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Der Norden Zaun an der deutsch-dänischen Grenze: „Ein Symbol der Trennung“
Nachrichten Der Norden Zaun an der deutsch-dänischen Grenze: „Ein Symbol der Trennung“
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00:19 20.03.2019
Sven Nicolaysen-Dlubatz mit seinen Jagdhunden am Zaun: Die alte Grenze ist plötzlich wieder da. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Flensburg

Unversehens gelangt man auf dem kleinen Grenzweg in Ellund, nördlich von Flensburg, auf dänisches Gebiet. Ein Schild weist nach Padborg in Dänemark, am Wegrand stehen einzelne Gehöfte. Sind sie noch deutsch oder schon dänisch? „Henrik Hansen“ steht auf einem Klingelschild. Der Mann, der öffnet, ist groß und kräftig, er lächelt freundlich. „Däne“, sagt er. „Mein Haus steht in Dänemark, aber der Weg hier, der ist schon deutsch. Und meine Scheune da drüben“, er weist auf die andere Seite, „ist auch deutsch.“

Alles offen, alles frei. Keine sichtbare Grenze. Doch damit soll es nach dem Willen der dänischen Regierung bald vorbei sein. Seit Anfang des Jahres bauen die Dänen einen Zaun – angeblich nur gegen Wildschweine, doch die Barriere soll an der gesamten Grenze verlaufen: massive Metallstäbe, 1,50 Meter hoch und 50 Zentimeter tief in der Erde. „Der Zaun soll genau um mein Haus führen“, hat Hansen erfahren. Ein roter Wimpel am Graben zeigt, wo es losgeht. „Furchtbar“, findet der Landwirt. „Es wird sein wie im Gefängnis.“

Gefragt worden sei er nicht. Die betroffenen Grundbesitzer würden enteignet, sagt er. „Es geht um einen Streifen von einem Meter Breite, der für den Zaunbau benötigt wird.“ Das sind auf Hansens Land zusammen knapp drei Hektar. Sicher, es werde eine Entschädigung geben. Wie viel? Darüber verhandelt der Landwirt noch. Er müsse auch unterschreiben, dass in fünf Metern Abstand vom Zaun Wartungs- und Kontrollarbeiten durchgeführt werden dürften. Hansen gefällt das gar nicht. Er hat Land auf deutscher und dänischer Seite – sein Anwesen wird durchschnitten, die Bewirtschaftung erschwert.

Zu niedrig für die Schweine

Er sei hier groß geworden zu der Zeit, als die Grenze bewacht wurde. Hansen weiß noch, wo die Häuschen der Grenzer standen, die am Weg regelmäßig patrouillierten. Sein Vater sei mehrfach verhaftet worden, weil er den Ausweis nicht dabeihatte. „Unsere deutschen Arbeiter mussten in der Scheune essen, sie durften nicht zu uns ins Haus.“ All das wünscht Hansen sich nicht zurück. Der Zaun weckt ungute Erinnerungen. „Ein Symbol der Trennung. Ein Rückschritt.“

So wird es auch im deutschen Ellund gesehen, einem Ortsteil der Gemeinde Handewitt im Kreis Schleswig-Flensburg. Im „Drugstore Ellund“, einem Imbiss, stehen Jan Nissen (58) und Uwe Ingwersen (61), vor sich eine Portion Pommes, und blicken nachdenklich aus dem Fenster, auf das der Regen klatscht. Nissen hat ein Video auf dem Handy, das zeigt, wie ein Wildschwein eine 1,50 Meter hohe Hecke überspringt. „Das schaffen die locker.“ Der Zaun sei ein Witz. „Geld verbrennen ist das, sonst nichts.“ Das Damwild, das beiderseits der Grenze lebe, werde nicht mehr wechseln können, befürchtet er.

Der Zaun: 70 Kilometer lang, 10 Millionen Euro teuer

Der Zaun an der deutsch-dänischen Grenze wird insgesamt 70 Kilometer lang. Die Elemente sind ab Erdoberfläche 1,50 Meter hoch und reichen 50 Zentimeter tief in die Erde. Die Dänen hoffen, dass die Barriere Wildschweine daran hindert, von Schleswig-Holstein aus über die Grenze zu wandern, damit die Afrikanische Schweinepest nicht ins Land gelangt. Für Kleintiere werden Löcher eingelassen. Insgesamt lassen die Dänen sich das Projekt rund 10 Millionen Euro kosten.

In mehr als 3000 dänischen Betrieben werden rund zwölf Millionen Schweine gehalten, Ferkel nicht eingerechnet. Sollte der Erreger der Schweinepest auf dänische Bestände übergreifen, müssten sofort alle Ausfuhren in Staaten außerhalb der EU gestoppt werden. Exporteinnahmen im Wert von rund 4 Milliarden Euro (davon 1,5 Milliarden außerhalb der EU) pro Jahr drohten wegzufallen, warnt das dänische Umwelt- und Lebensmittelministerium.

Die Übertragung der Schweinepest geschieht laut Friedrich-Löffler Institut nicht nur durch direkten Kontakt von Tier zu Tier. Auch über Speiseabfälle wie achtlos weggeworfene Wurstbrote oder indirekte Übertragungswege (Fahrzeuge, kontaminierte Ausrüstungsgegenstände einschließlich Jagdausrüstung, Kleidung) kann der Erreger weitergetragen werden. Die stark infizierten Gebiete liegen in Osteuropa. Deutschland ist bislang schweinepestfrei, die Ausbreitung gilt jedoch als wahrscheinlich. Für den Menschen ist die Krankheit ungefährlich.

