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Der Norden Häftlinge aus Nordafrika bereiten Probleme
Nachrichten Der Norden Häftlinge aus Nordafrika bereiten Probleme
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08:07 13.02.2017
Justizangestellte klagen über Häftlinge aus Nordafrika. Quelle: dpa
Hannover

Sind es kulturelle Unterschiede, die zu Irritationen führen, oder ist es ein absichtlich provokantes Verhalten? Die Bediensteten im niedersächsischen Strafvollzug erleben Häftlinge aus Nordafrika als eine schwierige Gruppe. "Ganz problematisch ist dieses Klientel im Umgang mit unseren weiblichen Bediensteten, die werden nicht ernst genommen", sagte der Landesvorsitzende des Verbandes niedersächsischer Strafvollzugsbediensteter, Uwe Oelkers.

Allerdings ist die Zahl nordafrikanischer Häftlinge in Niedersachsen nicht so hoch wie etwa in Nordrhein-Westfalen: Während sich in NRW-Gefängnissen die Zahl von Gefangenen aus den Maghreb-Staaten von 2014 bis 2016 mehr als verdoppelt hat und seither bei 812 liegt, waren nach Angaben des Justizministeriums in Hannover mit dem Stichtag 31. Dezember 2016 insgesamt 33 Menschen aus Marokko, Algerien und Tunesien in Untersuchungshaft - am 31. Dezember 2014 waren es 22.

Das Problem betreffe zwar mehr oder minder alle Bundesländer, sagte der Vorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbediensteten Deutschland, René Müller. "Besonders sind aber die Metropolen betroffen."

Muslimische Gefängnisseelsorger beklagt Klischees

Nach Darstellung eines Sprechers des NRW-Justizministeriums zeigen Gefangene aus Maghreb-Staaten häufig ein forderndes Auftreten, verbunden mit der Drohung, sich selbst zu verletzen oder umzubringen. Sie gestikulierten oft wild, ihr spontanes Verhalten sei schwer einzuschätzen. Häufig befolgen sie Anweisungen nicht, zeigten sich respektlos gegenüber weiblichen Bediensteten und seien völlig uneinsichtig bei Fehlverhalten.

"Es wäre zu kurz gegriffen, lediglich Gefangene aus Maghreb-Staaten als "problematisch" zu beschreiben", sagt Ehsan Kangarani aus der Pressestelle des niedersächsischen Justizministeriums. Gefangene aus anderen Kulturkreisen, aber auch Gefangene aus dem Bereich der organisierten Kriminalität stellten den Justizvollzug immer wieder vor Herausforderungen.

Der muslimische Gefängnisseelsorger Mustafa Cimsit aus Frankfurt kritisierte, dass es bei der Problembeschreibung oft "sehr viele Klischees und Vorurteile" gebe. "Ich kenne auch viele Gegenbeispiele, dass Gefangene hier dafür sorgen, dass es ruhig ist in den Gefängnissen." Nordafrikaner seien kein derart großes Problem, wie man es oft höre. Probleme ergäben sich seiner Ansicht nach häufig aus einer mangelnden Betreuung der Häftlinge oder aus Missverständnissen heraus.

"Im Vollzug ist Manpower unabdingbar"

Einige Länder wie NRW oder Niedersachsen wollen mehr Deutsch-Kurse für Häftlinge. In Niedersachsen werden in allen Gefängnissen solche Kurse angeboten. Es sollen zudem weitere externe Dozenten auf Honorarbasis beschäftigt werden, hieß es. Die neuen Maßnahmen sollen mit mindestens 20 Wochenstunden über einen Zeitraum von drei Monaten stattfinden. In einem Jahr sollen bis zu vier Durchgänge pro Justizvollzugsanstalt angeboten werden.

Grundsätzlich müssten die Länder noch mehr in Ausbildung und Schulung der Bediensteten, aber auch in mehr Personal investieren, forderte Gewerkschaftschef Müller. "Im Vollzug ist Manpower unabdingbar. Wenn wir Kollegen haben, die 40 oder 50 Gefangene auf einer Station haben, finden die nicht mehr die Zeit, sich mit ihnen individuell auseinanderzusetzen." Bundesweit fehlten etwa 2000 Beamte im Strafvollzugsdienst. Wegen der Personalknappheit könnten oft Schulungen von den Bediensteten gar nicht besucht werden, weil sonst die Stationen unterbesetzt seien. "Wir sollen immer mehr machen mit immer weniger Personal", klagt auch Gewerkschafts-Landeschef Oelkers. Es müsse auch in Niedersachsen Personal aufgestockt werden.

Auch Gefängnisimam Cimsit forderte eine bessere interkulturelle Schulung der Bediensteten. "Was wir aber auf jeden Fall brauchen, ist die flächendeckende Einführung der muslimischen Gefängnisseelsorge", sagte er. Gemessen an der Zahl muslimischer Inhaftierter gebe es kaum muslimische Seelsorger in deutschen Gefängnissen, auch, weil die Finanzierung der Stellen schwierig sei. Es reiche nicht, alle 14 Tage einen Gottesdienst anzubieten. Das habe nichts mit Seelsorge zu tun - ein Seelsorger müsse schnell vor Ort sein, wenn es irgendwo Probleme gebe.

Niedersachsen habe derzeit 11 frei bestellte muslimische Seelsorger und 11 frei bestellte muslimische Seelsorgehelfer, sagt Ministeriums-Sprecher Kangarani. Diese werden im Einverständnis mit den muslimischen Landesverbänden als Ehrenamtliche berufen. Dem stehen 29 fest angestellte christliche Gefängnisseelsorger gegenüber. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Zahl der muslimischen Seelsorger zu erhöhen", sagt Kangarani.

dpa

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