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Geruch nach Verwahrlosung

Hannover hat zu viele Schmuddelecken

Es riecht nach Verwahrlosung. Hannover hat zu viele Schmuddelecken: Geschäftsleute ärgern sich über den Fußgängertunnel zwischen Lister Meile und dem Raschplatz. Auch am ZOB regt sich Widerstand gegen die Vermüllung, und am Ihme-Zentrum sollen es Graffitisprayer richten.
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„Wer hier hindurch will, bekommt das Grausen“: Klaus Eberitzsch in dem unterirdischen Fußweg zwischen frisch gestaltetem Raschplatz und der Lister Meile. Dieses Tunnelstück wird in Kürze der letzte Abschnitt sein, der aussieht wie die alte Passerelle – und auch so riecht.

„Wer hier hindurch will, bekommt das Grausen“: Klaus Eberitzsch in dem unterirdischen Fußweg zwischen frisch gestaltetem Raschplatz und der Lister Meile. Dieses Tunnelstück wird in Kürze der letzte Abschnitt sein, der aussieht wie die alte Passerelle – und auch so riecht.

© Nico Herzog

Der Raschplatz ist richtig schick geworden. Doch wer von Hannovers Flanierzone Lister Meile dorthin gelangen und die langen Wartezeiten an den Ampeln des Cityrings vermeiden will, der muss sich weiterhin durch einen schmuddeligen Tunnel im fraglichen Charme der siebziger Jahre quälen. „Es ist eine Zumutung, wie diese Fußgängerunterführung aussieht“, sagt Klaus Eberitzsch, Sprecher der Meilenkaufleute: „Wir haben kein Verständnis dafür, dass der Bereich nicht zusammen mit dem Raschplatz saniert wurde.“

Eine Sanierung ist auch gar nicht mehr geplant. In Kürze wird dieser Abschnitt der letzte Teil der alten Passerelle sein, der übrig ist. Und er sieht nicht nur so aus – er riecht auch so.

Bei den Anliegern der Lister Meile wittert man gezielte Vernachlässigung des Tunnels, um ihn später mit Verweis auf die geringen Passantenfrequenzen schließen zu können. Denn die für den Tunnel zuständige Hannover Region Grundstücksgesellschaft (HRG) macht keinen Hehl daraus, dass sie den unterirdischen Weg am liebsten schon vor Jahren geschlossen hätte. Nur ein Ratsbeschluss konnte das damals verhindern. Seitdem gammelt der Weg vor sich hin. Es riecht nach Urin und Unrat, Wände und Schaufenster der einstigen Läden sind verschmiert. Die Rolltreppe, die vor dem Bredero-Hochhaus gegenüber vom Pavillon an die Oberfläche führt, ist schon länger kaputt. „Jetzt, wo der Raschplatz fertig ist, fällt der Kontrast noch stärker auf“, sagt Eberitzsch: „Wer da hindurch will, der bekommt das Grausen.“

Tatsächlich hatte die HRG 2007 nach dem Ratsvotum angekündigt, den unterirdischen Fußweg aufwendig sanieren zu wollen. Natursteinplatten, gepflegte Ladengeschäfte und tageslichtähnliche Beleuchtung sollten die bequeme Verbindung zwischen Lister Meile und Hauptbahnhof attraktiv machen. Aus den Plänen ist nichts geworden. „Wir finden keine Mieter für Geschäfte an diesem Weg“, sagt HRG-Geschäftsführer Thomas Heinemann. Ohne die soziale Kontrolle von Ladenbesitzern aber werde der Tunnel „immer eine Katastrophe“ sein: „Der wird 24 Stunden lang verunreinigt.“ Sein Vorschlag: Die Kaufleute der Lister Meile verpflichten sich, die Geschäfte im Tunnel zu mieten. „Dann werde ich mich dafür einsetzen, dass wir den Durchgang komplett sanieren.“

Eberitzsch hält diesen Vorschlag für „Unfug“. Die Stadt habe eine Verpflichtung, Wege in einem nutzbaren Zustand zu halten. Die HRG, eine Tochtergesellschaft von Sparkasse und Üstra, dürfe „sich nicht aus der Verantwortung stehlen“.

Tatsächlich nutzt inzwischen kaum noch ein Passant den unterirdischen Durchgang. Bei Zählungen im Jahr 2007 waren es noch einige Tausend täglich gewesen. Auch das waren aber nicht genug, um Filialgeschäfte wie in der übrigen Niki-Promenade anzusiedeln – die benötigen mindestens 10 000 Passanten täglich. Kaufmann Eberitzsch mag die Rechnung aber nicht nachvollziehen. „Früher waren da viele Geschäfte ansässig – die haben ausreichend Umsatz gemacht.“ Nur wegen der Umbauplanung und der technischen Verwahrlosung seien sie ausgezogen. „Ich bin mir sicher, dass sich dort sofort Ladenbetreiber finden, wenn das Umfeld stimmt.“

Bei der Üstra tut sich Sprecher Udo Iwannek schwer mit einer Stellungnahme. Man sei nur Minderheitsgesellschafter bei der HRG und habe daher keinen direkten Einfluss auf das Geschäft, sagt er. „Grundsätzlich haben wir aber natürlich ein großes Interesse daran, dass die Zugänge zu unseren U-Bahnsteigen in einem ordentlichen Zustand sind.“ Immerhin ist der Tunnel auch der kürzeste Weg von der Lister Meile und dem Kulturzentrum Pavillon zur U-Bahn-Station Hauptbahnhof.

Eberitzsch fürchtet eine Abwärtsspirale. „Wenn man Bereiche verwahrlosen lässt, hat das immer Auswirkungen auf das Umfeld.“ Er hat Ratspolitikern geschrieben und fordert, dass die Politik sich des Themas erneut annimmt. „Der Bereich hinterm Bahnhof darf nicht verwahrlosen.“

Schreiben Sie uns!

Kennen Sie auch Schandflecken in der Stadt? Wo ist Hannover dreckig, wo müsste häufiger gereinigt oder nach dem Rechten geschaut werden, wo sind Investitionen in Wege, Plätze, Tunnel oder andere Bauwerke nötig, um die Lebensqualität im Stadtgebiet zu erhöhen? Teilen Sie uns die verwahrlosten Ecken der Stadt mit – wir werden jede von Ihnen benannte Stelle begutachten. Schreiben Sie uns – per Brief an die HAZ-Lokalredaktion, Stichwort „Hannovers Schandflecken“, 30148 Hannover. Oder schicken Sie uns ein Fax an die Nummer (05 11) 5 18 28 73 oder eine E-Mail an hannover@haz.de.

Sie können sich auch im Leserkommentarbereich dazu äußern.

[Conrad von Meding]

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