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Der Norden So wird das Gelände der Landesgartenschau gepflegt
Nachrichten Der Norden So wird das Gelände der Landesgartenschau gepflegt
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00:17 18.08.2017
„In dieser Gegend wachsen die Leute mit dem Gartenbau auf. Das sieht man an den Vorgärten und auch hier“: Dauerkartenbesitzer Horst Kolbe (re.) mit Freunden im Park der Gärten. Quelle: Moers
Bad Zwischenahn

Halb Europa hat Herr Jin diesen Sommer bereist. Ausgestattet mit breitkrempigem Safarihut und Digitalkamera besichtigt der Blumenbeauftragte der chinesischen Stadt Hangzhou mit seinen Kollegen Mustergärten. Heute stoppt der Reisebus vor dem Park der Gärten im ammerländischen Bad Zwischenahn, den sie dort selbst und wenig blumig „Deutschlands größte Mustergartenanlage“ nennen. Herrn Jin stört das nicht. „So etwas Schönes haben wir nirgendwo gesehen“, sprudelt es aus ihm heraus, als er vor dem Souvenirshop auf den Gärtnerischen Leiter Björn Ehsen trifft. Der freut sich und ist auch etwas verlegen ob des großen Lobs: „Unser Haupteinzugsgebiet ist eigentlich das Ammerland und die angrenzenden Regionen im Norden.“

Alle Erwartungen übertroffen

Das ist vielleicht etwas zu bescheiden für einen prächtigen Park mit 140  000 Quadratmetern Fläche. Er ist das Erbe der ersten Landesgartenschau in Niedersachsen überhaupt. Vor 15 Jahren übertraf sie mit beinahe einer Million Besucher alle Erwartungen. 3,8 Millionen Euro Zusatzeinnahmen verbuchte die örtliche Wirtschaft im Kurort.

Fünf Schauen folgten seitdem – alle blieben weit hinter diesem Anfangserfolg zurück. In Papenburg hinterließ die Veranstaltung 2014 sogar einen Schuldenberg von 3,4 Millionen Euro und stellte insgesamt das Konzept der Landesgartenschau infrage. Ganz anders in Bad Zwischenahn. Der Erfolg war so groß, dass die ursprünglich für nur sechs Monate angelegte Schau zu einem dauerhaften Gartenerlebnispark ausgebaut wurde. Die Besucherzahlen stiegen von rund 100 000 im Eröffnungsjahr 2003 auf 150 000 Besucher im Vorjahr.

Horst Kolber ist einer der vielen Besucher, er besitzt sogar eine Dauerkarte und spaziert mit Freunden und einem kleinen Bollerwagen, gefüllt mit kühlen Getränken, durch den Park. Cottage Garten, Kleine Dufarena, Spiegelgarten oder Fisherman’s Friend – auf Infotafeln erfahren die Besucher alles über die Konzepte und die 9000  Pflanzenarten in den 43 jeweils 500 Quadratmeter großen Mustergärten. Begehbare Rasenflächen, kleine Bachläufe und ein zentraler Gastronomiebereich verbinden die Parzellen. „Die magische Nacht sollte man sich nicht entgehen lassen“, findet Kolber.

Mit besonderen Veranstaltungen, einer Gartenbauakademie und Programmen für Schulklassen bieten die Parkmacher ein Angebot, das längst nicht mehr nur das Hauptklientel klassischer Gartenschauen interessiert. Der Freizeitpark für Gartenfreunde ist zudem das beste Beispiel, was eine Landesgartenschau für eine Region leisten kann.

Und er wird weit über das Ammerland hinaus gewürdigt. Als „das großartigste begehbare Gartenideenbuch“ bezeichnet der österreichische Gartenjournalist Karl Ploberger den Park im Herzen des Ammerlands – eine Region, die bekannt ist für ihre Baumschultradition und einzigartige Rhododendron-Parks. „Der Park der Gärten ist unser Aushängeschild für den Tourismus und die heimische Gartenbauwirtschaft“, konstatiert Frank Bullerdiek, Sprecher der Ammerland Touristik.
Herrn Jin aus Hangzhou interessiert das alles brennend. „Wie viele Mitarbeiter haben sie? Wer finanziert das alles?“ Er fragt Gartenchef Ehsen Löcher in den Bauch und will genau wissen, wie Ehsen und seine Mitarbeiter, 25 Gärtner, es schaffen, die 43 kleinen Gartenparadiese entlang der blumenflankierten Sandwege so gepflegt zu halten, dass die Gartenschau-erfahrene Besucherin Gisela Mätzke zu der Feststellung kommt: „Die aktuelle westfälische Gartenschau in Bad Lippspringe ist ein Trauerspiel dagegen.“

„Ohne die Unterstützung der hiesigen Gartenbauwirtschaft gäbe es diesen Park nicht“, erklärt Chefgärtner Ehsen das Konstrukt hinter dem kunstvollen Biotop. 150 Gartenbaubetriebe und 15 Verbände beteiligen sich an dem Erhalt, Ausbau und Betrieb der Anlage. Darunter die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die gleichzeitig Hauptbetreiber ist und auf dem Gelände eine Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau betreibt.

Langfristige Verträge mit der Gemeinde Bad Zwischenahn und dem Landkreis Ammerland sichern die Zukunft des Parks. Große Baumschulen nutzen die Schaufläche, um Kunden und Partnern ihre Produkte in wunderschön arrangierten Parzellen zu demonstrieren. Etwa die Baumschule Bruns, deren Exportware den Roten Platz, die Champs-Élysées und sogar die Disneyland-Parks zieren. Horst Kolber kennt einen weiteren Grund für den Erfolg: „In dieser Gegend wachsen die Leute mit dem Gartenbau auf. Das sieht man an den Vorgärten und auch hier.“     

Heftiges Gezerre um Bad Iburg 2018

Sie war bereits abgesagt, sie kommt aber doch. Die Landesgartenschau 2018 in Bad Iburg hat bereits vor dem Start eine wechselvolle Geschichte. Nach erfolgreicher Bewerbung votierte anschließend eine Ratsmehrheit aus CDU und Grünen gegen die Schau. Das finanzielle Risiko erschien unkalkulierbar, nachdem die Schau in Papenburg einen Schuldenberg von 3,4 Millionen Euro hinterließ. Mit einem Bürgerentscheid gelang es engagierten Befürwortern in letzter Sekunde, den Ratsbeschluss zu kippen. Nun kommt sie also doch.

Bewerber für die siebte Ausgabe 2022 gibt es derweil nur einen – Bad Gandersheim. „Seit die Fördermittel des Landes für alle Schauen nach 2006 gestrichen wurden, ist das Interesse der Kommunen drastisch geschrumpft“, erklärt Harald Mikulla von der Fördergesellschaft Landesgartenschauen in Niedersachsen

Von Mario Moers

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