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Brauerei

„Heißer Kandidat“ für Gilde-Kauf


Noch halten sich die Beteiligten bedeckt, aber die Anzeichen, dass ein Verkauf der Gilde Brauerei bevorsteht, verdichten sich. In der Bremer Deutschland-Zentrale des belgisch-brasilianischen Bierkonzerns InBev, der das älteste Unternehmen Hannovers 2003 geschluckt hatte, heißt es, man verhandele mit mehreren Interessenten.
Bald verkauft? Der Bierkonzern InBev will sich offenbar von der Gilde Brauerei in der Hildesheimer Straße trennen.

Bald verkauft? Der Bierkonzern InBev will sich offenbar von der Gilde Brauerei in der Hildesheimer Straße trennen.

© Michael Thomas

InBev strebe einen „schnellen Abschluss“ an, sagte ein Firmensprecher gestern. Für die nächste Woche ist ein Gespräch von Oberbürgermeister Stephan Weil mit der Bremer InBev-Führung anberaumt. Weil, der mehrfach die Informationspolitik von InBev kritisiert hat, hofft dann endlich Klarheit über den Stand der Verkaufsverhandlungen zu bekommen.

Das wünschen sich auch die noch von den einst 380 Beschäftigten übriggebliebenen 85 Gilde-Mitarbeiter, die um ihre Arbeitsplätze bangen. Denn die Gerüchteküche brodelt. In der Bierbranche wird vor allem die größte Brauerei in Brandenburg, die Frankfurter Brauhaus GmbH, als „heißer Kandidat“ für eine Übernahme der Gilde gehandelt. „Dieses Gerücht gibt es schon längere Zeit, allerdings können wir im Moment nicht bestätigen, dass es eine Konkretisierung gibt“, sagte Weil der HAZ. Das Unternehmen mit Sitz in Frankfurt/Oder produziert neben seiner Marke Frankfurter vor allem Handelsmarken für führende Discounter. Hervorgegangen ist das Frankfurter Brauhaus aus der Oderland-Brauerei, die nach der Wende vom Dortmunder Getränkekonzern Brau und Brunnen übernommen worden war und 2003 an die Berliner TCB-Beteiligungsgesellschaft weitergereicht wurde.

Auch die Gilde hat jahrelang zur Auslastung der Braukapazität von 1,8 Millionen Hektoliter an der Hildesheimer Straße Eigenmarken für Discounter produziert, allein für Lidl 1,2 Millionen Hektoliter der Marke Bergadler. Den Auftrag hat die Gilde seit Anfang vergangenen Jahres nicht mehr. Allerdings soll Bergadler im ersten Quartal dieses Jahres „im Auftrag des Frankfurter Brauhauses“ wieder bei der Gilde produziert worden sein, wie es in der Branche heißt. Das erkläre das große Interesse der Frankfurter an einem Gilde-Kauf. Offenbar seien sie auf der Suche nach Kapazitäten.

Für die Gilde, die vor der Übernahme durch InBev als eine der profitabelsten Brauereien in Deutschland galt, wäre ein Verkauf nach Ansicht von Branchenexperten allemal besser als eine drohende Schließung mit Verlust aller Arbeitsplätze. Allein sei die Brauerei mit ihren drei Marken Gilde Pilsener, Gilde Ratskeller und Lindener Spezial, deren Ausstoß auf nur noch rund 180 000 Hektoliter geschätzt wird, nicht überlebensfähig.

Als Knackpunkt in Verhandlungen mit potenziellen Käufern gelten die Preisvorstellungen bei InBev. Neben einem Konzept, das eine „Perspektive für den Standort Hannover und die Mitarbeiter“ biete, spiele der „Verkaufspreis eine Rolle“, wie der InBev-Sprecher erklärte. Allerdings steht auch InBev unter Druck. Der Konzern braucht die Kapazität in Hannover nicht mehr. Das sei, so der Sprecher, der „Grund, den Standort zu verkaufen“.

Carola Boese-Fischer

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