Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 6 ° Gewitter

Navigation:
Der Schütze von Salzgitter hat gestanden

Silvesternacht Der Schütze von Salzgitter hat gestanden

Eine Zwölfjährige wurde in der Silvesternacht auf dem Gehweg vor dem Haus ihrer Eltern in Salzgitter von einer Kugel im Oberkörper getroffen. Die Tatwaffe ist mittlerweile sichergestellt worden.  Gegen einen Verdächtigen wurde Haftbefehl beantragt – und er hat die Schüsse zugegeben.  

Voriger Artikel
Mann kann sich aus völlig zerstörtem Auto retten
Nächster Artikel
So süß ist die neue Sonderbriefmarke der Deutschen Post

21 Patronenhülsen fanden die Ermittler an der Straßenecke in Salzgitter. Vor einer Shisha-Bar feuerte der Täter die nicht registrierte, scharfe Waffe ab.

Quelle: Fotos: dpa

Salzgitter.  Der Mann hat es zugegeben: Er hat die Waffe abgefeuert. Nach den  Schüssen auf ein zwölfjähriges Mädchen in Salzgitter hat die Staatsanwaltschaft in Braunschweig Haftbefehl gegen einen 68  Jahre alten türkischen Staatsbürger beantragt, nachdem ihn die Polizei zuvor bereits vorläufig festgenommen hatte. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann versuchten Totschlag vor. 

Die mutmaßliche Tatwaffe war zunächst nicht auffindbar, inzwischen hat die Polizei sie sichergestellt Auch die Patronenhülsen, die nach den Schüssen auf der Straße lagen, wurden eingesammelt. 

12-Jährige außer Gefahr

Was passiert war, lässt die Menschen in Salzgitter und anderswo die Köpfe schütteln. Die zwölfjährige Emire O., eine Realschülerin, wurde in der Silvesternacht auf dem Gehweg vor dem Haus ihrer Eltern in der Diesterwegstraße in Salzgitter-Thiede von einer Kugel getroffen. Der Braunschweiger Staatsanwalt Sascha Rüegg sprach erst von einer Verletzung unterhalb der linken Schulter, später bestätigte er: Das Mädchen erlitt einen glatten Lungendurchschuss. Aber Emire ist, nach einer Operation in der Nacht zum 1. Januar, außer Lebensgefahr. „Sie befindet sich auf dem Weg der Besserung“, sagt der Staatsanwalt.

21 Patronenhülsen fanden die Ermittler auf dem Gehweg im Bereich Diesterwegstraße/Ecke Breslauer Straße. Die meisten sind der scharfen Waffe des 68-Jährigen zuzuordnen – 9 Millimeter, ein osteuropäisches Fabrikat, nicht registriert. Und nicht nur, dass er mit einer illegalen Waffe hantiert hat – der Beschuldigte hat auch gar keinen Waffenschein.

Andere Hülsen, die die Polizei fand, stammen mutmaßlich aus zwei ebenfalls sichergestellten Gaspistolen. Die beiden Schützen, die diese Waffen benutzt hatten, beide mit Migrationshintergrund, waren zunächst ebenfalls vorläufig festgenommen worden. Sie wurden aber wieder laufengelassen, weil ihnen keine Schusswaffen zuzuordnen waren. 

Das Motiv ist unklar

Die Schüsse mit scharfer Munition hatte der 68-Jährige nach den Worten von Staatsanwalt Rüegg zunächst aus dem Fenster eines Cafés, eine Shisha-Bar, und wenig später vom Bürgersteig aus abgefeuert. Aber wer schießt an Silvester zu welchem Zweck mit scharfer Munition? Diese Fragen kann Rüegg nicht beantworten. „Zu den Motiven kann ich noch nichts sagen. Das müssen die Ermittlungen ergeben.“ 

Rüegg ist sich aber sicher, dass der Mann mit „bedingtem Vorsatz“ gehandelt hat: „Wer nicht in die Luft, sondern mit ausgestreckter Hand schießt, wo sich eine Vielzahl von Menschen befindet, nimmt in Kauf, dass etwas passiert.“ Der Türke habe mit dem Mädchen, eine deutsche Staatsbürgerin türkischer Herkunft, oder mit ihrer Familie nach den Kenntnissen der Ermittler keinen Streit gehabt. Mehr noch: Er habe weder Emire noch ihre Eltern auch nur gekannt. 

Das lässt den Schluss zu, dass der Mann wahllos geschossen hat – aber er hat riskiert, Menschen zu verletzen. Der 68-Jährige befindet sich erst seit einigen Wochen in Deutschland. Er spreche zwar Deutsch, sagt Staatsanwalt Rüegg, „aber sehr gebrochen“.   

Ersthelfer hört die Schreie

„Zum Glück geht es meiner Tochter wieder gut“, sagt Medienberichten zufolge der Vater des Mädchens, Bilal O. Er hatte die Zwölfjährige sofort nach den Schüssen mit Hilfe eines Nachbarn ins Krankenhaus gebracht. Dieser Nachbar, Cimen Ehsan, hatte im Schlafanzug am offenen Küchenfenster gestanden, um das Feuerwerk zu beobachten: „Da habe ich Schreie gehört“. Er sei hinausgelaufen und habe im blutenden Oberkörper der Zwölfjährigen vorn ein großes Kugelloch und im Rücken ein weiteres kleines entdeckt. Schnell habe er die Verletzte und ihre Eltern mit seinem Auto zum Krankenhaus gebracht und sei bis nach 3 Uhr nachts bei ihnen geblieben. Dann hätten die Ärzte Entwarnung gegeben. 

Die Polizei erfuhr dann erst im Zuge der ärztlichen Behandlung des Mädchens von den Schüssen und nahm ihre Ermittlungen auf. Schließlich fanden die Beamten Projektilhülsen und Einschusslöcher in Hauswänden. Die Ermittler konnten den Verdächtigen und seine Freunde mit den Gaspistolen relativ zügig aufgrund von Zeugenaussagen festnehmen.

Von Bert Strebe

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben
Mehr aus Der Norden