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Der Norden Ein Quergeist erklärt die Welt
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00:16 10.10.2016
Von Michael B. Berger
„Von diesen Opportunisten haben wir in allen Parteien satt“: Karl-Heinz Funke. Quelle: dpa
Varel

Die Justiz hat der inzwischen 70-jährige Politiker, der von 1990 bis 1998 niedersächsischer Landwirtschaftsminister war und dann für drei Jahre in die Bundespolitik wechselte, einige Male beschäftigt – weil er als Vorsitzender des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes seinen Geschäftsführer allzu üppig besoldet hatte und seine private Silberhochzeit vom Verband sponsern ließ. Doch das ist Jahre her. Wegen des Geschäftsführergehaltes ist er wegen Untreue verurteilt worden.

Obwohl (oder vielleicht auch weil) er so eine schillernde Figur ist, scheinen ihn die Leute in und um Varel herum zu lieben. Bei den jüngsten Kommunalwahlen rutschte die SPD bei den Stadtratswahlen hinter Funkes „Zukunft Varel“ sogar auf den zweiten Platz. Warum er sich nicht endlich aufs Altenteil begebe? „Weil Freunde mir sagen, ,Du kannst doch nicht einfach aufhören’, und weil es einfach immer noch Spaß macht“, röhrt Funke in seinem leicht nasalen Ton ins Telefon. Wer Karl-Heinz Funke interviewen will, muss übrigens früh anrufen. „So früh kommen Sie doch nicht aus den Federn“, raunzt er den Reporter an.

Am besten man spricht mit ihm, wenn sein Hahn noch kräht wie ein Weltmeister. Das heißt in diesen Frühherbstzeiten: Zwischen 6.30 und 7 Uhr. Das ist normalerweise die Zeit, in der der frühere Bundeslandwirtschaftsminister nach dem Frühstück Zeitung liest – wenn er nicht gerade Interviews gibt, was jetzt eher selten ist. Denn wenn’s hell wird, wird Bauer Funke aktiv. Dann macht er sich auf den Acker, kümmert sich um seine Rinder oder geht daran, wie an diesem Morgen, einen Weidezaun zu reparieren. 60 Rinder versorgt Funke, während seine Frau eine Art Pferdepension hat.

Sein Sohn, studierter Landwirt, wohne 500 Meter weiter, eine Tochter – sie arbeitet als Studienrätin – wohne 200  Meter nebenan, und die jüngere Tochter, gerade 30 geworden, wohne noch auf dem Hof. „Ich weiß nicht, ob wir ein Clan sind, aber doch ziemlich familienverbunden.“

Die Kommunalpolitik, sagt Karl-Heinz Funke, sei doch das Schönste. Man werde direkt angesprochen und könne auch sehen, was man mache. Oder was andere anrichteten. Deshalb bleibe er aktiv. Mit 4639 Stimmen hat Funke bei der Kreistagswahl in Friesland das zweitbeste Ergebnis erzielt. Nur Landeswirtschaftsminister Olaf Lies, auch ein Friesländer, lag mit 7387 Stimmen darüber.

Die AfD schnitt im Vareler Kreistag mit 6 Prozent vergleichsweise schlecht ab. „Das Entstehen neuer Gruppen, am rechten oder linken Rand, hat immer seinen Grund im Verhalten der anderen“, sagt der frühere Sozialdemokrat Funke, der seine Partei auch deshalb verließ, weil sie ihn nicht mehr für die Kommunalparlamente aufstellen wollte. Teilen der AfD wirft Funke, der gewiss als volksnah gelten kann, vor, mit Begriffen wie „völkisch“ auf „niedere Komplexe der Menschen“ zu reagieren beziehungsweise sie hervorzurufen.

Aber am Erfolg der AfD hätten auch „Merkel & Co“ einen entscheidenden Anteil. Funke warnt davor, die rechten Konkurrenten zu dämonisieren. Im Übrigen sollte man nicht ständig über Populisten schimpfen, sagt Funke. Denn schon die alten Römer hätten in den Populisten jene gesehen, die zwar eine eigene Meinung hätten, diese aber „mit allen Mitteln der Redekunst“ unters Volk brächten.

Viel gefährlicher seien doch die Opportunisten, die gar keine Meinung hätten, diese aber in drei verschiedenen Versammlungen auf drei verschiedene Arten präsentierten. „Von diesen Opportunisten haben wir in allen Parteien satt“, sagt Funke, der mit Verweisen auf seine Lateinkenntnisse auch gern den humanistisch Gebildeten mit zweitem Staatsexamen fürs höhere Lehramt hervorkehrt. Es macht ihm einfach Spaß, die Welt zu erklären. Jetzt ist es hell, der Hahn kräht nicht mehr. Karl-Heinz Funke holt tief Luft und sagt: „Es ist schade, dass Sie jetzt nicht hier diese wunderbare Wolkenbildung sehen können. Das gibt’s sonst nur in Sibirien.“

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