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Der Norden Unfall mit Terror-Sperre: Verfahren eingestellt
Nachrichten Der Norden Unfall mit Terror-Sperre: Verfahren eingestellt
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13:32 11.06.2018
Die Statue Justizia Quelle: dpa
Göttingen/Fürstenhagen

Auf einem geteerten Feldweg wollte die Firma aus dem Raum Uslar die Funktionalität eines neu entwickelten Sperrblocks testen. Wie das „Göttinger Tagblatt“ berichtet, sollte der unangemeldete Test per Video dokumentiert werden – auch für spätere Werbezwecke. Auf dem Onlineportal Youtube wurde der Unfall bis zum heutigen Tag knapp 20 000 Mal aufgerufen. Der 56-jährige Firmeninhaber hatte einen Lastwagen organisiert, ein Stock-Car-Fahrer aus der Gemeinde Oberweser seine Teilnahme zugesagt und die Feuerwehr sollte das verbeulte Fahrzeug nach dem Test bergen und für Übungszwecke behalten können.

Nachdem aber das Fahrzeug mit etwa 50 Stundenkilometern auf die etwa eine Tonne schwere und 1,5 Meter hohe sogenannte Nizza-Sperre geprallt war, wurde aus dem Test ein Fall für die Rettungskräfte. Die Sperre stoppte den Lastwagen und beschädigte ihn schwer im unteren Frontbereich. Der 48-jährige Fahrer musste von der Feuerwehr aus der mehrfach gesicherten Fahrerkabine befreit werden und kam mit dem Rettungshubschrauber ins Klinikum.

Vom Opfer bewusst eingegangenes Risiko

Dass das Verfahren gegen den Firmeninhaber dennoch eingestellt wurde, begründet die Staatsanwaltschaft mit nicht hinreichendem Tatverdacht. „Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs macht sich derjenige, der das zu einer Selbstverletzung führende eigenverantwortliche Handeln des Selbstschädigers vorsätzlich oder fahrlässig veranlasst, ermöglicht oder fördert, nur dann strafbar, wenn er kraft überlegenen Sachwissens das Risiko besser erfasst als der sich Verletzende“, erklärt Oberstaatsanwalt Andreas Buick. Straffrei sei ein solches Handeln regelmäßig dann, wenn es nicht auf eine Verletzung gerichtet war, sich aber ein entsprechendes, vom Opfer bewusst eingegangenes Risiko realisiert hat.

„So liegt der Fall hier“, so Buick. Nach dem Ergebnis der Ermittlungen habe nicht nachgewiesen werden können, dass der Beschuldigte das Risiko besser hätte einschätzen können als der Verletzte. Aufgrund der Zeugenaussagen ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte den Geschädigten vor der Fahrt über die Risiken aufgeklärt habe. Daher ist das Ermittlungsverfahren eingestellt worden. Gegen die Entscheidung der Staatsanwaltschaft Göttingen wurde Beschwerde eingelegt. Eine Entscheidung der Generalstaatsanwaltschaft Braunschweig ist noch nicht ergangen.

Erhöhtes Sicherheitsbedürfnis

Zum damaligen Zeitpunkt entwickelten aufgrund des erhöhten Sicherheitsbedürfnisses nach den Anschlägen von Nizza und Berlin mehrere Firmen Abwehrmaßnahmen gegen Terror-Anschläge mit Lastwagen auf Großveranstaltungen. Die bis zum damaligen Zeitpunkt verwendeten Betonsperren hatten bei einem Test der Dekra einem beladenen Lastwagen nicht standgehalten.

Von Markus Scharf/RND/dpa

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