Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Der Norden Was passiert mit den Flüchtlingsheimen in Niedersachsen?
Nachrichten Der Norden Was passiert mit den Flüchtlingsheimen in Niedersachsen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:52 04.11.2018
Eine Unterkunft für Flüchtlinge im hannoverschen Stadtteil Bemerode. Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

Sie schliefen zwischen Kirchenbänken, in leeren Baumärkten oder gemieteten Containern: Als 2015 Hunderttausende Flüchtlinge in Deutschland Schutz suchten, mussten Kommunen in kürzester Zeit Unterkünfte organisieren. Seit die Zahl der Asylsuchenden deutlich gesunken ist, brauchen einige Städte den Platz nicht mehr und wollen den Leerstand neu nutzen.

Bremen: Obdachlose und Studenten folgen auf Flüchtlinge

So will die Hansestadt Bremen fast die Hälfte ihrer 37 Unterkünfte umgestalten: In ein Haus sind zum November bereits Studenten eingezogen. Sie wohnen nicht nur in der Nähe zur Universität, sondern auch in direkter Nachbarschaft zu Zugewanderten. „Gemeinschaftliche Wohnformen für heranwachsende Geflüchtete und Auszubildende beziehungsweise Studierende“ sei Ziel der Bremer Integrationspolitik, sagte Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne).

Auch Obdachlose sollen in einer ehemaligen Flüchtlingsunterkunft in Bremen unterkommen. Das Haus liegt zwischen Weser und Hauptbahnhof. Es biete bald Platz für etwa 30 Obdachlose mit psychischen Problemen, teilte die Sozialbehörde mit. Im Haus gebe es eine Krankenwohnung. So müssten die Menschen nach einer medizinischen oder psychiatrischen Behandlung nicht auf die Straße entlassen werden.

Unterkünfte werden teils umgebaut und anderweitig genutzt

2015 hatte das Land Niedersachsen die Kapazität für die Erstaufnahme von Flüchtlingen drastisch erhöht. Bis 2016 gab es nach Angaben des Innenministeriums fast 100 Notunterkünfte und Erstaufnahme-Stätten. Teils waren sie vom Land betrieben, teils von Städten und Gemeinden. Hinzu kamen etliche Folgeunterkünfte.

In Braunschweig folgten ebenfalls Studenten auf Flüchtlinge. Zwei der ursprünglich acht Unterkünfte bewohnen jetzt Studenten, wie die Stadt mitteilte. Auch Oldenburg reduzierte die Zahl der Unterkünfte. Allerdings erfüllen die Gebäude andere Zwecke: So wurde eine alte Tennishalle, in der Zugewanderte untergekommen waren, zu einer Skatehalle umgebaut. In einem einstigen Wohncontainer fand ein städtischer Dienst Räume für seine Verwaltung. Zurzeit ist in Oldenburg noch eine von ursprünglich elf Unterkünften in Gebrauch.

Hannover plant weitere Unterkünfte

Anders sieht es in Göttingen aus: Dort werden einem Sprecher zufolge noch alle neun städtischen Flüchtlingswohnheime als solche genutzt. Im Mai hatte der Sozialausschuss des Rates der Stadt Göttingen entschieden, die umstrittene Flüchtlingsunterkunft Siekhöhe zum Sommer 2019 zu schließen. In Osnabrück sind noch 19 von 20 Einrichtungen in Gebrauch, in Lüneburg sind es nach Angaben der Stadt noch 10 von 15 Unterkünften. Ein ehemaliges Wohnheim werde derzeit zu einer Kita umgebaut.

In der Landeshauptstadt werden dagegen noch Unterkünfte geplant und gebaut. Wie eine Sprecherin erklärte, wurde zuletzt im Oktober ein neues Wohnheim für Flüchtlinge eröffnet. Hannover müsse „laufende Quoten vom Land“ Niedersachsen erfüllen, sagte sie und fügte mit Blick auf die Zugewanderten hinzu: „Alle wollen in die Stadt“. Zudem leben in Hannover immer mehr Menschen, die keine feste Wohnung haben. Das führt zu Engpässen bei den städtischen Unterkünften. Nun sollen dort Flüchtlingsheime Abhilfe schaffen.

Zuzugsbeschränkung in Salzgitter, Wilhelmshaven und Delmenhorst verlängert

Der Landkreis Schaumburg hat die zentrale Unterkunft von Flüchtlingen bereits vor zwei Jahren zurückgefahren. Seit dem Januar 2017 wohnen in der Rintelner Flüchtlingsunterkunft am Kerschensteiner Weg offiziell keine Flüchtlinge mehr. Auch in Wolfsburg sinkt die Zahl neuer Asylbewerber. Die Folge: Die Stadt schloss dort eine Reihe von Flüchtlingsunterkünften.

In Salzgitter, Wilhelmshaven und Delmenhorst gilt seit einem Jahr eine Zuzugsbeschränkung für anerkannte Flüchtlinge. Die Städte plädierten Ende Oktober für eine Verlängerung. Derzeit spreche nicht viel dafür, dass auf die Auflage künftig verzichtet werden könne, hieß es aus dem Innenministerium.

Von RND/dpa