Erstmals in der Geschichte des deutschen Fußballs wurde ein verstorbener Spieler mit einer Feier dieser Größenordnung gewürdigt. Robert Enkes Sarg war im Mittelkreis des Spielfeldes aufgebahrt worden und wurde schließlich von 96-Spielern aus dem Stadion getragen.
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) würdigte Enke als sportliches und menschliches Vorbild. Er sei ein bescheidener, stiller und zurückgenommenen Star gewesen. Enke sei bei allen sportlichen Erfolgen immer ein Mensch geblieben, der Geduld und Zeit für seine Fans hatte, sagte Wulff. Umso mehr erschüttere sein Tod, das lange Geheimhalten seiner schweren Krankheit. Der Öffentlichkeit hatte Enke nie von seinen Depressionen erzählt – aus Angst, dann als Versager zu gelten und seinen Beruf als Fußballer aufgeben zu müssen.
Der Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Theo Zwanziger, appellierte an die Eltern: „Wenn ihr daran denkt, ob eure Kinder einmal Nationalspieler werden können, denkt nicht nur an den Schein, denkt auch an das, was im Menschen ist, an Zweifel und an Schwächen.“ Zugleich könne der Fußball aber auch ein „starkes Stück Leben sein, wenn wir nicht nur wie Besessene den Höchstleistungen hinterherjagen – nicht um jeden Preis“.
Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) sagte, seit Dienstagabend verharre die Stadt in tiefer Trauer.Die Menschen seien „fassungslos, sprachlos und vor allem tieftraurig“. Aber es sei auch „warm“ – die Stadt sei „ganz eng zusammengerückt“. Der Präsident von Hannover 96, Martin Kind, betonte, nur ganz wenigen Menschen werde „eine derartige Anerkennung zuteil“ wie Enke.
Im Anschluss an die Trauerfeier wurde Enke im engen Familien- und Freundeskreis in Empede bei Hannover neben seiner Tochter Lara beigesetzt. Das Mädchen war 2006 im Alter von zwei Jahren an einem schweren Herzfehler gestorben. Vereinzelt gab es allerdings auch Kritik an der Form der Trauer in Hannover. Prof. Rolf Wernstedt, der Landesvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, monierte am gestrigen Volkstrauertag die „gewaltige Inszenierung“ der öffentlichen Trauer für den Fußballer, durch die „der Tod zur Ware wird“.
von Volker Wiedersheim, Simon Benne, Tatjana Riegler und Felix Harbart
SN-Online.de Anmeldung
