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Der Norden Im Labor ist immer Tea-Time
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00:15 12.12.2016
„Es geht nie um persönliche Empfindungen“: Stefan Feldbusch testet bis zu 300 Tees täglich. Quelle: Irving Villegas
Seevetal

Wenn sich Stefan Feldbusch in sein Probierzimmer zurückzieht, bleiben alle guten Manieren draußen. Das dunkelblaue Jackett muss einer weißen Schürze weichen und ruht nachlässig auf einem Hocker. Mit einem geräuschvollen Schlürfen saugt Feldbusch Schwarztee von einem Esslöffel - um kurz darauf in einen großen Napf auszuspucken. Der 53-Jährige arbeitet sich Teetasse für Teetasse den weißen Tresen entlang, er schlürft und schmatzt und spuckt. Immer wieder. Nach nicht einmal fünf Minuten hat er knapp 30 Tees probiert: grünen Tee aus Malawi, schwarzen Tee aus Kenia, Tee aus Indonesien und verschiedene Mischungen. Bis zu 300 Tassen können es täglich werden.

Feldbusch ist einer von nur 20 Teetestern in Deutschland. Für die Ostfriesische Teegesellschaft in Seevetal entscheiden er und seine zwei Kollegen, was große Hersteller wie Meßmer in ihre Beutel verpacken, ob eine Mischung eine herbe oder fruchtige Note bekommt und ob Farbe und Geschmack einer Lieferung aus Zentralafrika passend sind.

Nur 20 Teetester gibt es in Deutschland - Feldbusch ist einer von ihnen. Quelle: Irving Villegas

Bevor es ans Schlürfen geht, reiht Feldbusch fast feierlich 30 genormte weiße Porzellantassen nebeneinander auf. Mit geschickten Gesten schöpft er den losen Tee in die kupfernen Schalen einer alten Handwaage. Pro Tasse werden exakt 2,86 Gramm abgewogen - das Gewicht eines britischen 6-Pence-Stücks. Seit Jahrhunderten folge man diesem Einheitsmaß. Weil nirgendwo in der Ostfriesischen Teegesellschaft mehr ein Pence-Stück zu finden ist, muss ein angebohrtes 2-Pfennig-Stück als Gegengewicht herhalten.

Ist der Tee harsch, ist er pelzig?

300 Liter im Jahr

Wenn es ums Teetrinken geht, sind die Norddeutschen Weltmeister. 300 Liter Tee trinkt jeder Ostfriese durchschnittlich pro Jahr. Der gesamtdeutsche Durchschnitt liegt bei nur 28 Litern. Mit ihrer Liebe zum dampfenden süßen Schwarztee liegen die Ostfriesen noch vor der Türkei. Dort werden im Jahr etwa 283 Liter getrunken, gefolgt von Afghanistan mit 279 Litern und Libyen mit 275 Litern.
Bei den Teesorten liegen Kräuter- und Früchtetee deutschlandweit vorne. Knapp 39 000 Tonnen davon werden hierzulande im Jahr aufgebrüht. Schwarzer Tee liegt mit 13 000 Tonnen auf Platz zwei. Am liebsten wird der Tee im praktischen Teebeutel aufgegossen. Schätzungen gehen weltweit von 200 Milliarden produzierten Teebeuteln aus.

Wenn das Wasser kocht, muss es schnell gehen. Mit dem dampfenden Kessel zieht der Teetester zügig am Tresen entlang und füllt die Tassen bis zum Rand. Fünf Minuten später wabert herber Teegeruch durch den Raum. Der Esslöffel taucht in die dunkelbraunen, blassgelben und orangenen Tees ein und verschwindet unter lautem Schlürfen in Feldbuschs Mund, das soll den Geschmack intensiver machen, sagt er.

Ein kupferner Spucknapf, der Spitoon, ist während der Verkostung Feldbuschs treuer Begleiter. Gespuckt wird aus praktischen Gründen: „So viel Tee wie wir verkosten, könnten wir gar nicht trinken.“

Auch die Farbe und Beschaffenheit der aufgegossenen Teeblätter begutachtet der Geschmacksexperte: „Je heller der Tee, desto besser“, lautet die Faustformel. Dunklere Infusionen haben zu viel Hitze abbekommen. Die blassorangene Flüssigkeit in Tasse Nummer 12 - ein Grüntee aus Malawi - bedenkt Feldbusch nur mit einem Stirnrunzeln: „Das schmeckt, wie ein verschimmelter Keller riecht.“

Bis der Mann mit den akkurat frisierten grauen Haaren dampfende Tees als „blumig“, „harsch“, „pelzig“ und „holzig“ klassifizieren konnte, trainierte er sieben Jahre lang. Wie in einer Datenbank hat er sämtliche Geschmacksnuancen in seinem Kopf abgespeichert - denn sein Urteil muss professionell sein. „Es geht nie um mein persönliches Empfinden“, sagt Feldbusch. Deshalb teste man immer im Team. Nur wenn alle Verkoster mit einem Tee einverstanden seien, werde er gekauft.

Für den Teetrinker soll es immer gleich schmecken. Deswegen wird auch mal gemischt. Quelle: Irving Villegas

Das Schlimmste, was dem Tester passieren könne, sei eine Erkältung. Hunderte Teesorten kann Feldbusch, der die Ware nicht nur verkostet, sondern auch für den Handel zuständig ist, mittlerweile auseinanderhalten. Er hat sie begleitet von den Plantagen in den Ursprungsländern bis zu den Beuteln in der Faltschachtel. Ein Teil von ihnen füllt die silbernen Boxen, die sich in den Regalen im Probierzimmer drängen - die zerkleinerten Teeblätter kommen aus Südindien, Indonesien, Malawi und China. „Der Tee im Beutel ist häufig eine Mischung aus vielen Ländern“, erklärt Feldbusch. Weil die Ernte nicht immer gleich ausfällt, Tee aber immer gleich schmecken soll, wird gemischt - die Geschmacksnerven der Experten erkennen „Kenia in Verbindung mit Indonesien“.

Nur Brennnessel geht gar nicht

Während in einem Raum an Grün- und Schwarztees genippt wird, unterziehen die Tester im Raum gegenüber Kräuter- und Früchtetees ihrem kritischen Urteil. Ein bis zwei Stunden verbringen die Geschmacksexperten täglich im wabernden Teedunst. „Wir kaufen nur Tee, der auch hier getestet wurde“, erklärt Feldbusch - in neutraler Atmosphäre mit gleichmäßigem Licht. Einmal sei er in einem Teeprobierzimmer in Indien gewesen. Mit Blick auf den mächtigen Himalaya schmeckte der Tee ganz besonders gut. Vor Feldbuschs Fenster reihen sich dagegen Autos auf dem Parkplatz aneinander.

Trotzdem gibt es für den Tester keinen schöneren Ort als seine Probierstube. „In keinem anderen Beruf hat man mehr mit der Ware zu tun“, erläutert er. Bei Brennnessel-Tee überkommt den 53-Jährigen allerdings ein Schauer. Das erinnert ihn an sein Aquarium aus der Kindheit. „Und ich habe sofort den Geschmack von Algen im Mund.“

Von Linda Tonn

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