Hin mit dem Auto, zurück zu Fuß: Die Schüler Tabea, Patrick und Daniel (v. links).
Die Jacke ist dick und das Schuhwerk fest. Das muss es auch sein, denn der zwölfjährige Patrick, die elfjährige Tabea und der Freund der Geschwister, Daniel, 13 Jahre alt, haben am Streikmontag noch einen langen Weg vor sich: Am Nachmittag, wenn die Schule aus ist, müssen die drei von der Integrierten Gesamtschule Linden zurück nach Vahrenwald – zu Fuß. Vater Mark Oschetzki, der seine zwei Kinder und den befreundeten Klassenkameraden am Morgen noch zum Unterricht chauffiert hatte, muss arbeiten, und auch sonst konnte niemand für den Fahrdienst einspringen. Und so müssen die Schüler eben laufen, den Lindener Berg hinunter in Richtung Innenstadt und weiter nach Vahrenwald – rund fünf Kilometer. „Ach, das ist doch ganz lustig“, sagt Tabea und zuckt mit den Schultern. Für sie ist der Tag ohne Bus und Bahn auch irgendwie ein Abenteuer. Für den Vater ist es eher nervig: „Ich habe zwar Verständnis für den Streik, aber es ist ein großer Aufwand“, sagt der 37-Jährige. Die ganze Familie musste früher aufstehen und mit anderen Familien telefonieren, um den Streiktag zu organisieren. Als einzige Lösung blieb das Laufen.
Doch auch das war bei vereisten und spiegelglatten Straßen gestern nicht immer die beste Alternative: An etlichen Südstädter Schulen strömten die Schüler nach Unterrichtsende aus dem Gebäude – und viele rutschten bei der Hektik gleich auf dem Eis aus. „Bei uns sind wegen des Streiks auch mehr Schüler als sonst aufs Rad gestiegen – trotz des Wetters“, sagt Wilhelm Bredthauer, Leiter der Goetheschule in Herrenhausen. Fast alle Schüler seien zum Unterricht gekommen, berichtet der Schulleiter, lediglich in einer Klasse habe fast die Hälfte der Schüler gefehlt. „Aber da kommen viele von außerhalb.“ Michael Bax, Leiter der IGS Mühlenberg, betonte, die Schule würde bei Fehlstunden am Streiktag kulant reagieren, gerade bei den Witterungsverhältnissen. „Eine nachgereichte Entschuldigung ist okay.“ Doch nur wenige Schulbänke blieben in Mühlenberg unbesetzt.
Die Landesschulbehörde wies gestern darauf hin, dass trotz des Streiks Schulpflicht bestehe. „Zwar können Eltern eine Entschuldigung schreiben, aber auch die muss – wie sonst auch – hinreichend von der Schule geprüft werden“, sagt Susanne Strätz, Sprecherin der niedersächsischen Landesschulbehörde. Solange es nicht unzumutbar sei, könnten die Schüler nicht vom Unterricht fernbleiben.
Und so war vielen Familien am Streiktag noch mehr Organisationstalent abverlangt als sonst: Sie bildeten Fahrgemeinschaften oder versuchten, ihre Kinder nach der Schule unterzubringen, bis sie abgeholt werden konnten. Nicht nur die Schüler, auch einige Lehrer hatten Schwierigkeiten, zum Unterricht zu kommen: Randi Saak, Deutsch- und Politiklehrerin an der IGS Linden, nahm statt der Bahn das Taxi, um von Groß-Buchholz nach Linden zu kommen. „Jetzt habe ich für die Fahrt 25 Euro ausgeben müssen. Der Streik nervt, keine Frage“, sagt die Lehrerin.
sup