Bei „Unser Star für Oslo“ trifft Jennifer Braun aus Eltville (links) auf Lena Meyer-Landrut aus Hannover.
Beide Kandidatinnen des Wettbewerbs "Unser Star für Oslo", dem Vorentscheid zum „Eurovision Song Contest“, sind 18 Jahre alt, beide gönnen sich gegenseitig den Sieg. Doch die Buchmacher sprechen eine deutliche Sprache: Schon vor dem Ausscheiden des vermeintlich schärfsten Konkurrenten von Lena, Christian Durstewitz, lag die Hannoveranerin vorn. Doch keine Wettquote gewinnt die Show, sondern nur die Anzahl der abgegebenen Stimmen.
Besonders die Hannoveraner zittern mit Lena beim Abstimmungskrimi mit. Musiker wie Mousse T., Marco Heggen von Marquess und Jens Eckhoff von Wir sind Helden wünschen ihr alles Gute. Selbst im Rathaus drückt Oberbürgermeister Stephan Weil die Daumen.
Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff wäre sogar zur Finalshow nach Köln gefahren, ist aber am Freitagabend in Hannover verabredet – er lädt zusammen mit Bundespräsident Horst Köhler zu einem Benefizkonzert für die Stiftung „Eine Chance für Kinder” mit der NDR-Radiophilharmonie in die Marktkirche ein. Daumen drücke er ihr trotzdem, bestätigte Wulff-Sprecher Olaf Glaeseker. Wulff schicke ihr sogar SMS und möchte sie zusammen mit der ausgeschiedenen Osnabrückerin Kerstin Freking nach der Show ins Gästehaus der Landesregierung einladen. „Lena Meyer-Landrut schafft es durch ihre ganz eigene Interpretation der Songs, dem Betrachter jedes Mal ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern. Was kann man sich als Künstler mehr wünschen?“, sagt Wulff, und spricht von „hochwertiger Musikkultur“. Von den Erfahrungen, die die 18-Jährige jetzt mache, werde sie ihr ganzes Leben profitieren. „Sie verkörpert: Bleibe du selbst.“
Damit es noch spannender wird, hat das Kölner Unternehmen Brainpool, das die Castingshow „Unser Star für Oslo“ für ARD und PRO 7 produziert, den Ablauf der TV-Sendung erneut verändert. So treten Lena und Jennifer am Abend gleich vier Mal gegeneinander an.
Der Grund dafür liegt im parallel laufenden „Liedercasting“ der Plattenfirma Universal Music in Berlin. Dort sind in den vergangenen Wochen etwa 5000 Kompositionen eingegangen, die von Produzenten ausgewertet wurden. Die drei besten Songs bekamen Lena und Jennifer direkt nach ihrem Finaleinzug am Dienstag als Vorlage. Die Zuschauer stimmen heute also nicht nur über die Gewinnerin des Wettbewerbs ab, sondern auch über den Song.
Zunächst werden Lena und Jennifer dabei jeweils alle drei Lieder singen. Dann sind die Zuschauer zum ersten Mal gefordert, denn sie stimmen per SMS oder Anruf für ihr Lieblingslied ab – jeweils für beide Kandidaten, die Telefonnummern werden erst in der Sendung bekannt gegeben. Kleine Überraschung für die Anrufer: Lena bedankt sich mit unterschiedlichen Tonbandansagen persönlich für jede Stimme. Mehrfache Stimmabgaben sind also durchaus erwünscht – zumal jeder Anruf Geld kostet.
Ist der passende Song für die Teilnehmerinnen bestimmt, geht es in die zweite Runde. Dann treten Lena und Jennifer noch einmal auf, und die Zuschauer bestimmen abschließend über die Gewinnerin, die am 29. Mai zum „Eurovision Song Contest“ nach Oslo fahren wird.
Und weil dieses Procedere nicht wirklich leicht zu verstehen ist, hat sich Initiator Stefan Raab gleich zwei prominente Miterklärer in die Jury geholt: Stefanie Kloß, Sängerin der Band Silbermond, und Xavier Naidoo, der während einer Abstimmungspause seinen Song „Ich brauche dich“ vorstellen möchte.
Fans und Freunde, die nicht nach Köln zum Finale fahren, können sich die Show an gleich fünf Orten in Hannover anschauen. Live-Übertragungen gibt es im Brauhaus Ernst August, Schmiedestraße 13, im „Bayern-Stadl“, Scholvinstraße 11, in der Bar „Anna Limma“ an der Leinaustraße 1, in Lenas Schule, der IGS Roderbruch, und im Kulturzentrum Faust, Zur Bettfedernfabrik 3.
Die ARD überträgt die Show ab 20.15 Uhr live.
Jan Sedelies