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Der Norden Schnelle Hilfe ohne viele Fragen
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08:56 13.12.2014
„Für viele Menschen bin ich der Hausarzt“: Detlev Niebuhr. Quelle: Michael Rauhe
Hamburg

Die meisten Patienten wollen ihren Namen nicht nennen. Auch über ihr Schicksal sprechen sie nur selten und nur dann, wenn Detlev Niebuhr danach fragt. Wer zu ihm kommt, ist krank - und ohne Krankenversicherung, manchmal ohne Aufenthaltserlaubnis, fast immer in Not. Der 69-jährige Internist behandelt ehrenamtlich kranke Menschen, die ohne Dokumente in Hamburg leben. Wie viele es sind, weiß niemand genau. Sicher ist nur, dass die Zahl in die Zehntausende geht. „Das ist unsere Zielgruppe“, sagt Niebuhr.

Die wöchentliche Sprechstunde im Marienkrankenhaus gehört zum bundesweiten Programm des Projekts Malteser Migranten Medizin, das mittlerweile in 13 deutschen Großstädten - auch in Hannover - kostenlose medizinische Hilfe anbietet. Die katholische Klinik stellt in Hamburg jeden Donnerstag von 16 bis 20 Uhr den Raum der chirurgischen Ambulanz für Niebuhr und seine Kollegen Helgo Meyer-Hamme und Hubertus Zimmermann bereit.

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Vor sechs Jahren haben die Malteser im Dienstzimmer des Krankenhausgeistlichen angefangen, Migranten zu behandeln. Doch der kleine Raum reichte schon bald nicht mehr aus. „Unser Angebot hat sich schnell herumgesprochen“, sagt Niebuhr.

Das Marienkrankenhaus stellt nicht nur die Ambulanz inklusive eines modernen Ultraschallgeräts zur Verfügung, sondern zahlt auch sämtliche Verbrauchsmaterialien vom Pflaster bis zur Injektionsnadel. Die erfahrenen Ärzte arbeiten ehrenamtlich. „Es ist schrecklich, dass man uns braucht“, sagt Nie­buhr, der auf einem Resthof in der Nähe von Hamburg lebt und vor seinem Ruhestand eine Dialysepraxis geleitet hat. „Die Situation ist ähnlich wie bei den Tafeln: Viele Menschen sind darauf angewiesen.“

Jeder zweite Patient kommt aus einem EU-Land. Die meisten haben einen rumänischen oder bulgarischen Pass, sind auf der Suche nach Arbeit in der reichen Metropole gestrandet. Zu den Patienten gehören auch Deutsche, die den Schutz einer Krankenversicherung verloren haben. Die Gesetzeslage schließe diesen Verlust theoretisch zwar aus, sagt Niebuhr. Praktisch sehe die Situation aber anders aus.

„Für viele Menschen sind wir der Hausarzt“, sagt Niebuhr über sich und seine Kollegen. Braucht der Patient einen Facharzt, bitten die Migrantenmediziner um Unterstützung bei Kollegen, die kostenlos helfen und keine Fragen stellen. Medikamente spendet ein Verein. Außerdem steht bei einer Clearingstelle Geld zur Verfügung, um Röntgenbilder und andere medizinische Dienstleistungen zu bezahlen, die nicht ehrenamtlich geleistet werden können. 1500 Männer, Frauen und Kinder haben bislang bei Niebuhr und seinen Kollegen Hilfe gesucht - Tendenz steigend.

Von Wolfgang Klietz

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