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Schockierendes Geständnis

Angesehener Jesuit gesteht sexuelle Übergriffe in Hannover

Von Simon Benne

Ein schockierendes Geständnis: Der angesehene Jesuit Bernhard E. gesteht sexuelle Übergriffe in Hannover und erstattet Selbstanzeige.
Auch an dieser Jesutienschule in Hamburg sollen Schüler von einem Pater missbraucht worden sein.

Auch an dieser Jesutienschule in Hamburg sollen Schüler von einem Pater missbraucht worden sein.

© dpa

Sein Fall könnte nicht tiefer sein. Mehr als 20 Jahre lang leitete Jesuitenpater Bernhard E. das von ihm begründete und hoch angesehene Hilfswerk „Ärzte für die Dritte Welt“. Der Träger mehrerer Ehrendoktortitel gewann Prominente wie den früheren Bundesbankchef Hans Tietmeyer und „Tatort“-Kommissarin Maria Furtwängler für das Kuratorium. Er begleitete 1993 Bundeskanzler Helmut Kohl auf Staatsbesuch in Indien, und der frühere Außenminister Joschka Fischer lobte E.’s Hilfswerk als „genial“.

Jetzt hat der 70-Jährige, der heute in Frankfurt am Main lebt, sexuelle Übergriffe während seiner Zeit als Jugendseelsorger in Hannover 1971 bis 1975 gestanden und Selbstanzeige erstattet. „Es tut mir außerordentlich leid, was anderen durch mich geschehen ist“, sagte er am Mittwoch im Telefongespräch. „Ich bitte die Betroffenen in Hannover um Verzeihung.“ Zu Details wollte er sich nicht äußern. Unterdessen hat auch ein früherer Schüler der St.-Ansgar-Schule in Hamburg, wo Bernhard E. ebenfalls als Lehrer arbeitete, Missbrauchsvorwürfe gegen ihn erhoben: Er soll Jungen während eines Zeltlagers Pornohefte gezeigt haben.

„Die katholische Kirche in Hannover ist erschüttert“, erklärte Propst Martin Tenge gestern. Auch Bischof Norbert Trelle reagierte „mit Scham und Empörung“ und drückte den Opfern sein Mitgefühl aus, warnte jedoch zugleich vor einer Verurteilung des gesamten Priesterstandes. Kurz zuvor waren bereits sexuelle Übergriffe von zwei Jesuiten aus Berlin öffentlich geworden, von denen einer zeitweise auch in der hannoverschen St.-Maximilian-Kolbe-Gemeinde in Mühlenberg gearbeitet hatte. Im Fall Bernhard E.’s seien dem Bistum bislang keine Anschuldigungen bekannt gewesen, erklärte Domkapitular Heinz-Günter Bongartz am Mittwoch.

Bernhard E., der 1968 zum Priester geweiht wurde, war Anfang der siebziger Jahre in Hannover unter jungen Katholiken außerordentlich beliebt. Der Jugendseelsorger galt als engagiert und dynamisch, er organisierte Freizeiten und Fahrten nach Leipzig oder Berlin. Im Keller des Friedrich-Spee-Hauses an der Hildesheimer Straße, wo heute die Katholische Studierende Jugend (KSJ) ihr Domizil hat, organisierte er Tischtennisturniere und Theaterinszenierungen. „Montags waren seine Jugendmessen in der Herz-Jesu-Kapelle immer voll“, sagt ein Mann, der sich damals in der von Bernhard E. geleiteten Jugendgruppe der „Gemeinschaft Christliches Leben“ engagierte.

„Er war ein Machertyp, seine Jugendgruppe hatte enormen Zulauf“, sagt ein anderer. „Teils waren die Pfarrer nicht gut auf ihn zu sprechen, weil er Jugendliche anzog, die dann in den Gemeinden fehlten.“ Außerdem arbeitete Bernhard E. auch als Religionslehrer an der Bismarck- und an der Tellkampfschule. „Er hat für uns damals ein modernes Kirchenbild verkörpert“, sagt ein früherer Schüler, „er stand für die Aufbrüche nach dem Konzil.“ Von sexuellen Übergriffen hätte niemand etwas geahnt.

Allerdings hat es schon vor Jahren eine Anzeige eines Opfers gegeben. Darauf hatte Bernhard E. im Juni 2006 die Leitung von „Ärzte für die Dritte Welt“ abgeben müssen. Wie gestern auf der Homepage des Hilfswerks zu lesen war, ist er dort neuerdings nicht einmal mehr Mitglied.

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