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Der Norden Wieso dieser Lehrer den besten Chemieunterricht gibt
Nachrichten Der Norden Wieso dieser Lehrer den besten Chemieunterricht gibt
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00:34 06.06.2018
Auch Gummibärchen können wachsen: Chemieunterricht mit Axel Franke in der Robert-Koch-Schule in Clausthal-Zellerfeld. Quelle: Strebe
Clausthal-Zellerfeld

Es gibt heute Gummibärchen im Unterricht. Die Kinder verteilen sie in der Tüpfelschale und setzen sie unter Wasser. Was passiert, wenn man dieses Konglomerat aus Zucker, Sirup und Gelatine mit Feuchtigkeit in Berührung bringt? Schau an: Die Bärchen wachsen. Sie quellen auf.

Mittwoch, früher Nachmittag in der Robert-Koch-Schule in Clausthal-Zellerfeld. Das Gymnasium heißt so, weil Robert Koch da mal zur Schule gegangen ist. Im zweiten Stock, im Chemieraum, herrscht Trubel. Eine Hand voll Unterstufenschüler untersucht die Eigenschaften von Fruchtgummis und versucht später rauszufinden, ob man sie auch in Wasser tauchen kann, ohne sie nass zu machen (kann man, indem man ein Glas voller Luft über sie stülpt, die Luft verdrängt das Wasser).

Der Lehrer, der Käse produziert

Zeitgleich arbeiten ein paar Oberstufenschüler engagiert mit Alginaten – das sind Verdickungsmittel, die in der Lebensmittelindustrie verwendet werden. Und mitten unter ihnen, erklärend, Material holend, hochkonzentriert: der Mann, der ihnen das alles beibringt. Axel Franke.

Als Franke, 1952 in Magdeburg geboren und in Osterode aufgewachsen, Mathe und Chemie studierte, hat ihm ein Professor gesagt: „Es ist gut, dass Sie nur Lehrer werden wollen. Da können Sie nicht so großen Schaden anrichten.“ Was er stattdessen angerichtet hat, ist ein Feuerwerk aus alltagsbezogenen Chemie-AGs, in denen die Schüler Umweltanalysen machen und selbst Käse produzieren. Chemie-AGs, bei denen die Schüler so begeistert dabei sind, dass irgendwann abends die Eltern anrufen, wo denn ihre Kinder blieben. Dieser Axel Franke bekommt im Herbst von der Gesellschaft Deutscher Chemiker den Friedrich-Stromeyer-Preis, den höchsten Preis, den ein Chemielehrer in Deutschland bekommen kann.

1980 hat Axel Franke in Clausthal angefangen, wo er auch studiert hatte. Er wollte eine Uni in der Nähe haben, das ist hilfreich bei der Beschaffung und Entsorgung der Rohstoffe für Experimente und unverzichtbar bei Kooperationen. Beispielsweise veranstaltet die TU Clausthal zusammen mit der Robert-Koch-Schule einmal im Jahr internationale Chemie-Workshops mit Schülern aus verschiedenen Nationen. Und die TU ist sichtlich erfreut über diese Zusammenarbeit, denn sie dient dem Image und der Nachwuchsrekrutierung.

Mit der Natur im Einklang

Seinem ersten Schulleiter in Clausthal, Helmut Radday, ist Franke beim Einstellungsgespräch zunächst mutlos vorgekommen. Das lag an der miesen Examensnote, eine Vier, in Mathe war es nicht so gut gelaufen. Radday aber sagte, die Note interessiere ihn nicht, sondern das, was Franke über seine Unterrichtsverpflichtung hinaus an der Schule auf die Beine stellen wolle. Und damit traf er einen Nerv.

Axel Franke ist ein Öko-Enthusiast, und als er an der Schule umweltorientierten Chemieunterricht anbot, passte das von Anfang an perfekt in die Zeit. Er und seine Schüler haben Boden- und Gewässeruntersuchungen gemacht und Luftschadstoffe im Harz ebenso nachgewiesen wie problematische Gewässereinleitungen von manch einer Firma in der Gegend. Das ging dann auch nicht immer ohne Ärger ab. „Aber wir haben ein bisschen was anstoßen können“, sagt Franke ebenso bescheiden wie stolz.

Sein Credo ist: Man muss mit der Natur in Einklang leben, man sollte ihr so wenig Schaden wie möglich zufügen. Und das lerne man am besten über das Ausprobieren, denn nur das schärfe die Sinne: Es muss auch mal knallen und stinken im Chemieunterricht. „Die Theorie ist der Tod der Chemie.“ Weswegen Franke überhaupt nichts davon hält, dass man heute für eine ängstliche Ministerialbürokratie vor jedem Experiment irgendwelche Gefährdungspotenzialanalysen schreiben muss, oder dass Referendare anstelle von echten Experimenten Youtube-Videos auf den Stundenplan setzen.

Davon spricht er genauso engagiert wie von Flechtenkartierungen oder Photosynthese oder nitrierten Aromaten, und selbst wenn man nur ein Viertel davon versteht, transportiert Franke die Begeisterung, die ihn antreibt, und daraus entsteht ein Sog, der den Zuhörer mitreißt.

Exkursionen und Chemieshows

Und seine Schüler reden ganz genauso. Es ist ja auch spannender, Exkursionen nach Frankfurt-Höchst oder zu Leuna Bitterfeld zu unternehmen, für den Tag der offenen Tür der Schule eine Chemieshow zu organisieren und einen Titel als Landesmeister bei „Jugend forscht“ nach Hause zu tragen, als stumpf die Schulbank zu drücken. Auch für den Pädagogen ist das spannender: „Lehrer zu sein ist mein Hobby“, sagt Axel Franke.

Er ist jetzt 66. Er arbeitet schon länger, als er müsste, noch bis Ende des Jahres. Dann arbeitet er immer noch weiter, aber nur noch in AGs, nicht mehr im regulären Unterricht. Franke hat viel losgetreten im Chemieunterricht, er hat Ausstattung beschafft und Spenden eingeworben. Gunnar Demuth, stellvertretender Schulleiter, weiß überhaupt nicht, wie er ihn ersetzen soll.

Peeling im Unterricht

Axel Franke wechselt bei so viel Lob rasch das Thema, und erzählt von der AG zur Kosmetik. Die Schüler haben Hautlotionen, Sonnenmilch und Parfüm selbst hergestellt, zum Abschluss gab’s einen Schönheitstag. „Kennen Sie wen, der ein Peeling braucht?“, fragt Franke. „Ganz einfach, kostet nichts: Ein paar Tropfen Olivenöl, ein paar Zuckerkristalle. Die Haut wird weich wie ein Babypopo.“

Von Bert Strebe

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