Hannover. Zur Begründung nannte er die hohe gesundheitliche Belastung, dies dieses Amt erfordere. Sie resultiere aus den Herausforderungen und Ansprüchen, die im Zuge tief greifender Umstrukturierungen unter dem Druck massiver finanzieller Einschnitte unausweichlich seien. „Ich merke, dass ich diese Kraft nicht habe“, sagte der 55-Jährige. Im vergangenen Jahr hatte er sich nach einem Bandscheibenvorfall einer Operation unterziehen müssen.
Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann und Martina Szagun, Superintendentin und Vorsitzende des Fachbereichsausschusses Diakonie und Beratung, bedauerten Joosts Schritt, äußerten aber auch Verständnis. „Die aktuellen Umwälzungen fordern von uns allen Belastung und Einsatz in einem außergewöhnlich großem Umfang. Die Gesundheit des Einzelnen darf dabei nicht dauerhaft zu Schaden kommen“, kommentierte Heinemann den Rücktritt.
Eine Schnellschussreaktion sei der Rücktritt vom Amt nicht gewesen, betont Joost, der verheiratet und Vater von zwei Kindern ist. Seit einigen Wochen habe er über diese Frage nachgedacht, das Ergebnis habe er seinen Vorgesetzten Anfang des Jahres mitgeteilt. „Für meine Kollegen ist es zwar ein sehr kurzfristiger Entschluss, aber es ist besser so, als wenn ich noch monatelang bliebe.“
Am 1. Januar 2008 hatte der 55-Jährige das Amt des Diakoniepastors als Nachfolger von Walter Lampe angetreten. Damit verbunden waren gleichzeitig die Leitung und Geschäftsführung des Diakonischen Werks des Stadtkirchenverbands sowie des Diakonischen Werks, Stadtverband Hannover, Garbsen und Seelze. „Mit diesem Amt waren nicht nur viele Aufgaben, sondern auch ein sehr hoher Erwartungsdruck verbunden“, sagt Joost. Seine nur vierjährige Amtszeit war geprägt von Mitgliederschwund, jahrelangen Spardebatten, Etatkürzungen und dem Zusammenlegen von Kirchengemeinden. Jetzt sollte es an die konkrete Umsetzung der gefassten Sparbeschlüsse gehen, „wichtige Prozesse, die intensiv begleitet werden müssen“, wie der Theologe sagt. Einen Nachfolger gibt es noch nicht. Joost will sich jetzt eine Auszeit nehmen und während ein sogenanntes Kontaktseminar belegen. „Es geht um die Wahrung meiner Gesundheit.“
Der gebürtige Braunschweiger war nach seinem Studium in Tübingen und Göttingen Gemeindepastor in Freiburg an der Elbe und wechselte 1990 in das Diakoniedezernat des Landeskirchenamtes. 1994 übernahm er die neu gegründete Paul-Gerhardt-Gemeinde in Sarstedt. 2005 wurde Joost Geschäftsführer der Diakonischen Altenhilfe in der Region Hildesheim und zugleich zum Personalvorstand des Diakonischen Werks Hildesheim-Sarstedt benannt.
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