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Der Norden Volkswagen investiert deutlich mehr in China - neue Marke Sol
Nachrichten Der Norden Volkswagen investiert deutlich mehr in China - neue Marke Sol
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00:31 27.04.2018
VW-Vorstand Jochem Heizmann kündigt hohe Investitionen in China an. Quelle: dpa
Peking

Volkswagen will in China deutlich mehr als bisher geplant in die Entwicklung von Elektroautos und in das autonome Fahren investieren. Bis zum Jahr 2022 wollen die Wolfsburger mit ihren Partnern 15 Milliarden Euro für Zukunftsprojekte auf dem größten Automarkt der Welt in die Hand nehmen, wie der neue VW-Konzernchef Herbert Diess und China-Chef Jochem Heizmann am Dienstag vor Beginn der Pekinger Automesse ankündigten.

Gleichzeitig stellte VW eine neue Marke für Elektrofahrzeuge mit dem Namen Sol vor, deren Autos zusammen mit dem Joint-Venture-Partner JAC für den chinesischen Markt produziert werden sollen. Das erste Modell der Marke – ein kompakter Stadt-Geländewagen (SUV) mit der Bezeichnung E20X – soll demnach noch in der zweiten Jahreshälfte herauskommen.

China ist Volkswagens wichtigster Markt – der Konzern hat dort im vergangenen Jahr 40 Prozent seiner Autos verkauft, insgesamt knapp 4,2 Millionen Stück. Die Volksrepublik gilt als der Leitmarkt für E-Mobilität: Auch wegen der extremen Luftverschmutzung will die Regierung den Verkauf von Autos mit alternativen Antrieben ankurbeln. Nicht nur wegen der hohen Verkaufszahlen sei China für VW wichtig, sagte Diess. Vielmehr entstünden hier auch neue Trends rund um die Themen Vernetzung und Elektroantriebe.

In von Smog geplagten Großstädten wie Peking und Shanghai ist kaum noch an neue Nummernschilder für Benziner-Autos zu kommen. Käufer von E-Fahrzeugen profitieren dagegen von staatlichen Subventionen. Zudem verordnete die Regierung im September eine Produktionsquote auf Elektroautos von 10 Prozent, die vom kommenden Jahr an greifen soll. Die Zahl der verkauften Elektro- und Plug-in-Hybrid-Pkw lag im vergangenen Jahr bei 770.000 – insgesamt wurden rund 24 Milionen Autos neu zugelassen.

Heizmann kritisierte, dass Batterien für die E-Autos laut der bisher geplanten Regeln in China bei heimischen Anbietern eingekauft werden müssen und nicht aus dem Ausland eingeführt werden dürfen. „Wir hoffen, dass sich die Dinge noch ändern.“ Westliche Diplomaten und Branchenbeobachter sehen in dem Verbot einen Versuch Pekings, nicht nur zum Weltmarktführer in der E-Mobilität zu werden, sondern auch die vorgelagerte Produktion von Batterien zu dominieren.

Die von den Wolfsburgern angekündigten Milliarden-Investitionen sollen auch in Bereiche wie Digitalisierung und Mobilitätsdienste fließen – darunter ein neues Carsharing-Angebot mit dem chinesischen Anbieter Shouqi. „Wir wollen in all diesen Schlüsselbereichen, in denen die Zukunft der Mobilität entschieden wird, vorne dabei sein“, sagte Heizmann. Stärkster Treiber bleiben aber die auch in China beliebten SUVs. Die Nachfrage nach den kompakten Geländewagen sei so groß, dass diese bald die Hälfte der Gesamtverkäufe oder sogar mehr ausmachen könnten.

Nach Rekordverkäufen im vergangenen Jahr rechnet Volkswagen auch 2018 mit Zuwächsen. Der Gesamtmarkt dürfte nach Heizmanns Aussagen um 4 bis 5 Prozent zulegen. „Wir sind gut unterwegs, besser abzuschneiden als der Markt.“

Von Jörn Petring