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Anderten

100 Kündigungen durch Schließung von Pelikan-Lager

Von Lars Ruzic

Die Übernahme von Herlitz durch Pelikan kostet Arbeitsplätze in Hannover. Der Logistikkonzern Hüttemann muss sein Lager in Anderten schließen, weil Pelikan als Hauptkunde abgesprungen ist.

Das hannoversche Traditionshaus hat mit Herlitz einen hochmodernen Logistikstandort in Falkensee bei Berlin übernommen, der künftig auch für Pelikan arbeiten wird. Auf sein Stammlager in Anderten, das seit 1997 von Hüttemann gemanagt wird, ist der Konzern damit nicht mehr angewiesen. Mehr als 100 Beschäftigte, im Schnitt älter als 50 Jahre, stehen vor der Kündigung.

„Für die Mitarbeiter ist das besonders tragisch“, räumt Hüttemann-Geschäftsführer Andreas Peter ein. Viele der Beschäftigten hätten fast ihr gesamtes Arbeitsleben im Dienst von Pelikan verbracht. Spätestens Ende Juni 2010, wenn der aktuelle Auftrag ausläuft, müssten sie gehen. „Wir werden unsere Aufgabe bis zum letzten Tag erfüllen“, so Peter. Aufgrund ihrer langen Betriebszugehörigkeit muss den Mitarbeitern spätestens im Dezember gekündigt werden. Die Verhandlungen über den Sozialplan sind bereits vor der Einigungsstelle gelandet. Sie vertagte sich gestern ohne Ergebnis.

Für Vera Ackermann von der IG Bergbau, Chemie, Energie „schließt sich nun der Kreis“. Lange habe der Schreibgerätekonzern seinen Logistiker darüber im Dunkeln gelassen, wie er seine Warenströme ohne Anderten organisieren wolle. Hüttemann warf die Gewerkschafterin vor, sich in den vergangenen Jahren nicht ausreichend um neue Kunden bemüht zu haben. Pelikan macht noch heute 85 Prozent des Geschäfts aus. Was aus der Immobilie wird, ist unklar. Sie gehört der SEB, Pelikan ist Mieter, Hüttemann Untermieter.

Der malaysische Inhaber von Pelikan, Loo Hooi Keat, ließ indes keinen Zweifel daran, welche wichtige Rolle das Herlitz-Logistikzentrum in Falkensee bei der Übernahme spielt. „Wir glauben, dass die Gruppe erhebliche Vorteile mit diesem Lager erzielen kann, da die Logistikabläufe in Europa erheblich verbessert werden können“, lässt er sich in einer Pressemitteilung zitieren. Der 40 Hektar große Standort arbeitet auch für Fremdkunden wie Lebensmittelketten, Kaufhäuser oder Katalogversender.

Der malaysische Mutterkonzern von Pelikan hatte Ende vergangene Woche die Übernahme von zwei Dritteln der Herlitz-Anteile angekündigt. Das Aktienpaket wurde für 45 Millionen Euro von Finanzinvestoren übernommen. An den restlichen Anteilen, die breit gestreut sind, hat man offenbar wenig Interesse. Den Kleinaktionären wurde für die Übernahme lediglich der gesetzlich vorgeschriebene Mindestpreis geboten.

Unter dem Dach der malaysischen Holding soll Herlitz die dritte Säule neben Pelikan und Geha bilden. Insgesamt kommt der Konzern künftig auf gut 5000 Mitarbeiter und 600 Millionen Euro Umsatz. Von Hannover aus, wo Pelikan 1838 gegründet wurde, werden heute noch das Deutschland- und Teile des Europageschäfts gesteuert. Am Lister Yachthafen arbeiten rund 200 Beschäftigte. Wie Pelikan künftig die Verwaltungen zusammenführt, ist noch unklar. Der Büro- und Schreibgerätespezialist macht jedoch keinen Hehl daraus, dass es Überschneidungen gibt und man gedenke, Synergien zu heben.

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