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Streik im öffentlichen Dienst

Die kalten Gesichter des Warnstreiks

Draußen ist es kalt. Müde sitzt Busfahrer Frank Schäfer im Pausenraum des Busdepots Süd in Hannover. Pünktlich um 3.30 Uhr ist er zum Dienst gekommen, aber nicht um zu arbeiten. Denn Montag ist Warnstreik. Genau wie die meisten seiner Kollegen kämpft auch Schäfer für mehr Geld.
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Beschäftigte aus ganz Norddeutschland trafen sich am Montag zum Protest in Hannover.

Beschäftigte aus ganz Norddeutschland trafen sich am Montag zum Protest in Hannover.

© Decker

Seit 18 Jahren fährt er die Menschen durch Hannover, holt sie an den Haltestellen ab. Am Montag kommen sie zu ihm. Keine Kunden, dafür aber Reporter, die seine Meinung wissen wollen. Und die ist unmissverständlich: „Von dem Geld, was unsere Anfänger verdienen, kann niemand mehr leben. Ich habe so langsam das Gefühl, dass wir bald noch Geld mitbringen müssen.“ Angst vor Stellenstreichungen hat Schäfer nicht. „Fahrer werden immer gebraucht.“

In der Innenstadt von Hannover scheint die Lage angesichts des 24-stündigen Warnstreiks im öffentlichen Dienst am frühen Morgen weitgehend entspannt, erst am Vormittag gibt es lange Staus an den Haupteinfallstraßen. An den meisten Haltestellen zeigen elektronische Hinweisschilder unmissverständlich an, dass hier am Montag keine Bahn kommen wird. Auf einem Werbeschild steht „Zivilcourage hat viele Gesichter“ - doch dies wird niemand lesen, denn Warten ist hier absolut sinnlos. Was bleibt, ist die Fahrt mit dem eigenen Auto, mit dem Fahrrad oder der Fußmarsch. Gewinner des Streiks sind die Taxifahrer, an deren Ständen sich wie vor dem Bahnhof in Hannover lange Schlangen bilden.

Die Menschen am Hauptbahnhof und in den Fußgängerzonen geben sich überwiegend gelassen. „Wir wussten doch alle früh genug, dass heute nichts fahren wird“, sagt eine mit Schal und Mütze dick eingepackte Frau, die ihren Namen nicht nennen will. „Wer das erst heute Morgen erfahren hat, ist doch wirklich selbst schuld.“

Auch die meisten anderen Passanten reagieren gelassen auf die ungewohnte Verkehrssituation. „Sicherlich ist es ärgerlich, weil ich früher aufstehen musste“, sagt ein junger Mann namens Kai. Als Student habe er kein Auto und auch sein Fahrrad sei schon seit langem kaputt. „Ich finde, dass die Forderungen der Mitarbeiter ok sind“, betont Kai. Ohne den Warnstreik würde doch gar nichts passieren.

Natürlich gibt es auch kritische Stimmen. „Es kann doch nicht sein, dass ich heute Abend länger arbeiten muss, nur weil die da mehr Geld haben wollen“, schimpft Gerhard Meino. Er fuhr mit seinem Nachbarn in die Stadt, doch schon an der zweiten Kreuzung ging nichts mehr. „Stau soweit wir gucken konnten.“ Jetzt sei er über eine halbe Stunde zu spät und wegen der Verspätung habe sein Nachbar ihn nur am Bahnhof absetzen können. „Den Rest muss ich jetzt laufen, da verlier ich nochmals ne halbe Stunde.“

Verdi-Chef Frank Bsirske wirbt am Mittag bei eisigen Minustemperaturen auf dem Opernplatz in Hannover um Verständnis für die Situation der Beschäftigten in öffentlichen Dienst. „Lohnerhöhungen kurbeln die Wirtschaft besser an als Steuergeschenke für Hoteliers und reiche Erben“, ruft Bsirske und die mehr als 12.000 Zuhörer jubeln ihm zu. Die Forderung von fünf Prozent mehr Geld für die Beschäftigten ist für den Gewerkschaftschef völlig gerechtfertigt. „Die Gesellschaft braucht einen guten öffentlichen Dienst und die Beschäftigten Löhne, die der Preisentwicklung mithalten können.“ Die Kommunen müssten sich nicht gegen die Forderungen der Mitarbeiter wehren, sondern mit allen Kräften gegen die Steuerpläne der Bundesregierung. „Nur aus Berlin kann die finanzielle Hilfe für die Kommunen kommen.“

Während Bsirske bei der zentralen Kundgebung in Hannover mit markigen Worten Innenminister Thomas de Maizière (CDU) kritisiert, sitzt Frank Schäfer immer noch an seinem Platz im Busdepot. „Einer muss ja hier Wache halten“, sagt er. Hauptsache die Kollegen seien alle dabei - trotz Kälte. Dass der Warnstreik nicht überall gut ankommt, kann er verstehen: „Ein Streik tut immer weh.“ Trotzdem - oder gerade deshalb - sieht er keinen anderen Weg: „Gute Leistung muss sich lohnen - auch für uns.“

lni


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