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Der Norden So forscht Niedersachsen an Bienen
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17:43 21.05.2017
Von Gabriele Schulte
Senkrecht in den Stock: So werden aus den zuvor umgesetzten Bienenlarven Königinnen. Quelle: Tim Schaarschmidt
Celle

Das Prinzip ist erstaunlich einfach: Auf die Richtung kommt es an. „Ist die Brutzelle waagerecht ausgerichtet, füttern die Ammenbienen die Larve darin zur Arbeitsbiene heran“, erläutert Imkermeister Hansgeorg Schell, der den Bienenvölkern in dieser Hinsicht immer wieder ins Handwerk pfuscht - durch eine Drehung um 90 Grad. Steckt die Larve nämlich in einer senkrecht ausgerichteten Brutzelle, erkennen die Arbeitsbienen darin eine zukünftige Königin und füttern ausschließlich das feinste Sekret, Gelée Royal. Durch das sogenannte Umlarven entstehen in Celle in großer Zahl Königinnen mit guten Eigenschaften, die Interessenten dort kaufen und für neue Völker verwenden können. Rund 14 000 Hobbyimker gibt es in Niedersachsen, die Tendenz ist seit acht Jahren beständig steigend.

Ein Teil der Königinnen aus dem in Zuchtbüchern verzeichneten Vermehrungsprogramm wird auch von Celle zur Insel Neuwerk bei Cuxhaven verfrachtet und dort mit ausgewählten Drohnen verkuppelt. Dabei kommt den Züchtern die Wasserscheu der Bienen zugute. „Sie wagen sich zum Hochzeitsflug nicht übers Wattenmeer“, sagt Institutsleiter Werner von der Ohe. So könne der Genpool gezielt verbessert werden.

Der ersehnte Zuchterfolg von Resistenzen gegen die bedrohlichsten Bienenkrankheiten steht noch aus. Gegen die Amerikanische Faulbrut hat das Institut aber ein inzwischen international genutztes Frühdiagnoseverfahren erfunden, das die Gefahr eindämmte. Seit einigen Jahren saugt die aus Asien eingewanderte Varroa-Milbe ganzen Bienenvölkern das Blut aus. Zur Schadensminimierung haben Celler Mitarbeiter ein Ablenkungsmanöver entwickelt - in den Bienenstock eingehängte überschüssige Drohnenbrut, auf die sich die Milben dann vorzugsweise stürzen.

Im vergangenen Winter ist trotzdem wieder ein Fünftel der niedersächsischen Bienenvölker vernichtet worden, wie das Monitoring des Instituts für Bienenkunde gezeigt hat. Die Bienenhalter, von denen eine Minderheit auch selbst züchtet, lassen sich davon nicht entmutigen. „Bei uns im Verein sind in diesem Winter viele Völker zusammengebrochen, auch bei erfahrenen Imkern“, erzählt Stephan Schröder aus Gnarrenburg bei Oldenburg, der sich an diesem Tag als Kursteilnehmer an der Königinnenvermehrung versucht. Er habe daher acht seiner zuletzt 18 Völker an Kollegen verkauft, sagt der 46-Jährige, der von Beruf Lackierer ist: „Man hilft sich gegenseitig.“

Das Summen sagt viel aus

In Kursen für Anfänger und Fortgeschrittene, die das Institut anbietet, wird nebenbei deutlich: Das Imkern wird immer mehr auch zur Frauensache. „Am Anfang war ich allein“, erinnert sich Teilnehmerin Tomke Hausdorf aus Hannover. „Jetzt gibt es in einzelnen Vereinen schon mehr Frauen als Männer.“

Mit stählernen Umlarvlöffeln, die an Zahnarztzubehör erinnern, gehen die Hobbyimker in Celle ans Werk. Um die Brutstöcke im Garten herum summt es leise. Die Imker haben dafür ein gutes Ohr. „Das klingt ganz gelassen“, meint Tomke Hausdorf. „Wenn Bienen aufgeregt sind, brausen sie auf.“ Um die Tiere bei der Imkerarbeit ruhig zu stellen, kommt der Smoker zum Einsatz: Mit einem Blasebalg verteilter Rauch täuscht einen Brand vor, den die Bienen als Bedrohung empfinden. Statt sich am Imker zu stören, bereiten sie ihre Flucht aus dem Stock vor, indem sie ihre Honigmägen mit Nahrungsvorräten füllen.

Dass Imker auch mal gestochen werden, lasse sich nicht ganz vermeiden, sagt Kora Rehländer, die sich wie acht weitere junge Frauen und Männer in Celle zur Berufsimkerin ausbilden lässt. Das sei aber halb so wild, meint die 20-Jährige: „Je öfter ich gestochen werde, desto weniger schwillt es an.“ Die faszinierende Arbeit mit den Bienenvölkern entschädige für gelegentlichen leichten Schmerz: Die Völker bilden einen Sozialstaat mit ausgeklügelter Arbeitsteilung, der seinesgleichen sucht.

Vieles ist noch unerforscht, den Bienenkundlern wird die Arbeit so schnell nicht ausgehen. „Wir wissen schon viel“, sagt Imkermeister Schell, während er akribisch neue Königinnen vorbereitet. „Aber die Biene ist immer noch ein großes Rätsel.“

Seit 90 Jahren: Arbeiten am guten Honig

Das Institut für Bienenkunde feiert in diesem Jahr 90-jähriges Bestehen. Es wurde am 1. Juli 1927 in Celle als Hannoversches Landesinstitut für Bienenforschung und bienenwirtschaftliche Betriebslehre gegründet. Der Rückgang der Heideflächen in der Lüneburger Heide, seit dem Mittelalter ein Zentrum der Honig- und Wachsproduktion, sowie der Imkerei bereiteten damals große Probleme. Zu den ersten Aufgaben der anfangs vier Institutsmitarbeiter zählten die Bekämpfung der Bienenseuche Amerikanische Faulbrut und die Verbesserung der Honigqualität.

Seit dem Jahr 2000 wird das im Französischen Garten am Rand der Celler Innenstadt gelegene Institut vom Biologen Werner von der Ohe geleitet. Der 62-Jährige hat über den Stoffwechsel von Bienen promoviert und in Celle zunächst die Laborabteilung geleitet. 2004 integrierte das Landwirtschaftsministerium das Celler Institut in das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Schon vorher hatte es Berührungspunkte mit der Behörde gegeben – unter anderem bei der lebensmittelrechtlichen Überwachung des Honigs und der Bekämpfung von Bienenkrankheiten.

Im Celler Labor werden unter anderem Pollenanalysen vorgenommen, die die genaue Herkunft von Honig-Stichproben nachweisen. Die Berufsschule des Instituts bildet im Winter Berufsimker aus.     

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