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Der Norden Religionsunterricht bleibt gefragt
Nachrichten Der Norden Religionsunterricht bleibt gefragt
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10:11 18.12.2016
Quelle: dpa (Symbolbild)
Hannover

Es scheint paradox: Während die Kirchen an Bedeutung im Alltag einbüßen und Mitglieder verlieren, ist das Interesse am Religionsunterricht praktisch ungebrochen. Obwohl die Zahl christlicher Schüler sinkt und die der Muslime und ungetaufter Kinder steigt, sind der evangelische und katholische Religionsunterricht gut besucht - ungeachtet alternativer Fächer wie Werte und Normen oder Ethik. Nur eine kleine Zahl von Schülern meldet sich ab und eine steigende Zahl religionsloser Kinder entscheidet sich aus eigenem Interesse zur Teilnahme an dem Fach, wie die evangelische und katholische Kirche berichten.

In Sachsen etwa hat sich bezogen auf die Gesamtheit der Schüler der Anteil derjenigen, die den evangelischen Religionsunterricht besuchen, von vier Prozent im Jahr 1992 auf fast 25 Prozent in 2012 gesteigert, sagt der Schulreferent der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Matthias Otte. In Mecklenburg-Vorpommern nehmen sogar über 50 Prozent der Schüler daran teil, etwa dreimal so viel wie es dort Kirchenmitglieder gibt. Das bedeutet, dass dort im Religionsunterricht konfessionslose Schüler oft in der Mehrzahl sind.

Aber auch in Berlin, wo der Religionsunterricht kein ordentliches Lehrfach ist, nimmt ein Viertel aller Schüler (80 000) freiwillig und zusätzlich zum anderen Unterricht oft nachmittags am evangelischen Religionsunterricht teil. In Baden-Württemberg nehmen laut Otte knapp 40 Prozent der Schüler am evangelischen Religionsunterricht teil, ein Viertel davon (mehr als 130 000) sind nicht evangelisch, die Mehrzahl dieser Gruppe gehört keiner Kirche an oder ist teils auch muslimisch. Ähnliche Zahlen gelten in Baden-Württemberg für den katholischen Religionsunterricht. Über alle Schularten hinweg melden sich dort weniger als vier Prozent der Schüler vom evangelischen Religionsunterricht ab.

In Niedersachsen nahmen nach Angaben des Kultusministeriums im vergangenen Jahr 45,5 Prozent der Schüler am evangelischen, 9 Prozent am katholischen und 20,8 Prozent am gemischten Religionsunterricht für Katholiken und Protestanten teil, 19 Prozent wählten das Fach Werte und Normen. Wie der Direktor des Generalvikariats im Bistum Hildesheim, Jörg-Dieter Wächter, erklärt, wächst gerade der Anteil ungetaufter Kinder stark an. Gemessen an der Abmeldequote vom Religionsunterricht sei der Zuspruch zu dem Fach aber weiterhin hoch. Gerade in einer pluralen Gesellschaft trage der Religionsunterricht dazu bei, dass junge Menschen lernten, sich zu orientieren, andere Weltdeutungen zuzulassen und mit Differenzen umzugehen.

Eine neue Herausforderung für den Religionsunterricht ist nach einer EKD-Studie, dass der wachsenden Zahl muslimischer und religiös oft intensiv sozialisierter Kinder Schüler gegenüberstehen, die nur noch schwach oder überhaupt nicht mehr christlich verwurzelt sind. Diese sind in religiösen Fragen verunsichert, haben zugleich aber eine große Offenheit und Neugierde an anderen Religionen. Vom Religionsunterricht erwarten sie, dort mehr auch über nicht-christliche Religionen zu erfahren. Auch deshalb gibt es kirchlicherseits Bemühungen zu einer Kooperation des Religions- und Ethikunterrichts, ohne die Unterschiede zu verwischen.

Im Alltag zu schaffen machen dem Religionsunterricht unterdessen praktische Probleme: Angesichts des demografischen Wandels mit einer sinkenden Zahl von Schülern wird ein separater Religionsunterricht für Katholiken und Protestanten oft schwierig. Die Deutsche Bischofskonferenz arbeitet daher an Wegen, den gemeinsamen Religionsunterricht auszuweiten. Ungeachtet davon schmerzt die Kirchen, dass der Religionsunterricht im Stundenplan oft ausfällt. Bei Lehrermangel, so erklärt Bildungsexperte Wächter vom Bistum Hildesheim, entscheide die Schulleitung eher für die Fächer Englisch oder Mathematik - und Religion falle dann einfach weg.

dpa

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