Herr Rudloff, Sie haben für den Investor des Kröpcke-Centers neue Mieter sowohl für den einstigen Heutelbeck-Standort als auch für andere Immobilien akquiriert. Wie schätzen Sie die Möglichkeit ein, die einstige Karstadt-Fläche bald neu zu beleben?
Zunächst einmal: Der Einzelhandel funktioniert gut in Hannover. Trotz der Konjunkturdelle ist es immerhin der achtbeste Standort bundesweit. Aber der Markt war auch schon lange nicht mehr so in Bewegung wie aktuell. Wir registrieren einerseits die Eröffnung der Ernst-August-Galerie, Verschönerungen wie an der Luisenstraße oder jetzt die hohe Investition im Kröpcke-Center. Und andererseits ist da das Sterben eingesessener Geschäfte wie in der Großen Packhofstraße. Der Niedergang von Erdmann oder die Entwicklung bei Karstadt zeigen ja: Die Konzepte waren in dieser Form nicht überlebensfähig. Das macht Neuansiedlungen schwierig, vor allem in der Größenordnung, wie sie dort jetzt nötig wären.
Eine Zeit lang kursierte die Knochentheorie: Um die Innenstadt lebendig zu halten, müsse als Gegengewicht zur Ernst-August-Galerie in der südlichen Innenstadt ein zweiter Magnet, etwa in Form eines weiteren großen Shopping-Centers auf der Fläche von Karstadt und dem benachbarten SinnLeffers, angesiedelt werden. Zwischen beiden Magneten könnten dann die Kunden flanieren.
Für so etwas benötigen Sie aber zugkräftige Mieter. Tatsächlich hatte ja sogar die ECE als Betreiberin der Ernst-August-Galerie darüber nachgedacht, so etwas am Standort Große Packhofstraße/Osterstraße zu realisieren. Das wäre gewissermaßen eine Ergänzung gewesen zu ihrem eigenen Angebot in der Galerie am Hauptbahnhof. Nur: Wenn Sie da wieder viele kleine Mietflächen installieren, dann schaffen Sie nichts Neues für Hannover. Und Mieter mit großen Flächen, die eine Magnetwirkung entfalten, wird es derzeit nicht ausgerechnet in dieses Quartier ziehen. Die Bereiche des Karstadt Heim- und Technikhauses und der einstige SinnLeffers-Standort werden derzeit als schwächste Einkaufslage der hannoverschen Innenstadt angesehen. Und es ist eben so, dass in der aktuellen Wirtschaftssituation überhaupt kein Drang besteht, sich in Hannover niederzulassen. Vor anderthalb Jahren wurden einem gute Flächen förmlich aus der Hand gerissen, das hat sich in diesem Jahr spürbar beruhigt.
Was sind dann die Perspektiven?
Das wird sich zeigen, sobald der Markt wieder anzieht. Es gibt ja durchaus Branchen, für die Hannover sehr interessant ist. In Fachkreisen hält man das Angebot des Buchhandels in der Innenstadt noch lange nicht für gesättigt. Und in der hochwertigen Herrenbekleidung hat Erdmann eine echte Lücke gerissen, die noch nicht mit zeitgemäßen Konzepten gefüllt ist. Insofern darf man fest damit rechnen, dass sich in absehbarer Zeit etwas bewegt.
Interview: Conrad von Meding
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