Die Herrenhäuser Brauerei ist zahlungsunfähig. Middendorf will die Brauerei mit Planinsolvenz retten.
Das bedeutet, dass das Management der Brauerei im Amt bleibt und das operative Geschäft unverändert weiterführt – mit dem Ziel, die 82 Arbeitsplätze zu erhalten und eine neue Perspektive für das finanziell schwer angeschlagene Traditionsunternehmen auszuloten. „Ich werde mit aller Kraft versuchen, die Brauerei weiterzuführen und die Jobs dauerhaft zu sichern“, sagte Middendorff am Freitagabend.
Zu dem Entschluss, die Planinsolvenz zu beantragen, kam er erst nach einem Anstoß von anderer Seite. Am Freitagvormittag hatte das Finanzamt Nord beim Amtsgericht Hannover Insolvenzanträge gegen drei Tochtergesellschaften der Brauerei gestellt, weil Steuerforderungen in Millionenhöhe anhängig sind. Das Gericht hatte bereits eine vorläufige Insolvenzverwalterin für dieses Verfahren eingesetzt. Nach Beratungen mit dem Betriebsrat und der zuständigen Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) habe er sich daraufhin entschieden, die Planzinsolvenz zu beantragen, erklärte Middendorff. Er habe ein vorläufiges Insolvenzverfahren in Gang bringen wollen, bei dem er unter Federführung des Gerichts ein Mitspracherecht behalte. Ein Vertreter des Amtsgerichts habe diesem Ansinnen am Abend telefonisch zugestimmt. Zu den Forderungen des Finanzamtes sagte Middendorff, es handele sich um Altschulden, die sein Unternehmen aber weiterhin belasteten. Nach den Worten des Firmenchefs liegt die Finanzmisere nicht an Absatzproblemen: Die Auftragslage der Brauerei sei „bombig“.
Erst am Montag war ein vorläufiges Insolvenzverfahren gegen zwei Tochtergesellschaften der Brauerei aufgehoben worden. In diesem Fall ging es um offene Forderungen von Krankenkassen, denen Herrenhäuser Sozialversicherungsbeiträge schuldig geblieben war. Nach Begleichen der Beträge hätten die Kassen das Insolvenzverfahren nicht weiterverfolgen wollen, erklärte Amtsgerichtssprecher Michael Siegfried.
Mit der beantragten Planinsolvenz dürfte die Aussicht sinken, dass ein großer Teil der Brauereimitarbeiter, die mitunter seit Monaten auf ausstehende Gehälter warten, ihr Geld zeitnah erhalten. Die laufende Fortzahlung der Löhne ist für drei Monate durch das Insolvenzverfahren gesichert. Branchenkenner rechnen damit, dass Middendorff als Privatmann die Steuerforderungen an sein Unternehmen begleichen könnte: Er soll einen großen Immobilienbesitz haben.
Juliane Kaune und Carola Böse-Fischer