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Der Norden Ein offenes Ohr für Manager
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00:15 14.01.2018
Dunkler Anzug, weißes Hemd: Peer-Detlev Schladebusch hält sich an die Kleiderordnung seiner Klientel. Quelle: George
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Wolfsburg

Als Peer-Detlev Schladebusch seinen Karton voller Kruzifixe öffnete, den er im Internet ersteigert hatte, war er enttäuscht: Keines der Jesus-Kreuze aus der blind bestellten Sammlung mochte ihm gefallen. Also griff der Pastor zur Spraydose. Den Jesus lackierte er knallrot, das Kreuz rabenschwarz. Nun hängt das Kruzifix an der Wand seines Büros auf dem Gelände der Wolfsburg AG für Wirtschaftsförderung, um ihn herum arbeiten junge Leute an ihren Start-ups.

Die Bibel fällt kaum auf zwischen den Fachbüchern über Public Relations, Kommunikation und Konzernstrukturen, und auch ihm selbst ist sein Amt nicht anzusehen. Schladebusch hält sich an die Kleiderordnung seiner Klientel, weißes Hemd zu dunklem Anzug. In der Hoffnung, dass dies manchem, der im Alltag über millionenschwere Etats entscheidet, mögliche Berührungsängste nehmen könnte.

Peer-Detlev Schladebusch ist Pfarrer, angestellt bei der Landeskirche Hannover. Und er coacht Führungskräfte. Für mögliche Skepsis einiger Manager hat er durchaus Verständnis. „Wir von der Kirche erheben schnell den pädagogischen Zeigefinger“, sagt Schladebusch. „Und von Wirtschaft haben viele Pastoren tatsächlich wenig Ahnung.“

Er selbst dagegen schon: Neben Theologie hat Schladebusch Betriebswirtschaftslehre studiert, sein Studium finanzierte sich der junge Mann über Unternehmertum: Er gründete einen Handel für Öko-Produkte. Und er weiß, wie sich wirtschaftliche Niederlagen anfühlen: Als seine Frau und er die Firma verkauften, weil sie mehr Zeit für die drei kleinen Kinder haben wollten, da zog der Käufer das Paar über den Tisch. „Ich brauchte ein Jahr, um meinen Groll und Hass zu besänftigen und dem Mann Gottes Segen für das Geschäft wünschen zu können“, sagt Schladebusch.

Auch als Gemeindepastor ließ Schladebusch den Kontakt zur Wirtschaft nicht abreißen. Er arbeitete in einem Netzwerk christlicher Unternehmer mit. Als ein Mitglied Suizid beging und ein anderer Unternehmer kurz vor Ende seines Insolvenzverfahrens einem Herzinfarkt erlag, bot Schladebusch gemeinsam mit einem Kollegen eine Art Notfallseelsorge für Führungskräfte an. Das sprach sich herum, die Anrufe wurden immer mehr. Die Idee des „Spiritual Consultings“, der geistlichen Begleitung für Unternehmer, war geboren.

Schließlich konnte der umtriebige Gemeindepastor auch seinen Arbeitgeber überzeugen, Führungskräften und Unternehmern Coaching und Consulting unter dem Dach der Kirche anzubieten – unter der Voraussetzung, dass sich das Angebot selbst trage. Soll heißen: Gespräche über Gott sind gratis, über Probleme im Betrieb nicht.

Soe bekommt Schladebusch vielschichtige Einblicke. Zum Beispiel scheiterten Übergaben von Familienbetrieben an die nächste Generation oft nicht an wirtschaftlichen Fragen, sondern an menschlichen, hat er beobachtet. Dann holt Schladebusch die Alten und die Jungen an einen Tisch und vermittelt, damit sie sich besser verstehen.

Auch Fusionen verliefen vielfach nicht so reibungslos, wie sich das manche Manager wünschten, sagt er. „Es treffen oft unterschiedliche Unternehmenskulturen aufeinander und treten in harten Verdrängungswettbewerb.“ Wichtig sei, Vertrauen aufzubauen, damit beide Seiten sich wertschätzen und kooperieren. „Wo das nicht gemacht wird, scheitern Fusionen leider sehr oft, es entsteht großer menschlicher und finanzieller Schaden. Das christliche Menschenbild hilft hier, Situationen einzuschätzen, Fehler zu benennen und gemeinsam einen Neuanfang zu starten.“

Neuanfang ist ein Wort, das gerade in Wolfsburg oft bemüht worden ist in den vergangenen Monaten. Schladebusch kennt Volkswagen-Mitarbeiter vom Azubi bis zum Aufsichtsrat, er arbeitet im Seelsorger im Autokonzern. Wenn es seit Bekanntwerden des Diesel-Skandals immer wieder heißt, dass nun Köpfe rollen müssten, dann sagt er dazu: „Natürlich muss Strafbares verfolgt werden. Aber die Suche nach Schuldigen macht keinen Neuanfang.“ Die Welt lasse sich nicht einfach einteilen in gut und böse, „80 Prozent sind nicht schwarz oder weiß, sondern grau“.

Doch bei aller Nähe zur Wirtschaft: Nicht jeder will die Absicht von Schladebuschs Themen und Thesen erkennen. Sein Consulting-Projekt war noch jung, der Druck der Refinanzierung groß, da lockte ein Unternehmen mit dem ersten Riesenauftrag: Die Firma wollte zahlreiche Stellen streichen, der Pastor sollte die Kündigungen aussprechen. Schladenbusch spürte, was Versuchung sein kann. Doch er widerstand. Und bot den Chefs stattdessen ein Seminar zur Vorbereitung auf die Kündigungsgespräche an.

Sie buchten dann einen Mitbewerber.

Von Carolin George

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