Gelbe und braune Lindenblätter liegen verstreut auf dem Radweg und stapeln sich zwischen der Bordsteinkante und den Reifen der geparkten Autos. In mehreren Lagen pappt das vom Regen aufgeweichte Laub aneinander. Straßenreiniger Oliver Lächelt schiebt die Blätter mit einem Besen am Auto vorbei auf die Straße.
Wenige Augenblicke später fliegen auch die letzten Blätter mit lautem Getöse durch die Luft. Stanislaw Dobosz pustet sie mit einem sogenannten Laubblasgerät auf die Straße. Die beiden Straßenreiniger arbeiten für die Abfallwirtschaft Region Hannover (aha). Mit Unterstützung von zwei Kehrmaschinen entfernen sie an diesem Vormittag das Laub im Laher Kirchweg in Bothfeld von der Straße.
Ihr Einsatz ist notwendig, weil die Stadt Hannover ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen muss. „Denn überall dort, wo Laub mit Nässe in Verbindung kommt, besteht eine erhöhte Rutschgefahr, genauso wie auf Eis“, erklärt Julia Panten, Sprecherin der Polizei Hannover. Wie viele Unfälle etwa durch Rutschen auf nassem Laub verursacht worden seien, kann die Polizei nicht sagen. Darüber werde keine Statistik geführt. Nicht nur von Straßen und Wegen, auch von vielen Rasenflächen muss das Laub entfernt werden, weil es sonst modern und schimmeln würde, wie Regina Raukuttis, Leiterin des Fachbereichs Umwelt und Stadtgrün, erklärt.
Insgesamt 250 Mitarbeiter sind von morgens um sechs bis nachmittags um drei Uhr für aha im Einsatz, um die Straßen und Radwege in Hannover vom Laub zu befreien. Dabei kommen nicht nur 220 Besen und 50 Laubbläser zum Einsatz, sondern auch 40 Kehrmaschinen und fünf kleinere Laubsaugfahrzeuge. Zum Aufnehmen großer Mengen Laub werden außerdem zwei Sperrmüllfahrzeuge mit Saugern ausgestattet. „Die können schnell größere Mengen an Blättern aufnehmen“, erklärt Stefan Altmeyer, Sprecher von aha. Außerdem setzt die Stadt 60 Mitarbeiter ein, um Laub von Grünflächen zu entfernen.
Inzwischen liegen neben den parkenden Autos in Bothfeld acht kleine Blätterhaufen auf der Straße. Die Männer mit Besen und Laubbläser sind schon weitergezogen, als die Straßenkehrmaschine vor den parkenden Autos hält. Horst Lamm steuert die 170 PS starke Maschine, er sitzt hinter dem Lenkrad auf der rechten Seite. Mit einem lauten Zischen setzt er das Fahrzeug in Bewegung. Mit der linken Hand drückt er auf einem Schaltpult einen Knopf, mit dem rechten Handballen lenkt er. Die Stahlborsten der Bürste scharren über den Asphalt, gleichzeitig blickt Horst Lamm konzentriert in die Spiegel auf seiner Seite. Während die Kehrmaschine langsam an den Autos entlangrollt, drückt Lamm immer wieder mehrere Knöpfe. „Damit kann ich die Bürste heben und senken und den Laubkorb aufklappen, wenn ich größere Mengen auf einmal aufnehme“, erklärt der Fahrer, der seit 20 Jahren bei aha arbeitet. „An meinem ersten Tag bin ich natürlich nicht so ruhig gefahren“, erzählt er, als er fünf Zentimeter an einem parkenden Wohnmobil vorbeifährt.Das schwere Gefährt schaukelt, als es über einen Gully fährt. Viermal hat Lamm an diesem Vormittag bereits seine Kehrmaschine ausgeleert. „Wenn das Laub nass ist, saugt die Maschine auch viel Wasser auf, und der Behälter ist schneller voll“, sagt er.
Rund 100 000 Bäume wachsen im hannoverschen Stadtgebiet an Straßen, in Parks und auf Friedhöfen, es sind vor allem Linden, Eichen, Robinien, Platanen und Ahornbäume. Von Anfang Oktober bis Mitte Dezember sind die Mitarbeiter von aha und der Stadt mit der Entsorgung der Blätter beschäftigt. Allein aha bringt es in einem Jahr auf 1500 Tonnen Laub, die bei der Deponie in Lahe kompostiert werden. Von den öffentlichen Grünanlagen kommen noch einmal 2000 Tonnen und von den städtischen Friedhöfen etwa 1500 Tonnen Laub dazu, sodass sich eine Gesamtsumme von 5000 Tonnen Laub für die Stadt Hannover ergibt.
In diesem Jahr mussten die Mitarbeiter von der Stadt und von aha bereits im Spätsommer das erste Laub entfernen, weil einige Baumarten wegen der lang anhaltenden Trockenheit schon im September viele Blätter verloren hatten.
Die Straßenreiniger von aha kehren nach einer Dreiviertelstunde wieder an den Anfang ihrer Tour im Laher Kirchweg zurück. Nach einer kurzen Pause geht es weiter in eine andere Straße. „Wir versuchen, immer erst die Straßen zu reinigen, die von besonders vielen Auto- oder Radfahrern benutzt werden“, erklärt aha-Sprecher Altmeyer. Außerdem bemühten sich die Leiter der aha-Betriebsstätten, die Touren so zu planen, dass man zuerst in Misch- oder Industriegebieten und später in Wohngebieten arbeite, damit sich Anwohner möglichst wenig gestört fühlten. „Innerhalb eines Jahres gibt es bei aha etwa 15 Beschwerden wegen Lärms“, sagt Altmeyer. Allerdings arbeite aha mit lärmreduzierten Laubblasgeräten. Ohne den Einsatz der bis zu 100 Dezibel lauten Maschinen würde es laut einer Modellrechnung von aha zu Mehrkosten in Höhe von einer Million Euro kommen.
Von Georg Thomas
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