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Neue Gasturbine

Heizkraftwerk Linden wird für 170 Millionen Euro modernisiert


Hinter den Fassaden der „drei warmen Brüder“ des Heizkraftwerks in Hannover-Linden laufen die Arbeiten für eine 170 Millionen Euro schwere Modernisierung. Die Anlage bekommt in diesen Tagen eine neue Gasturbine samt Generator.
Christoph Kollenda, Hauptabteilungsleiter Produktion, und Ingenieur Frank Ramthun in der neuen Anlage des Heizkraftwerks Linden.

Christoph Kollenda, Hauptabteilungsleiter Produktion, und Ingenieur Frank Ramthun in der neuen Anlage des Heizkraftwerks Linden.

© Martin Steiner

Das Wichtigste vorneweg: Ja, es werden wieder drei Schornsteine sein auf den drei Kesselhäusern des Heizkraftwerks in Linden, wenn Ende kommenden Jahres alles fertig ist. Zwei große, links und rechts, und ein kleinerer in der Mitte. Dann, sagt Christoph Kollenda, Hauptabteilungsleiter Produktion bei den Stadtwerken Hannover, wird das Lindener Wahrzeichen wieder „schön symmetrisch aussehen“. Doch dafür allein, darf der Kunde versichert sein, investieren die Stadtwerke kaum 170 Millionen Euro. Vielmehr sind die Umstrukturierungen auf den Dächern des Kraftwerks nur äußeres Zeichen einer aufwendigen Modernisierung, die am Ende für mehr umweltfreundlichen Strom und zusätzliche Energie für Hannovers Fernwärmenetz sorgen soll.

In dieser Woche hat das Großprojekt zwei wichtige Hürden genommen, wahrnehmbar nur für Lindener Nachteulen: Am Dienstag traf gegen ein Uhr morgens die 90 Tonnen schwere neue Gasturbine im Kraftwerk ein, per Tieflader vom Nordhafen, wo ihre Schiffsreise aus dem französischen Belfort zuvor ihr Ende genommen hatte. Für die Nacht zum Donnerstag nun planten die Ingenieure auch die Ankunft des neuen Generators, der seinerseits rund 120 Tonnen auf die Waage bringt. Ob der Transport wie geplant und ohne Zwischenfälle verlaufen ist, stand bei der Veröffentlichung dieses Artikels noch nicht fest.

Sinn und Zweck der aufwendigen Unternehmung ist in groben Zügen dieser: Bisher erzeugen die Stadtwerke im Heizkraftwerk Strom, indem sie mithilfe von Erdgas, das in einer Gasturbine verbrannt wird, einen gewaltigen Generator antreiben. Gleichzeitig nutzen die Stadtwerke die Restenergie der 1200 Grad heißen Verbrennung, um mit der jetzt noch 600 Grad heißen Abwärme des Wasserdampfes eine sogenannte Dampfturbine in Bewegung zu setzen. Den Strom, der hier erzeugt wird, speist man wiederum ins Stromnetz ein. Außerdem fällt aus sogenanntem Mitteldruckstufendampf noch Fernwärme ab – fertig ist die Kraft-Wärme-Kopplung.

Das alles bleibt im Prinzip so, nur wird die Anlage durch die Anschaffung einer zweiten Gasturbine mitsamt Generator deutlich leistungsstärker. Für sie wird auch der neue, größere Schornstein auf dem rund 65 Meter hohen Kesselhaus 1 installiert. Außerdem wird die 1962 gebaute Dampfturbine durch eine neue ersetzt. „Sie hat einfach das Ende ihrer Lebensdauer erreicht“, sagt Kollenda. So produziert das Kraftwerk demnächst 230 statt 100 Megawatt Strom und 180 statt 90 Megawatt Fernwärme. Damit verbunden sind auch massive Einsparungen beim Kohlendioxidausstoß, zu denen sich die Stadtwerke gegenüber der Stadt verpflichtet haben. Allein die moderne Dampfturbine soll die Emissionen um 200 000 Tonnen senken.

Das alles geht in Linden weitgehend geräuschlos vonstatten – bildlich gesprochen. So schwärmt Produktionsleiter Kollenda von der „hohen Akzeptanz der Maßnahme in der Öffentlichkeit“, die mit den Protesten rund um andere Kraftwerksbauten nicht zu vergleichen sei. „Es ist wohltuend, ein Kraftwerk hochziehen zu dürfen mit so großem Wohlwollen in der Stadt.“

Für Projektleiter Frank Ramthun ist die Ankunft von Turbine und Generator „so etwas wie ein Richtfest“. Ramthun koordiniert mit 15 Mitarbeitern die Arbeiten des knappen Dutzends an Fremdfirmen, die den Umbau leisten. Und ist, das sagt er ganz unumwunden, „stolz auf dieses Projekt“.

Felix Harbart

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