im totalitären Staat sei der Geheimdienst die wichtigste Institution – in der freien Demokratie hingegen die Presse, „die aber von freien Personen vertreten sein muss“. In Gefahr gerieten die Medien jedoch auch in Demokratien durch sich selbst, wenn sie für eine flotte Reportage die gründliche Recherche unterließen. Aust hingegen werde als „beweglicher, wacher Geist“ gewürdigt, dem alle Ideologie suspekt sei und der stets „mit einem mokanten Lächeln auf den Lippen“ Distanz zu den Mächtigen gehalten habe.

Schily würdigte Aust auch als Kulturkritiker, der sich „mit den abscheulichen“ Hinterlassenschaften der Windkraftenergie auseinandergesetzt habe. Aust sei zu unrecht kritisiert worden, als er auch Angela Merkels Flüchtlingspolitik rügte. Aber es nütze nichts, Probleme zu bemänteln. Aust meinte, er wisse gar nicht, ob er in die noble Riege der Preisträger passe. „Aber Otto Schily hat ein paar brauchbare Argumente geliefert.“

Wer ist Jan-Dieter Bruns?

Was haben der Gorki Park in Moskau, der Champs-Élysées in Paris und das Wembley Stadium in London gemein? Sie werden von Bäumen aus Bad Zwischenahn verschönert. Das Ammerland rund um das Zwischenahner Meer ist das größte Baumschulengebiet in Deutschland, rund 300 Produktionsbetriebe sind hier ansässig. Die Geschicke eines der renommiertesten Unternehmen mit 700 Hektar Anbaufläche und 350 Mitarbeitern leitet Jan-Dieter Bruns in vierter Generation. Der 66-Jährige ist einer der beiden Preisträger des Niedersächsischen Staatspreises.

Bruns verkörpere geradezu idealtypisch den „grünen“ Familienunternehmer des agrarisch geprägten Flächenlandes, begründete die Jury ihre Wahl. Unter seiner Führung habe sich die von seinem Urgroßvater 1876 gegründete Gärtnerei zu einem international agierenden Unternehmen entwickelt. Tatsächlich ist die Liste der Länder lang, in die Bruns exportiert. Sogar bis Shanghai wurden in klimatisierten Containern Bäume verschifft - für das dortige Disneyland. „Die Pflanzen mussten ein Jahr bei uns in Quarantäne bleiben, nach der Überfahrt kamen sie in China eine Vegetationsperiode in Quarantäne“, erzählt Bruns. Insgesamt 40 Prozent seiner Pflanzen gehen in den Export.

„Bruns Pflanzen“ heißt die Firma von Jan-Dieter Bruns - der Name ist klassisches Understatement. Das Unternehmen ist auf den Versand großer Bäume spezialisiert, sie werden oft einzeln per Lkw-Sondertransport zu den Kunden gebracht. „Wir können bis zu 15 Meter hohe Bäume liefern“, sagt Bruns. Manche sind 40 oder gar 50 Jahre alt, wenn sie verkauft werden. Vorgehalten werden über 4000 Pflanzen in je zehn Größen. Alle vier Jahre müssen sie umgepflanzt werden, damit kleine Saugwurzeln um den Stamm bleiben. „Sie werden von einer Klasse in die nächste verschult“, erklärt Bruns. Seine Karriere begann Bruns traditionell mit einer Gärtnerlehre, anschließend studierte er in Osnabrück und Frankreich. Er arbeitete in Baumschulen und Gartencentern in England, Skandinavien und den USA.

Der Staatspreis, der früher Niedersachsenpreis hieß, wird seit 2010 alle zwei Jahre verliehen – an Wissenschaftler, Künstler, Publizisten aber auch Unternehmer. Die Physiker Stefan Hell und Karsten Danzmann erhielten ihn, auch Künstler wie Ulrich Tukur und Georg Baselitz. Er ist mit 35.000 Euro dotiert. Die Auswahl der Preisträger geschieht durch eine ehrenamtliche Jury unter dem Vorsitz von Friedrich von Lenthe.

Wer ist Stefan Aust?

Aus der deutschen Medienlandschaft ist Stefan Aust kaum wegzudenken, obwohl er seit mehr als einer Generation in vorderster Linie dabei ist. Als Chefredakteur für das „Spiegel TV Magazin“ wurde Aust einem breiteren Publikum bekannt. Doch durch Aufsehen erregende Artikel und Aktionen hatte sich der Journalist schon in den siebziger Jahren in der Bundesrepublik einen Namen gemacht. Heute ist der 72-jährige, der den Niedersächsischen Staatspreis bekommen hat, Herausgeber der Tageszeitung „Die Welt“, deren Chefredakteur er auch kurzzeitig war.

Aust ist im Landkreis Stade aufgewachsen – mit vier Geschwistern und fünf Kühen, wie er einmal preisgab. Auf seinem Pferdehof in Lamstedt, wo er preiswürdige Hannoveraner züchtet, stellt er sich gelegentlich selbst als „eigentlich ein Bauer“ vor. Als Journalist hat er bei der linken Zeitschrift „konkret“ angefangen sowie bei dem Boulevardblatt „St.-Pauli-Nachrichten“. Die Entwicklung der Terrorgruppe „Rote-Armee-Fraktion“ verfolgte er aus nächster Nähe. So befreite er auf eigene Faust die Zwillingskinder von Ulrike Meinhof und des „konkret“-Herausgebers Klaus Rainer Röhl, die 1970 von Mitgliedern der RAF nach Sizilien verschleppt worden waren. Aust hat mehrere Bücher über die RAF-Zeit und die Baader-Meinhof-Bande verfasst. Sein „Baader-Meinhof-Komplex“ wurde 2008 verfilmt. Aust selbst hat sich auch als Autor und Regisseur vieler Dokumentationen hervorgetan, zuletzt zum NSU-Komplex.

Zwischen 1998 und 2008 war Aust Chefredakteur des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ – und hielt sich damit im Vergleich zu seinen Nachfolgern ziemlich lange auf dem Posten. Danach war er zur Hälfte an einer Medienagentur beteiligt, die Konzepte für Print, Fernsehen und Online entwickelt. Aust spielte schon früh auf allen möglichen Kanälen. Mit 26 Prozent ist er an der N 24 Media beteiligt. Ende 2013 wurde Aust Herausgeber der Tageszeitung „Die Welt“, wo er im Jahr 2016 zwischenzeitlich sogar die Position des Chefredakteurs übernahm. Heute gilt Aust, der zu Beginn seiner Zeit eher der linken Szene zugerechnet wurde, als eher konservativer Kommentator.

Von Michael B. Berger

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