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Der Norden Für diesen Schmetterling wird die B83 gesperrt
Nachrichten Der Norden Für diesen Schmetterling wird die B83 gesperrt
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00:49 02.05.2018
Sperrung der B 83 bei Holzminden. Dort drohen Felsbrocken von einem Steilhang abzurutschen – eine seltene Schmetterlingsart verbietet aber eine Absicherung. Quelle: Niggemann/Grandmont
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Holzminden

Er misst kaum fünf Zentimeter und hat eine Schwäche für sonnige Felswände: der Schmetterling „Spanische Flagge“. Im Landkreis Holzminden sorgt dieses im Norden seltene Insekt dieser Tage für jede Menge Ärger und Verwaltungsaufwand: Der Schmetterling ist an einer Felswand entlang der Bundesstraße 83 bei Pegestorf beheimatet. Diese droht abzurutschen. Weil dem Schmetterling zuliebe die Felswand aber nicht abgestützt werden darf, wird die Straße nun gesperrt – für mehrere Jahre. Jetzt hat sich auch Umweltminister Olaf Lies eingeschaltet und möchte im Dilemma zwischen Naturschutz und Straßenbau bei einem runden Tisch am Donnerstag vermitteln.  

Zehn Kilometer Umweg ins Nachbardorf

„Aktuell sind alle Stellen im Landkreis damit beschäftigt, die Vorarbeiten für diese dauerhafte Sperrung zu erledigen“, heißt es aus der Kreisverwaltung Holzminden. Buslinien müssen umgeleitet, teils neu erfunden werden. Ob Schulbus, Taxi oder Autofahrer: Alle müssen künftig weiträumige Umwege in Kauf nehmen. Teils braucht es bis zu zehn Kilometer mehr, um ins Nachbardorf zu gelangen. Feuerwehr und Rettungsdienst müssen sogar Einsatzpläne und Alarmierungsschleifen überdenken, damit sie trotz der Sperrung noch das Einhalten der gesetzlich geregelten Hilfsfristen garantieren können. Bürger werden über eine extra Rubrik auf der Homepage des Landkreises auf dem Laufenden gehalten.

Eine „Katastrophe“ nennt denn auch Holzmindens Landrätin Angela Schürzeberg (SPD) die geplante Sperrung. Die B 83 sei eine der wichtigsten Verkehrsadern rund um Holzminden. Die Sperrung bedeute das Abschneiden des Südkreises vom Nordkreis und werde sich sozial, finanziell und wirtschaftlich extrem nachteilig auswirken.

EU müsste Hang-Absicherung genehmigen

Und dennoch: Die Bundesstraße 83 wird noch vor Pfingsten komplett gesperrt – für ungewisse Zeit. Das hat die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr jetzt offiziell angeordnet. „Es geht aber nicht nur um einen Schmetterling“, betont Bereichsleiter Markus Brockmann. Bereits 2011 habe es das erste geologische Gutachten für den 1,5 Kilometer langen Steilhang direkt an der Bundesstraße gegeben. Schon damals sei ein Maßnahmenkatalog im Wert von 5 Millionen Euro von den Experten benannt worden, um die Klippen zu stützen. Seit wenigen Wochen ist nach einem erneuten Gutachten nun klar: Es besteht Lebensgefahr. „Wir müssen den Bereich also sperren“, so Brockmann.

Die Felsen jetzt schnell zu sichern, steht aber nicht zur Debatte. „Das ist rechtlich nicht zulässig“, erläutert Brockmann. Die Felsen liegen nämlich mitten in einem europäisch geschützten FFH-Naturschutzgebiet. Ein Uhu brütet dort, diverse geschützte Pflanzenarten gedeihen und das im Norden einzigartige Vorkommen des Schmetterlings „Spanische Flagge“ ist nachgewiesen. „Die Felswände mit Metallankern zu vernageln und 80 Prozent des Berges zu vernetzen, das bedeutet einen zu großen Eingriff“, sagt Brockmann. So etwas müsste die EU erst genehmigen – ein jahrelanger Prozess.

Wenn es nach der Landesbehörde geht, gibt es daher auf lange Sicht nur eine Lösung, die man auch beim Runden Tisch mit dem Umweltminister vorstellen werde: Die komplette Bundesstraße nach Süden zu verlegen. „30 bis 35 Millionen Euro würde das kosten“, sagt Brockmann. Allein schon, weil es zwei Brücken über die Weser bräuchte. „Dann müsste man sich nicht entscheiden zwischen Mensch und Natur.“ In diesem Bereich wäre die Bundesstraße dann auch weit entfernt von der abrutschenden Felswand, dem Naturschutzgebiet – und dem Schmetterling. 

Von Carina Bahl

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