Wirtin Christa Doppeck (64) räumt die leeren Teller ab. Von dem Zaun bekomme sie nichts mit, bemerkt sie schulterzuckend. „Ab und zu unterhält einer sich drüber.“ Dänen kämen kaum zu ihr in den Imbiss. Trotz hausgemachter Frikadellen und Coffee to go, die auf einem handgeschriebenen Schild auf dem Parkplatz angepriesen werden.

Auch Anwohnerin Gertrud Werner (72) aus Ellund-West ist „nicht so“ für den Zaun. „Der verschandelt die Gegend“, ist ihre Meinung – und nutzlos sei er auch. „Hier gibt es doch fast gar keine Wildschweine.“ Im Herbst, wenn sie und ihr Mann im Grenzwald Pilze suchen, wie jedes Jahr, werde sie der Zaun stören.

Handewitts Bürgermeister Thomas Rasmussen (53) teilt diese Haltung. „Die Wirksamkeit des Zauns gegen die Afrikanische Schweinepest ist zweifelhaft.“ Es gebe zu viele Durchlässe; an Wegen, Straßen und Eisenbahnschienen könnten auch Sauen problemlos auf die dänische Seite wechseln. Vorigen Sommer, nachdem die dänische Umweltbehörde den Zaunbau genehmigte, hätten die Bürger von Handewitt eine Resolution dagegen verabschiedet. Vor allem, weil der Zaun für Abschottung stehe, für Separation. „So etwas kennen wir hier im Grenzland eigentlich schon lange nicht mehr.“ Seit Jahrzehnten lebe man mit einer offenen Grenze. Es gebe Kooperationen der Feuerwehren, man helfe sich bei Einsätzen.

Geht es in Wirklichkeit um Flüchtlinge?

An der Zaunbaustelle bei Jardelund steht Sven Nicolaysen-Dlubatz (60) mit seinen zwei Jagdhunden und sieht zu, wie orangegekleidete Arbeiter die Zaunteile verschrauben und mit Baggern Erde aufschütten. Wo die Straße über den ehemaligen Grenzkontrollposten von Jardelund nach Sofiedal in Dänemark führt, ist der Zaun unterbrochen. „Wildschweine kommen hier genauso durch wie eventuell Flüchtlinge“, stellt der Jäger fest. Dass der Zaun in Wirklichkeit Flüchtlinge aufhalten solle, werde immer wieder diskutiert. Aber wer den Zaun sehe, der könne beides nicht mehr ernsthaft behaupten. So wenig der Zaun gegen irgendetwas helfe, so sehr störe er doch. „Das macht was in den Köpfen.“ Die alte Grenze sei plötzlich wieder da.

Bis November solle alles fertig sein, verrät ein Arbeiter, der seinen Namen nicht nennen will. Er verschraubt die Zaunelemente mit Metallklammern. „50 000 Stück davon muss ich setzen. “ Nur vier Arbeiter seien beschäftigt, von unterschiedlichen Firmen. Bis an die Nordsee soll der Zaun führen.

Auch dort, im Rickelsbüller Koog bei Rodenäs, sind schon 1800 Meter Schweinezaun errichtet. Wolfgang Stapelfeld (57), Vorsitzender des Kreisbauernverbands Südtondern in Nordfriesland, hat es sich angesehen. Er habe Verständnis für Dänemark, wo es gelte, große Schweinemastanlagen zu schützen. Die Dänen exportierten nach Asien, unter anderem nach China, diese Märkte seien sehr sensibel. „Die Dänen wollen ein Signal setzen, dass sie etwas tun.“ Dennoch sehe er das Bauwerk, das auf die Initiative der dänischen Rechtspopulisten von Dansk Folkeparti zurückgehe, kritisch. „Als Bewohner der Grenzregion gefällt uns die Symbolkraft des Zaunes nicht.“

Das Land kann nur beobachten

Naturschützer lehnen den Zaun ebenso ab, bestätigt Fritz Laß (75) von der Umweltorganisation BUND in Schleswig. Die Barriere bringe die Lebensgewohnheiten der Wildtiere durcheinander, weil sie ihre Reviere durchschneide.

Auch die Kieler Landesregierung kann das Geschehen nur beobachten. Über Einzelheiten des Zaunbaus, wie etwa beteiligte Firmen, sei man nicht informiert, sagt Joschka Touré, Sprecher des Umweltministeriums. „An der Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit eines Zauns zwischen Dänemark und Schleswig-Holstein haben wir erhebliche Zweifel“, erklärt Minister Jan-Philipp Albrecht (Grüne). Das Schweinegrippenvirus breite sich vor allem über Menschen aus: durch Tiertransporte, Jagdreisen, infizierte Lebensmittel. Es könne so auch weiterhin in die dänische Wildschweinpopulation gelangen. In Schleswig-Holstein würden Zäune vorgehalten, um im Falle eines Ausbruchs einzelne Gebiete einzugrenzen, in denen der Wildschweinbestand getilgt werden müsse. „Prophylaktisch werden wir das jedoch nicht tun“, sagt Albrecht.

Von Marcus Stöcklin

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